Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität ist im Sport oft frappant. Auch in Basel, nicht immer, aber zumindest öfters als den Baslern lieb war. Präsident Hans-Peter Gerber, nach der verpassten direkten Playoff-Qualifikation enttäuscht, bringt es auf den Punkt: «Ich habe meine Meinung geändert, ich bin überzeugt, dass uns der Umweg über die untere Masterround gut getan hat.» Auch wenn – wie bereits in der gesamten Qualifikation – die Konstanz oft gefehlt hat, wie zuletzt in Burgdorf. Unterstützung erhält er von seinem Spieler, Liga-Topskorer Remo Hunziker. «Wir sind in den letzten Spielen stabiler und auch reifer geworden,» sagt er.

Die Last des Aushängeschilds

Das sieht auch Trainer Peter Salmik so: «Reife hat auch damit zu tun, dass wir gelernt haben, besser mit dem Druck umzugehen.» Salmik spricht von einem Prozess: «Viele unserer Spieler waren sich nicht gewohnt, im Mittelpunkt des Interesses zu stehen. Von einem Tag auf den andern waren wir das Aushängeschild der Region und damit hatten einige Spieler extrem viel Mühe.» Präsident Hans-Peter Gerber erinnert an den Umstand, dass «wir die ganze Sache nach dem Konkurs der Sharks innert weniger Wochen auf die Beine stellen mussten.»

Schwankungen vermeiden

Vielleicht hat dieser Prozess «back to the roots» in Basel wirklich etwas länger gedauert, vielleicht sind die Basler nun wirklich auf den Punkt genau bereit für die Aufgabe Playoffs. Am Samstag in Burgdorf waren sie es (noch) nicht, am Dienstag in Hasle-Rüegsau wollen sie es sein. Sicher und verbürgt ist, dass alle Beteiligten nicht müde werden, den Weg zum Erfolg verbal vorzuzeichnen. Und dabei fallen Worte wie Disziplin, Kampfbereitschaft, Konstanz und geschlossene Mannschaftsleistung. Der Präsident sagt es – wie immer – leicht rustikal: «Die Mannschaft hat sich im entscheidenden Unterseen-Spiel selber bewiesen, dass sie den inneren Sauhund rauskehren und kämpfen kann.» Remo Hunziker, der in den beiden letzten Spielen geschont wurde, beschwört die Notwendigkeit «einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Alle sind gleichermassen gefordert und wir müssen die unsäglichen Schwankungen – auch innerhalb der einzelnen Spiele – vermeiden.»

Mit den Worten des Trainers tönt es dann so: «Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft in den letzten Spielen noch enger zusammengewachsen ist. Vielleicht brauchte es das Messer-am-Hals-Erlebnis, um die letzten Blockaden zu lösen.»

Basel tritt nicht als Favorit an

Salmik gibt den Weg vor: «Talent allein genügt nicht, die Spieler müssen bereit sein, diszipliniert zu spielen, die taktischen Anweisungen umzusetzen und vor allem zu kämpfen, um jede Scheibe, um jeden Meter Eis.» Basel tritt gegen Brandis nicht als Favorit an, hat sich aber trotzdem die Halbfinal-Qualifikation und damit den Sieg in der Best-of-5-Serie zum Ziel gesetzt. Einmal hat man – völlig überraschend – dem damaligen souveränen Tabellenführer seine erste Niederlage zugefügt, zuhause ging die zweite Partie klar verloren. Beim Rezept zum Erfolg sind sich alle einig, fragt sich nur, ob bei der Umsetzung die alte Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität nicht wieder aufreisst.