FC Basel

Vor möglichem Getafe-Einstaz: Edon Zhegrova und das Warten auf die Sonnenstrahlen

Edon Zhegrova will im St. Jakob-Park Ausrufezeichen setzen. Vielleicht schon gegen Getafe?

Edon Zhegrova will im St. Jakob-Park Ausrufezeichen setzen. Vielleicht schon gegen Getafe?

Edon Zhegrova musste beim FC Basel lange hinten anstehen. In der Europa League gegen Getafe könnte er dank Sperren und Verletzungssorgen auf den Flügelpositionen die Chance bekommen, für Besonderes zu sorgen.

Die Auftritte des FC Basel seit der kämpferischen Glanzleistung beim 1:0-Sieg in Getafe, sie glichen etwas dem Wetter der letzten Tage: trist, eintönig und nur wenig Freude bereitend. Sonnenstrahlen vermochten die dicke Wolkendecke über Basel und dem Rasen selten zu durchbrechen.

Die Glanzmomente aus den Duellen mit dem FC Zürich, Stade Lausanne-Ouchy und Neuchâtel Xamax lassen sich – überspitzt formuliert – an einer Hand abzählen. Stattdessen zollte der FCB den Anstrengungen der letzten Wochen Tribut: Der dichte Terminkalender mit Spielen im Dreitagesrhythmus, mit Reisen nach Spanien und in die Romandie verlangte den Akteuren einiges ab. Die mentale und körperliche Müdigkeit machte sich verständlicherweise bemerkbar im Spiel der Basler.

Im Spiel aller Basler? Nicht ganz: Edon Zhegrova, der junge Flügelflitzer, wusste die Gunst der Stunde phasenweise zu nutzen und lieferte in der wenigen Spielzeit, die ihm gewährt wurde, mit Tempo und Spielwitz zumindest einige erfreuliche Argumente.

Mit dem Ball am Fuss fühlt sich Edon Zhegrova wohl.

Mit dem Ball am Fuss fühlt sich Edon Zhegrova wohl.

Wie ein Sonnenstrahl, der sich zierlich, schüchtern gar, durch den Nebel wagt, sorgte der 20-Jährige beim Publikum immerhin kurzzeitig für Erhellung. So etwa mit seinen beiden Assists, die dem FCB sowohl gegen Ouchy als auch gegen Xamax den Weg zum Ausgleich ebneten. Wie ein Sonnenstrahl an einem grauen Herbsttag erlosch jedoch auch Zhegrovas spielerisches Licht in diesen Partien jeweils schnell: Ballverliebtheit, Fehlzuspiele und falsche Entscheidungen sorgten dafür, dass der Kosovare ein ums andere Mal eher ein Hemmnis im Basler Offensivspiel war.

Offensive Glanzmomente und defensive Schwächen

«Wir freuen uns, dass er die Qualitäten hat, für entscheidende Momente zu sorgen. Aber nicht jedem Spieler gelingt immer alles. Er muss noch lernen, dass er manchmal ein bis zwei Sekunden früher abspielen könnte. Das probieren wir ihm beizubringen», sagte FCB-Trainer Marcel Koller nach dem Spiel gegen die Neuenburger über den Youngster, dem er nur selten sein Vertrauen schenkte.

«Er hat die Qualitäten, aber momentan hat er den Rhythmus nicht, weil er nicht immer spielte», gab Koller zu. Erst in sieben von wettbewerbsübergreifend 23 FCB-Pflichtspielen kam Zhegrova zum Zug, schaffte es kein einziges Mal in die Startelf. Zwischenzeitlich musste er gar mit der U21 Spielpraxis sammeln.

Erst zweimal spielte er in dieser Saison länger als dreissig Minuten, zuletzt gegen Xamax, als er früh den verletzten Okafor ersetzte. Der personelle Engpass auf den Flügeln, der sich durch Okafors neuerliche Verletzung noch verschlimmert hat, könnte nun zur Chance für den Kosovaren werden.

Hatte beim FCB bisher nur wenig zu jubeln: Edon Zhegrova.

Hatte beim FCB bisher nur wenig zu jubeln: Edon Zhegrova.

Weil Bua und Stocker, die beiden derzeit besten Skorer beim FCB, gegen Getafe gesperrt fehlen und Pululu am Sonntag ein weiteres Mal zeigte, dass der Couloir nicht seine bevorzugte Position ist, bleibt Koller kaum eine andere positionsgetreue Option als Zhegrova. Möglich, dass er dennoch ein Experiment mit Riveros oder Cabral vorzieht.

Denn eine Nomination Zhegrovas ist auch mit Risiken verbunden: Er kann eine Waffe sein. Allerdings auch eine, deren Schuss nach hinten losgeht. Dies geschah auch gegen Xamax, als seine teils nonchalanten Ballverluste seine Teamkollegen in die Bredouille brachten. Es ist ein Risiko, das Koller zuletzt kaum zu gehen bereit war. Ein Risiko, das im wichtigen Spitzenspiel gegen defensiv- und konterstarke Spanier nicht geringer wird.

Ein Strassenfussballer setzt seinen Fokus neu

Und doch überwiegt die Hoffnung, dass Zhegrova mit seiner unbeschwerten Strassenfussballer-Art dafür sorgt, dass die Basler Offensive Löcher in der Getafe-Abwehr aufreissen und sich in deren Rücken spielen kann. Nur so wird man sich Punkte im Kampf um den Gruppensieg sichern können.

Dass Zhegrova dazu fähig sein kann, hat er in den letzten Wochen durchblicken lassen. Unvergessen bleibt etwa sein Solo im Heimspiel gegen Zürich Ende September, das er mit seinem bisher einzigen Tor für den FCB krönte.

Sieht man Zhegrova beim Spielen zu, wird man den Eindruck nicht los, dass er kann, wenn er denn will. Zu oft kam ihm dabei bisher seine Ballkünstler-Mentalität in die Quere, weil er sich etwa lieber damit beschäftigte, Videos von seinen Tricks auf Instagram zu posten, als auf dem Feld Argumente dafür zu liefern, dass der FCB ihn nach dem Ende seiner Leihe im Sommer fix von Genk übernimmt. Dass er sich in seiner Entwicklung bisweilen selbst im Weg steht, ist auch aus seinem fussballerischen Umfeld zu vernehmen.

Zhegrova posiert bei einem Spiel der kosovarischen Nationalmannschaft mit Fans.

Zhegrova posiert bei einem Spiel der kosovarischen Nationalmannschaft mit Fans.

Mittlerweile scheint auch er dies erkannt zu haben: «Ich versuche, jeden Tag zu lernen und besser zu werden. Gerade im physischen und defensiven Bereich gibt es noch viel zu lernen», analysierte er seinen Auftritt gegen Xamax.

Dass er seine Chance nutzen will, verrät auch ein Blick auf sein Instagram-Profil: Dort verschwanden nämlich seine zahlreichen Beiträge. Alle, bis auf ein Foto mit seiner Schwester und vom Tor gegen den FCZ. Es scheint, als würde Zhegrova langsam beginnen, den Fokus auf das zu setzen, was wirklich wichtig ist.

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