FC Basel

Warum Omar Alderete sofort Leistung brachte und warum er noch bis zum Sommer in Basel bleibt

Omar Alderete ist beim Krafttraining in Marbella fokussiert.

Omar Alderete ist beim Krafttraining in Marbella fokussiert.

FCB-Verteidiger Omar Alderete war sofort eine Verstärkung. Das ist ungewöhnlich für Neuankömmlinge in Europa. Was ist sein Geheimnis?

Aussergewöhnlich schnell. Überraschend problemlos. Nicht wie erwartet. Nicht wie andere vor ihm. Diese Worte sind oft dann zu finden, wenn man etwas über Omar Alderete liest oder sich über ihn unterhält. All diese Wörter haben ihre Richtigkeit. Auch die Kadenz, in der sie zu vernehmen sind. Denn es ist in der Tat beachtlich, was Alderete seit seinem Wechsel zum FC Basel im Juni vergangenen Jahres abliefert. Und damit ist nicht – oder zumindest nicht nur – das gemeint, was der 23-Jährige Spiel für Spiel auf dem Platz zeigt. Die Leistungen dort sollen keineswegs geschmälert werden. Aber dass er sich von den Umständen, unter welchen er diese Leistungen zeigt, keineswegs beeindrucken lässt, ist noch ein kleines bisschen beeindruckender.

Eine Distanz, die nicht umsonst sein soll

Omar Alderete ist nicht einfach nur ein physisch starker, technisch beschlagener und moderner Innenverteidiger. Er ist ein Fussballer aus Südamerika, der im Sommer den grossen Schritt nach Europa gewagt hat. Weg von der eigenen Kultur auf einen anderen Kontinenten, knapp 12'000 Kilometer von der Heimat und den Liebsten entfernt.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Solche Spieler brauchen Zeit, um sich an all diese Novitäten zu gewöhnen. Verständlicherweise. Matías Delgado war ein Musterbeispiel dafür, dass die Integration Zeit benötigt, sich diese aber auszahlt. Es gab Beispiele wie César Carignano, die den Kulturschock nie überwinden konnten und in Europa schlicht nicht funktionierten. Oder es gibt als jüngstes Beispiel Blas Riveros, der auf gewisse Weise ebenfalls nie ganz in Basel angekommen ist und seit Jahren stagniert. Heimweh und Einsamkeit spielen beim jungen Paraguayer dabei eine grosse Rolle.

Omar Alderete aber tickt anders. Er kam, absolvierte die Vorbereitung und spielte vom ersten Spiel an. Nur dreimal kam er nicht zum Einsatz. Die verpassten Matches waren jedoch lediglich der Schonung geschuldet, keinen Blessuren oder Böcken. Alderete brauchte nicht den Hauch einer Angewöhnungszeit. Er funktioniert einfach. «Ein Geheimnis? Nein, das habe ich nicht», antwortet er auf die Frage, wieso dem so ist, und lacht. «Ich weiss, was viele hier über die Südamerikaner sagen. Dass die Zeit brauchen, um sich zu adaptieren. Und ich weiss auch, dass das auch viele von mir erwartet haben.» Aber? «Ich kam mit dem Vorhaben zum FCB, dass mir das nicht passieren wird. Ich wollte sofort spielen.»

Keiner fragt mehr nach Alderetes Vorgänger

Das hat geklappt. Und erst noch auf gutem Niveau. Omar Alderete hat Marek Suchy in der FCB-Innenverteidigung vergessen gemacht. Auch das: problemlos. «So ist meine Mentalität. Ich weiss ganz genau, was ich will und setze das dann um», sagt Alderete und fügt an: «Ich bin doch nicht so weit weg von meiner Familie gegangen, um dann hier nicht zu spielen.» Das wäre in seinen Augen sinnlos. Doch wenn das alles so einfach ist, wieso haben es denn seine südamerikanischen Vorgänger nicht geschafft? «Leicht ist es natürlich trotzdem nicht. Auch ich habe Momente, in denen es mir schlecht geht.»

