FC Basel
Walter «il muro» Samuel und sein argentinischer Kampfgeist

Er hat sie alle überrascht. Walter Samuel, 36 Jahre alt. 18 Jahre als Profi hat er hinter sich, als er sich diesen Sommer entschliesst, Inter Mailand zu verlassen und künftig beim FC Basel zu verteidigen.

Janine Müller
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Walter Samuel im Training mit dem FC Basel.
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Der 36-jährige Argentinier Walter Samuel wird neuer Verteidiger beim FC Basel.
Walter Samuel
Er ist bereits seit 18 Jahren Fussballprofi.
2001: Walter Samuel (rechts, AS Roma) im Zweikampf mit dem Liverpooler Emile Heskey.
2002: Mit AS Roma spielt Walter Samuel gegen den FC Barcelona und muss gegen Patrick Kluivert verteidigen.
2003: Walter Samuel (rechts) spielt bei AS Roma und verteidigt im Spiel gegen AC Milan Andrey Shevchenko.
2004: Walter Samuel im Zweikampf mit Ronaldinho vom FC Barcelona.
2005: Walter Samuel ist Verteidiger bei Inter Mailand und kämpft gegen den Mittelfeldspieler Valon Behrami von Lazio Roma.
2006: Mit Argentinien reist Walter Samuel an die Weltmeisterschaft in Deutschland. (Hintere Reihe, 1. von rechts)
2007: Gegen CSKA Moskau schiesst Walter Samuel ein Tor in der Champions League.
2010: Walter Samuel erzielt das 4:0 gegen AC Siena.
2010: Er feiert den Sieg von Argentinien gegen Deutschland während dem Freundschaftsspiel vor der WM in Südafrika.
2010: Mit Argentinien spielt er an der Weltmeisterschaft in Südafrika. (Hintere Reihe, 2. von rechts)
2012: Walter Samuel verteidigt gegen AC Milan-Spieler Kevin Prince Boateng.
2012: Im Zweikampf mit Miroslav Klose von Lazio Roma.
2012: Samuel feiert mit seinen Teamkollegen den Treffer gegen AC Milan.
2012: Walter Samuel spielt für Inter Mailand.

Walter Samuel im Training mit dem FC Basel.

Keystone

Der Innenverteidiger Walter Samuel hat beinahe alles gewonnen, was ein Fussballer zu gewinnen hat. 2010 der Höhepunkt: das Triple (Champions League, italienische Meisterschaft und Cup). Und nun lebt der Argentinier in Basel. Gemeinsam mit seiner Frau Cecilia, seinen Söhnen Francisco und Mirko und seiner Tochter Valentina, die in diesen Tagen in der Schweiz ankommen. Ein neues Land, eine neue Stadt, eine neue Meisterschaft und ein neuer Klub.

Samuel hätte Angebote von Sampdoria Genua oder Fiorentina annehmen können, hätte vielleicht wie so viele andere seine Karriere irgendwo in einem Wüstenstaat vergolden können. Er habe noch eines, maximal zwei gute Fussballerjahre vor sich. Und in diesen will er noch etwas erreichen.

Eine neue Liga für Samuel

Es spricht für ihn, für seinen sportlichen Ehrgeiz, dass er sich für den FC Basel entschied. «Ich konnte nicht Nein sagen, als mir der FC Basel das Angebot unterbreitete», erklärt er seine Beweggründe. «Jetzt habe ich die Chance, eine neue Liga kennen zu lernen und nochmals europäisch zu spielen.»

Dass sich so einige in der Schweiz und Italien überrascht zeigten über den Wechsel, dass einer mit seinem Renommee in der Schweiz Fussball spielen will, kümmert ihn nicht. Er zuckt mit den Schultern, sagt, dass die Erfolge bei Inter Mailand nun nicht mehr zählen. «Das ist Vergangenheit.»

