Der Leader

Fabian Frei kommt als Führungsspieler

Ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk. So wurde Fabian Freis Rückkehr zum FC Basel bezeichnet. Nach zweieinhalb Jahren bei Mainz und seinem einzigen Bundesligator am letzten Spieltag hat Frei sich den grossen Wunsch von der Rückkehr zu seinem Herzensverein erfüllt. Im Sommer noch wiegelte er ab, wollte sich in Deutschland weiter beweisen. Doch jetzt – wohl auch nach Matías Delgados Rücktritt und der damit entstandenen Lücke – sah er seine Zeit gekommen.

Der Trainingsstart heute fällt just auf Freis 29. Geburtstag. Eine schöne Anekdote einer Rückholaktion, die vor allem die Herzen der Fans höherschlagen und deren Sehnsucht nach Identifikation stillen wird. Denn auch wenn Frei seinen Ostschweizer Dialekt nie verloren hat, er gilt als «eine vo uns». Des Weiteren steht er für Erfahrung auf höchstem Niveau, Polyvalenz, Spielintelligenz, Leadership, Lokalkolorit und Kollegialität. «Schlaubi», wie Frei in Basel aufgrund seines hohen Intellektes liebevoll genannt wird, war immer einer der Publikumslieblinge und auch in der Mannschaft gern gesehen.

Fabian Frei ist zurück im Trikot des FCB

Fabian Frei ist zurück im Trikot des FCB

Die Frage bei all der Romantik rund um Freis Rückkehr stellt sich aber nach dessen Position auf dem Feld. Der Nati-Spieler kann beinahe überall spielen, bevorzugt aber im Zentrum. Ob er dies nun auf der 6 oder etwas weiter vorne auf der 8 tut, ändert an seiner Freude sowie seinen Qualitäten nichts. Es wird sehr spannend zu sehen sein, was sein Trainer Raphael Wicky genau mit ihm vorhat.

Möglich wäre, dass er für Frei die Rolle vorsieht, die Delgado vor seinem Rücktritt ausübte: jene vor einer Dreierabwehr im 3-1-4-2. Auch seine Stellung in der sehr flachen Hierarchie der Mannschaft muss noch definiert werden. Die internen Machtverhältnisse könnten sich verschieben. Denn Frei ist ein Spieler mit Captain-Potenzial. Dieser Posten ist aber vergeben. Weit vom Zirkel der drei Captains wird er aber nicht entfernt sein.

Der Gestalter

Samuele Campo steht für das Kreative

Das Erbe, das er antritt, ist gross. Nicht nur, weil er in seiner zweiten Zeit beim FCB die Nummer zehn auf dem Rücken tragen wird. Sondern vor allem, weil Samuele Campo nicht nur die alte Nummer von Matías Delgado übernimmt, sondern dies auch mit dessen Aufgaben auf dem Feld tun soll. Campo soll der Basler Offensive wieder mehr Variabilität verleihen, sie kreativer und unberechenbarer machen. Einen Tick genialer. Einen Tick näher an dem, was Delgado immer verkörpert hat.

Dass Campo dies kann, hat er in seinen Lehrjahren bei Lausanne unter Beweis gestellt. In 18 Hinrunden-Spielen steuerte er vier Tore und acht Assists bei, dirigierte die Lausanner Offensive und glänzte immer wieder mit feiner Technik. «Er ist ein toller Spielgestalter», lobt ihn FCB-Sportdirektor Marco Streller. Man sei glücklich, «dass wir einen begehrten jungen Spieler wie Samuele für uns gewinnen konnten».

Samuele Campo reifte in Lausanne unter Fabio Celestini zu einem Spieler, der das Potenzial hat, Matías Delgado beim FCB zu ersetzen.

Samuele Campo reifte in Lausanne unter Fabio Celestini zu einem Spieler, der das Potenzial hat, Matías Delgado beim FCB zu ersetzen.

Aber Campo ist eben nicht nur fussballerisch genau das, was dem FCB gefehlt hat. Er passt auch neben dem Feld genau ins Konzept. Er absolvierte alle Stufen im FCB-Nachwuchs, spricht Baseldeutsch und ist trotz seiner Jahre in Lausanne tief verwurzelt mit dem Verein und der Region. Und er wollte immer zum FCB zurück. Daraus hat er nie ein Geheimnis gemacht.

Von Campo darf man viel erwarten. Aber allzu viel Druck wolle man vonseiten des FCB eben auch nicht machen. Roland Heri betonte, dass man dem 22-Jährigen bis im Sommer Zeit geben wolle, richtig anzukommen und sich an die neuen Dimensionen und das ganze Drumherum zu gewöhnen, das sich beim FCB doch noch etwas von jenem auf der Pontaise unterscheidet. Auch wenn man den Verein kennt.

Dass neben ihm auch noch Fabian Frei zurückgekehrt ist, ist das Beste, was Campo passieren konnte. Denn so kann er im Schatten des Ex-Bundesliga-Profis zum Delgado-Nachfolger reifen, als welcher er geholt wurde.

Der Überzählige

Alexander Fransson bei Lausanne

Viel Spielzeit und grossen Einfluss hatte Alexander Fransson seit seiner Ankunft beim FC Basel nie gehabt. Er ist unauffällig, ruhig, wird leicht übersehen. Dass er heute nicht mehr mit dabei ist, wird kaum auffallen. Der Schwede trainiert bis im Sommer auf Leihbasis bei Lausanne-Sport, weil er in Basel keinen Platz mehr hatte. Mit Luca Zuffi, Taulant Xhaka und Geoffroy Serey Die hatte er schon drei Kollegen vor der Nase, die Letztere weiter vorne hatten als er.

