Fussball
Warum ist der FCB im Juniorenbereich dermassen überlegen?

41 Siege, 240:50 Tore – Die eklatante Überlegenheit des FC Basel im Juniorenbereich hat viele Gründe. Unter anderem sei die Identifikation und Verbundenheit, der Enthusiasmus und die Leidenschaft die Basis, so der Nachwuchstrainer Otero.

Georges Küng
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Basels Ausbildungschef Carlos Bernegger setzt auf Kontinuität. niz

Basels Ausbildungschef Carlos Bernegger setzt auf Kontinuität. niz

Die U18, U16, U15 und U14 des FC Basel haben zusammen 43 Meisterschaftsspiele ausgetragen. Rot-Blau ging, bei zwei Niederlagen, 41-mal als Sieger vom Platz. Und dies bei einem Torverhältnis von 240:50.

«Alle bekennen sich zum FCB»

Marco Otero (37) ist Trainer der U15-Equipe, die in zehn Partien 78 Treffer erzielt und nur sechs Gegentore erhalten hat. Und die Gegner hiessen unter anderem auch GC, FCZ, Luzern und St. Gallen. Der gebürtige Spanier, in Zürich geboren und aufgewachsen sowie bis 2007 im Grasshoppers-Club als Ausbildner tätig, kann wohl am besten urteilen, warum Rot-Blau derart dominant ist.

«In der Region Basel bekennen sich alle zum FCB. Die Identifikation und Verbundenheit der anderen Klubs zum FC Basel ist einmalig. Und der Enthusiasmus und die Leidenschaft, mit welcher in den kleineren Vereinen beim Kinderfussball gearbeitet wird, ist die Basis», so Otero. Und gibt zu verstehen, dass Zürich von diesen Zuständen nur träumen kann.

Vorzügliche Zusammenarbeit der Vereine

Remo Gaugler, aktuell Trainer der U18-Mannschaft, ist seit 13 Jahren Nachwuchstrainer beim Schweizer Meister. Auch er, der ursprünglich dem FC Bubendorf angehörte, lobt die vorzügliche Zusammenarbeit zwischen dem FC Basel und den anderen Vereinen. Carlos Bernegger (43) ist «Leiter Formation» (Ausbildungschef) und erklärt: «Die Gründe für unsere Erfolge sind Kontinuität im Trainerstab, eine identische Philosophie, die von der Vereinsspitze mitgetragen wird sowie eine systematische Ausbildung, die bei allen Teams angewendet wird», so der argentinisch-schweizerische Doppelbürger.

Der FCB wirkt auch charakterformend

Der FC Basel verwendet nicht nur am meisten Mittel für den Nachwuchs (geschätzte drei bis vier Millionen Franken), sondern verfügt mitunter über die besten Strukturen. Dazu gehören ein Wohnheim und demnächst ein Campus. «Bis zur U16 sind die Trainer nicht nur Fussball-Lehrer, sondern primär Pädagogen, die den Jugendlichen auch abseits des Rasenfeldes begleiten. Wir wirken also charakterformend und garantieren für eine gute schulische Ausbildung», erklärt Gaugler.

Natürlich holt Basel bereits junge Talente aus anderen Landesgegenden ans Rheinknie. Andererseits wechselte einst ein 14-jähriger Junge namens Johann Vogel von Meyrin nach Zürich (zu GC). Und die einstigen «Hoppers»-Talente Haris Seferovic (in der Innerschweiz aufgewachsen) und Nassim Ben Khalifa (Lausanne) wurden auch im jungen Alter an die Limmat geholt. «Es genügt aber nicht, einfach ein Camp zu haben. Mit Beton alleine wird niemand gefördert», so Otero süffisant.

Engagierter Betreuerstab

Ein gutes Beispiel hiefür ist Zdravko Kuzmanovic. In Thun (beim Quartierklub FC Dürrenast) aufgewachsen, wechselte er – irgendwie logisch – zu den Young Boys. Doch bald erkannte er (nach einem Spiel mit der U16 gegen den FC Basel), dass «ich zum FCB wechseln muss. Denn nur bei diesem Klub ist das Umfeld derart professionell, dass ein Talent die nächsten Schritte tätigen kann», erklärte Kuzmanovic einst. Sein Werdegang (AC Fiorentina, VfB Stuttgart und serbische Nationalmannschaft) geben ihm recht.

Jede der vier Nachwuchsmannschaften verfügt über zwei Trainer und einen engagierten Betreuerstab. Die U14-Equipe wird vom früheren albanischen Nationalspieler Arjan Peço, der bei Yverdon in der Nationalliga A gespielt hatte, betreut. Werner Mogg (U16) ist SFV-Instruktor und zeit seines Lebens im Nachwuchsbereich engagiert. Und wer glaubt, dass sich die Nachwuchsverantwortlichen des FC Basel im Erfolg sonnen und die Dominanz auskosten, irrt gewaltig. «Nach jeder Trainingseinheit und nach jeder Partie hinterfragen wir uns, was wir noch verbessern können», so Otero stellvertretend für die Trainer-Crew. Es ist anzunehmen, dass die Rückrunde in etwa gleich erfolgreich für Rot-Blau verlaufen wird.