Wenn er so spricht, mit leiser Stimme, ernsthaft, aber stets höflich, die Hände ineinander verschränkt, glaubt man kaum, dass er auf dem Platz beinhart zur Sache geht. Hart, aber immer fair. Nur zwei rote Karten hat er in seiner bisherigen Karriere gesehen, dazu zweimal Gelb-Rot.

In Italien haben sie ihm den Übernamen «il muro – die Mauer» gegeben. Walter Samuel ist einer, der es wohl noch mehr als andere Verteidiger hasst, wenn es ein Gegentor gibt. Er könne es nicht ausstehen, sagte er einst in einem Interview. Das hat sich auch mit den Jahren nicht geändert, gelassener ist er nicht geworden. «Der argentinische Kampfgeist», sagt er beinahe entschuldigend und lächelt.

Von Walter Lujàn zu Walter Samuel

Gelernt hat er den Kampfgeist schon früh. Auf den harten Fussballplätzen in seinem Heimatort Firmat, einer Kleinstadt in der argentinischen Provinz Santa Fé. Und seine Mutter Gladys musste alleine für den Jungen sorgen.

Seinen leiblichen Vater hat Walter Samuel nie kennen gelernt. Gladys lernte einen neuen Mann kennen, als ihr Sohn vier Jahre alt war. Oscar Samuel. 1997, im Jahr, als Walter auch den U20-Weltmeistertitel holte, nahm er den Namen seines Stiefvaters an. Er hiess nun nicht mehr Walter Luján, sondern ab sofort Walter Samuel. Über diese Zeit sprechen mag er nicht. Er sei aber stolz darauf, dass er dies getan habe, sagte er einmal.

Debüt im Klub von Heinze, Batistuta und später Messi

Nachdem er als kleiner Junge mit seinen Freunden auf dem Schulhof Fussball gespielt hatte, trat er bald dem Klub Atlético Argentino de Firmat bei. Es dauerte nicht lange bis zu seinem ersten Klubwechsel. 1996 debütierte er in der 1. Liga Argentiniens bei Newell’s Old Boys.

Der Rasen bei diesem Klub scheint ein besonderer zu sein. Nebst Walter Samuel brachte dieser Klub Spieler wie Gabriel Heinze, Gabriel Batistuta, Maxi Rodríguez oder einen gewissen Lionel Messi hervor. Bald folgte Samuel dem Ruf aus der argentinischen Hauptstadt.

Im Jahr 2000 der Wechsel nach Europa

Die Boca Juniors nahmen ihn auf die Saison 1997/98 unter Vertrag. Im Jahr 2000 zog es ihn dann nach Europa. Italien. Die AS Roma. Und im ersten Jahr verhalf er den Römern zum Meistertitel. Doch das war Samuel nicht genug.

2004 lockte Real Madrid. Allerdings: die eine Saison, die er da blieb, war ein Reinfall. Er kehrte zurück nach Italien. Diesmal zu Inter Mailand. Und da sollte er nochmals einen bedeutungsvollen Teil seiner Karriere erleben, die er mit dem Triple 2010 krönte und gleichzeitig zum besten Innenverteidiger Italiens gewählt wurde.

Erfolge in Basel wiederholen

Solche Erfolge will der Argentinier auch bei den Baslern feiern. «Ich habe die Bilder von der Meisterfeier gesehen», sagt er. «Von diesem Balkon, von diesem Platz. Das ist schon beeindruckend.» Dass Walter Samuel nicht ganz fit angereist ist, kommentierten schon einige hämisch.

Doch davon lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen. «Als ich ankam, war ich praktisch noch in den Ferien», sagt er. «Ich werde meine Form aber erreichen. Denn auch ich muss in diesem grossen Kader um meinen Platz kämpfen.»

Auf dem Platz wird er nicht mehr regelmässig gegen Stars wie Ibrahimovic, Totti und Messi spielen. Das ändere für ihn nichts, sagt er. «Mir ist egal, gegen wen ich spiele. Ich spiele und verteidige gerne, das ist alles.»