War überzahlig beim FCB: Alexander Fransson

War überzahlig beim FCB: Alexander Fransson

Fransson kann zwar auch weiter vorne agieren, dort aber wurde das Gedränge durch die Zuzüge Freis und Campos alles andere als kleiner. Bei Lausanne soll er dank mehr Einsatzminuten jene Fortschritte machen, die es ihm ermöglichen sollen, dereinst auch beim FC Basel eine gewichtigere Rolle einnehmen zu können. Und mit Schweden an die WM zu reisen.

Die Enttäuschung

Omar Gaber beim Los Angeles Football Club

Auch Omar Gaber ist nur ausgeliehen. Jedoch bis Ende Jahr. Und mit weniger Aussichten darauf, dass er sich jemals wieder das Trikot des FC Basel überstreifen wird. Als vierter Ägypter nach Mohamed Salah, Mohamed Elneny und Ahmed Hamoudi und mit unzähligen Lorbeeren geschmückt kam Gaber nach Basel. Volksheld. Captain. Führungsfigur. Nur: diese Beweise blieb er schuldig.

Omar Gaber spielt in den kommenden Monaten in Los Angeles

Omar Gaber spielt in den kommenden Monaten in Los Angeles

Den einzigen, den er erbrachte: in Basel setzt sich ein ägyptischer Spieler eben nur dann durch, wenn er den Vornamen Mohamed trägt. Dass er in den Trainingseinheiten des FCB nicht mehr dabei ist, daran hat man sich schon lange gewöhnt. Schon Ende Rückrunde war er erst krank, dann bereitete er den Umzug nach Los Angeles vor, wo er sich beim neu gegründeten Los Angeles Football Club ebenfalls für eine WM-Teilnahme mit seinem Land empfehlen will.

Der Reinfall

Andraz Sporar bei Slovan Bratislava

Es ist der jüngste Transfer, den der FCB getätigt hat: Am 3. Januar verkaufte er Andraz Sporar zu Slovan Bratislava. Bereits in der Hinrunde war er nicht mehr Teil der Basler Mannschaft. Er sollte bei Arminia Bielefeld wieder lernen, das Tor öfter zu treffen. Denn ein Tor aus 26 Einsätzen für die Basler war zu wenig. Das Verhalten neben dem Platz in etwa gleich dürftig. Die Zeit in Bielefeld verlief ähnlich unglücklich, Arminia schickte ihn zurück nach Basel.

Andraz Sporar wird bei Slovan Bratislava spielen

Andraz Sporar wird bei Slovan Bratislava spielen

Nur ist der FCB im Sturm schon ohne Sporar überbesetzt. Da war klar, dass seine Dienste nicht gebraucht würden. Streller und Co setzten dem grossen Missverständnis des einst als Hoffnungsträger nach Basel gekommenen Slowenen ein Ende. Sein Verkauf zu Bratislava ist eine weitere nötige Kaderkorrektur. Und vermissen wird ihn beim heutigen Trainingsauftakt keiner.

Die Fragezeichen

Wen lässt der FCB ziehen? Wen hält er?

Marco Streller betonte es Ende der Hinrunde immer wieder: Das Team soll zusammenbleiben. Da sprach er vor allem von den Leistungsträgern. Von den Michael Langs, den Manuel Akanjis und den Mohamed Elyounoussis. Auch wenn viel spekuliert worden ist in den letzten Wochen: Noch sind alle Spieler, die der FCB halten wollte, noch immer Teil des Kaders.

Bleibt er dem FCB bestehen?

Bleibt er dem FCB bestehen?

Akanji hat weder in Liverpool noch bei Dortmund unterschrieben, Elyounoussi ist den Lockrufen aus England ebenso wenig erlegen. Und bei Lang müsste ohnehin ein grosser Verein kommen, damit er gehen würde. Heute werden sie also alle noch dabei sein. Die Frage ist, wie lange noch. Gleiches gilt für Dominik Schmid, Neftali Manzambi, Afimico Pululu und Pedro Pacheco. Dass für Letzteren ein Leihverein gesucht wird, ist bekannt. Ähnliches dürfte für die anderen drei gelten.

Das Programm

Der FC Basel bestreitet fünf Testspiele

Gleich mit zwei Trainings (Lauftests am Morgen, 10.30 Uhr im Leichtathletikstadion St. Jakob und einem Indoor-Training am Nachmittag) beginnt für den FC Basel heute die Vorbereitung auf die Rückrunde der Saison 2017/2018. Am Mittwoch, 10. Januar, geht es dann nach Marbella, wo der FCB in der südspanischen Sonne bis und mit 21. Januar den Grundstein für eine erfolgreiche zweite Saisonhälfte legen will. Bis zum ersten Ligaspiel am 4. Februar gegen Lugano testet der FCB insgesamt fünf Mal (Änderungen vorbehalten):

  • am 14.1. gegen Tianjin Quanjian
  • am 17. 1 gegen Viktoria Pilsen
  • am 20.1. gegen Sturm Graz
  • am 24.1. gegen Winterthur
  •  am 27.1. gegen Luzern

Die Anstosszeiten werden kurzfristig bekannt gegeben.