Wenn die Schweiz am Dienstagabend im Joggeli auf Portugal trifft, wird Kofi Nimeley zu Hause vor dem Fernseher sitzen und mitfiebern. Mit seinen Freunden und Weggefährten, den U17-Helden, die in Nigeria 2009 Weltmeister wurden, jenen, die den Sprung geschafft haben. Ricardo Rodriguez, Haris Seferovic und Granit Xhaka sind im Verlauf der letzten sieben Jahre zu festen Bestandteilen der Nati geworden.

Kofi versuchte es auch, mit allem, was er hatte. Er wollte Fussball-Profi werden, träumte von der Premier League. Doch der Traum ist geplatzt. Zu oft spielte ihm das Schicksal einen Streich. Vor zwei Monaten der definitive Entscheid: Ende, aus, vorbei. Er hat die Fussballschuhe in den Schrank geschlossen, den Fernseher gemieden und abgeschlossen. «Zwei, drei Wochen konnte ich nicht einmal ein Fussballspiel im Fernseher schauen. Und meine Freunde haben es gemieden, mich auf Fussball anzusprechen», sagt Nimeley gegenüber der «Schweiz am Sonntag».

Das Runde muss nicht mehr ins Eckige. Kofi verkauft jetzt Häuser. «Als Kind wollte ich eigentlich immer Architekt werden. Ich zeichne noch immer gerne und bei Städtereisen beschäftige ich mich mehr mit Fassaden und Häusern als mit sonst etwas», sagt er. Die Matura hat er zwar im Sack, aber Architektur studieren, davor schreckte er doch zurück. Wegen der Mathematik, der Physik. Dann also Immobilienmakler.

Der erste Schritt Richtung Basel

Den ersten Schritt in diese Richtung machte er im Sommer vor einem Jahr. Nach zwei äusserst durchzogenen Jahren im Tessin beim FC Locarno, einem Abstieg, ausgebliebenen Lohnzahlungen, Verletzungen, entscheidet er sich, einen Schritt zurückzumachen, von der Promotion League in die 1. Liga. Zurück nach Basel, das war ihm wichtig. Er wollte heimkehren, hatte nach den turbulenten Tagen im Süden genug. Also unterzeichnete er bei den Black Stars.

Kein einfacher Schritt. Nimeley sagt: «Nach all dem, was im Tessin geschah, wollte ich zuerst einmal einfach wieder Spass am Fussball haben.» Den Entscheid erleichterte ihm FCB-Legende Benjamin Huggel. «Beni war der Hauptgrund, dass ich mich für die Blacks entschied», sagt er. Huggel war beim FCB sein Mentor, in Zeiten also, als es schien, dass Kofi Profi-Fussballer würde.

Selbst als Nimeley im Sommer 2013 den Sprung von der U21 ins Fanionteam des FC Basel nicht schafft und zu Locarno wechselt, deutet noch nichts auf das vorzeitige Ende seiner Karriere hin. Der damalige U21-Trainer und spätere Luzern-Coach Carlos Bernegger meinte dazumal: «Für ihn ist noch alles möglich. Auch eine Karriere als Profi.» Und Kofi sagte: «Es sieht aus wie ein Rückschritt, aber für mich ist es die Chance, meine Karriere ein zweites Mal zu lancieren.»

Es kam anders. Im Herbst 2015 beginnt er als Call-Agent für eine Versicherung. «Ich brauchte nebenbei einen Job, da ich nicht mehr vom Fussball leben konnte», erinnert er sich. Von da an wälzt er Stelleninserate, versucht alles, um irgendwie ins Immobiliengewerbe zu kommen. «Auch wenn es Leute gab, die mir sagten, dass ich keine Chance habe», sagt er.

Doch seine Hartnäckigkeit macht sich bezahlt. Anfang des Jahres 2016 kriegt er eine Stelle. Und Kofi nimmt seinen neuen Geld-Job so ernst wie zuvor den Fussball. Schnell ist er der beste Agent, seit Anfang September ist er Teamleiter, führt rund 20 Leute. «Ich habe die Möglichkeit gekriegt, aufzusteigen, und diese Chance habe ich gepackt», sagt er.

Die Freundschaft ist geblieben

Momentan gehe er vielleicht noch dreimal pro Woche joggen. Sonst macht er keinen Sport mehr. Dafür studiert er «Business and Administration». Seine Tage im Büro in Zürich sind lang. Und auch die Wochenenden in seiner Heimat in Basel. Kofi: «Ich bin anfangs zum Teil am Samstag aufgewacht und hatte das Gefühl, dass ich jetzt zum Spiel muss.»

So war es seit seinem sechsten Lebensjahr, seit er beim SV Muttenz erstmals die Fussballschuhe schnürte. Damit ist Schluss. Bald will er die langen Wochenenden nutzen, um seine Fussball-Freunde, seine U17-Weggefährten zu besuchen. Insbesondere auch Granit Xhaka, der eben als teuerster Schweizer Transfer für 45 Millionen Franken zu Arsenal London wechselte. Mit Granit bildete Kofi einst das Mittelfeldzentrum in den U-Mannschaften Basels. Jetzt ist der eine ein Premier-League-Star, der andere Teamleiter eines Immobilienunternehmens. Die Freundschaft ist geblieben.