Alderete nimmt das Wort Heimweh nicht in den Mund. Aber er gibt zu, manchmal alleine zu Hause zu sein. Dann weiss er nicht genau, was er mit seiner Zeit machen, wohin er mit wem gehen soll. Und dann merkt er, dass ihm die Familie fehlt. In Paraguay, da gehe er mit Freunden raus. In der Schweiz, da langweile er sich oft.

Alderete unternimmt viel mit Blas Riveros und einem weiteren Freund. Ihn haben die beiden FCB-Paraguayer in Basel kennengelernt. Jetzt hilft er ihnen so viel, dass Alderete gar scherzhaft sagt: «Er hat uns so vieles erklärt, hat uns im Alltag geholfen und uns gesagt, was erlaubt und verboten ist. Ohne ihn wären wir wahrscheinlich längst im Gefängnis.» Natürlich, es ist ein Spass, Alderete lacht herzhaft. So wie sonst nie in diesem Gespräch. Aber wie viele Witze hat auch dieser einen ernsten Kern.

Ohne Hilfe wären die Südamerikaner in Europa und der Schweiz eben doch ziemlich verloren. Alderete sagt: «Die Kälte macht mir zu schaffen, nicht nur die klimatische.» Alderete spricht damit die menschliche Kälte an: «Die Leute sind sehr distanziert.» Er meint das nicht böse, aber er hat Schwierigkeiten, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Ausser seinen Mitspielern kennt er nach eigener Aussage kaum jemanden. «Es ist eben nicht wie zu Hause, wie in Südamerika.»

Trotzdem: Alderete liefert. «Ich denke im Training und im Spiel nur an das, was ich gerade mache. Ich denke nicht an mein Privatleben. Weder was die Familie betrifft, noch sonst an etwas.» Alderete spricht von einer Art Schalter, den er umlegen kann. «Das Fussballspielen hilft mir, von meinen Problemen abzuschalten. Sobald ich im Tunnel oder auf dem Platz stehe, geniesse ich die Zeit.» Nachdenken tut er dann nach den Trainings zu Hause. Dass sein zu Hause mittlerweile eine Wohnung ist, in der er ganz alleine lebt, macht es nicht immer einfacher, doch das ist Alderete von seinen drei Jahren in Argentinien gewohnt. Ohne diese Erfahrung würde ihn das Getrenntsein von der Familie in Paraguay mehr treffen, sagt er. Im ersten Jahr in Argentinien habe auch er gelitten, aber gleichzeitig viel gelernt. Alderete glaubt, dass sein Freund Riveros deshalb mehr Mühe hat, weil dieser direkt von Paraguay in die Schweiz kam. «Er kannte das Alleinsein gar nicht. Dafür zahlst du dann.»

Ein Unwissen, damit es nicht ablenken kann

Omar Alderete hat für sich einen guten Umgang gefunden. Er wirkt reif und ausgeglichen. Konsequenterweise stimmen auch die Leistungen. Etwas, was natürlich auch im Ausland notiert wurde. Clubs aus Italien werden mit dem Linksfuss in Verbindung gebracht. Die AC Milan, Juventus Turin, die ganz grossen Teams. Alderete bekommt das mit, sagt aber: «Es wäre etwas gar früh, nach nur einem halben Jahr hier wieder weg zu gehen.» Für ihn sei klar gewesen, dass er nach dem Heimaturlaub mit dem FCB die Vorbereitung und die Rückrunde bestreiten werde. «Ich will mit Basel einen Titel holen. Ich sehe mich im Sommer als Meister mit dieser Mannschaft und dafür gebe ich alles», sagt er angriffig.

Erst dann könnte ein Wechsel Realität werden. «Ich weiss noch nicht, was nach dieser Saison sein wird. Momentan fokussiere ich mich ganz auf den FCB», sagt Alderete. Sein Berater hält ihn auf dem Laufenden. «Ich habe ihm aber gesagt, dass es mich nicht interessiert, wenn es nicht konkret ist. Das kostet dich sonst nur Konzentration», erklärt er. Auch mit dieser überraschenden Einstellung ist Omar Alderete ein schönes Beispiel dafür, dass es auch anders geht.

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