Man stelle sich vor, Raphael Wicky, seine Staff-Mitglieder sowie seine Spieler legen sich in einem Kreis auf den Boden und beten zu jemandem, dass sich die Lage so bald als möglich bessert. Aber auch wenn der Trainer des FC Basel dieses Szenario selber zeichnet, schiebt er sogleich nach, dass es «natürlich nicht so ist.»

Die Krisenbewältigung steht aber dennoch zurzeit hoch oben auf der To-do-Liste Wickys. «Es ist ja klar, dass die Seelenpflege in einer solchen Problemphase wie der jetzigen wichtiger ist als die Muskelpflege.»

Das ist vor allem insofern zu erwähnen, als dass Wicky gerade mehr Spieler als gewohnt verletzungsbedingt fehlen: Eder Balanta laboriert weiter an seinen muskulären Problemen in der Wade und im Oberschenkel, Raoul Petretta kann nur Runden drehen, weil er sich wie schon im Trainingslager eine leichte Entzündung rund um den Wadenbeinkopf zugezogen hat und Davide Callà verspürt Schmerzen nach einem Zusammenprall mit einem Mitspieler.

Immerhin hat sich Valentin Stocker von seinen kurzzeitig aufgetretenen Schmerzen erholt, die einen Einsatz am Sonntag noch verhindert hatten.

Kopf statt Körper

Die mentalen Probleme aber sind beim FC Basel eine längerfristige Sache. Und genau das ist auch das Kernproblem, nicht etwa zu wenig Zeit für Trainings in englischen Wochen wie diesen. «Es ist eine reine Kopfgeschichte, keine körperliche», sagt Wicky denn auch. Schliesslich sei es auch absolut logisch, dass man sich als Sportler hinterfrage, wenn etwas nicht so funktioniert, wie man es möchte. «Sei es nun der Verteidiger nach einem Fehler oder der Stürmer, wenn er nicht trifft: jeder fängt an zu zweifeln.»

Gleichzeitig sagt Wicky aber auch, dass sowohl die Spieler als auch der Staff wissen, dass Qualität da sei, denn «sonst wäre ein solcher Match und ein solches Resultat wie in Manchester nicht möglich».

Aber dieses sensationelle 2:1 gegen Manchester City ist in etwa so weit weg wie der erste Platz in der Tabelle und der damit verbundene Meistertitel.

Viel mehr muss sich der FCB nach hinten orientieren, schauen, dass die sich im Auftrieb befindenden St. Galler nicht plötzlich so nahe kommen, dass man in Basel noch um Platz 2 bangen muss. «Man muss nicht der grösste Mathematiker sein, um zu wissen, dass wir punkten müssen, weil es sonst eng wird», sagt Wicky.

Hat er gar Angst? «Das würde ich nicht sagen.» Die Lösung liegt ohnehin für ihn nicht beim Blick auf die Anderen und die Tabelle, sondern darin, sich auf sich selber zu fokussieren.

Suchy statt Xhaka

Primär Verbesserungspotenzial sieht Wicky bei der Chancenauswertung. «Es ist nicht so, dass wir keine Chancen haben. Wir erarbeiten uns pro Spiel drei bis vier. Wenn du dann aber so klare wie die beiden Penaltys gegen Lugano und St. Gallen verschiesst, wird es schwierig.»

Die Effizienz, die irgendwann zwischen Ende Dezember und Anfang Februar verloren gegangen ist, gelte es, wieder zu finden. «Das müssen wir uns auch erkämpfen», fordert der FCB-Trainer. Ohnehin müssen der Hunger und der Kampf spezielle Faktoren spielen auf dem Weg zurück in die Siegesstrasse. «Aber nicht nur. Wir müssen auch versuchen, Fussball zu spielen, mehr erste und zweite Bälle zu halten. Das sind auch Dinge, die in Luzern bereits in der Pause angesprochen worden sind.»

Um kämpferisch zuzulegen kann der FC Basel heute auch wieder auf Taulant Xhaka zählen. Der Mittelfeldspieler musste in Luzern eine Ein-Spiel-Sperre absitzen, was er bereits in Lausanne beziehungsweise im Klassiker hätte tun können, wären die beiden Partien nicht verschoben worden. Jetzt aber steht er wieder zur Verfügung und gibt den Stab des Gesperrten an Captain Marek Suchy weiter. Dieser flog am Sonntag in Luzern nach seiner zweiten gelben Karte vom Platz.

Dies bedingt auch, das Wicky in der Verteidigung bereits wieder umbauen muss. Mit Léo Lacroix und Yves Kaiser stehen im lediglich zwei gelernte Innenverteidiger zu Verfügung und mit Fabian Frei einer, der diese Position auch bekleiden kann. Der Rückkehrer und Lacroix seien die wahrscheinlichste Paarung, gab Wicky preis.

Am Ende ist es aber egal, wer auf dem Feld steht. Holt der FCB am Mittwoch nicht einmal gegen das schlechteste Team der Rückrunde drei Punkte, müsste Wicky sich das mit dem Beten noch einmal überlegen.