Andreas Voller, Head-Coach von Sm’Aesch-Pfeffingen, überlässt nichts dem Zufall. Seit Wochen schon bereitet er sein Team intensiv auf den kommenden Samstag und den Cupfinal gegen Neuchâtel UC vor. «Auf diesem Niveau sind die Unterschiede minim. Da ist die Taktik entscheidend», sagt der Coach.

Um die starken Aussenangriffe der Neuenburger zu imitieren, trainiert in diesen Tagen mit Marco Geiger ein Aussenangreifer des frisch gebackenen NLA-Aufsteigers Traktor Basel mit den Frauen. Vollmer hat auf der Suche nach einem männlichen «Hitting-Coach» zahlreiche regionale Topvereine angeschrieben. Auch Videos von den Gegnern – aber auch von der Halle in Fribourg – hat der Trainer seinen Volleyballerinnen Team gezeigt. «Die Visualisierung ist wichtig. Es gibt genügend Beispiele von Teams, die bei einem wichtigen Spiel nicht bereit waren, weil sie sich von den ungewohnten äusseren Umständen ablenken liessen», erklärt Vollmer. Weil er sein Team optimal vorbereitet hat, gibt es seiner Meinung nach keinen Grund, nervös zu sein. Der erste nationale Titel kann kommen.

Es ist nach 2006, 2007 und 2017 der vierte Cupfinal für den im Jahr 2000 gegründeten Volleyball-Klub Sm’Aesch Pfeffingen. Drei Mal hiess der Gegner Voléro Zürich und die Baselbieterinnen gingen gegen den damals übermächtigen Gegner immer nur als zweiter Sieger vom Feld. Dies soll sich aber am Samstag definitiv ändern. Zum einen heisst der Gegner diesmal nicht mehr Voléro (das Team spielt ja seit Beginn der Saison in Frankreich unter dem Namen Le Cannet Voléro und belegt dort nach 21 Runden hinter Mulhouse und dem Racing Club de Cannes aktuell den dritten Rang), sondern Neuchâtel, und zum anderen ist Vollmers Team in dieser Begegnung klar zu favorisieren.

"Wir werden sie wegfetzen"

Capitaine Madlaina Matter blickt im Vorfeld dieser wichtigen Partie ein paar Monate zurück: «In der Saisonvorbereitung lief es uns überhaupt nicht und wir haben – glaube ich – alle Testspiele verloren. Dann kam der Supercup gegen unseren samstäglichen Gegner Neuchâtel, wo wir auf die grosse Wende hofften und unbedingt den ersten Titel nach Aesch holen wollten. Doch es war ein Spiel zum Vergessen und die Aussenseiterinnen konnten sich die Goldmedaillen um den Hals hängen lassen. Wir waren nicht nur traurig, sondern auch ziemlich sauer. Dass wir nach dieser Niederlage eine Superserie in der Qualifikation hinlegten, stimmt uns für das morgige Spiel zuversichtlich. Oder um es deutlicher auszudrücken: Wir sind alle heiss auf den Cupsieg und werden die Neuenburgerinnen wegfetzen.»

Doch ein Selbstläufer wird es nicht werden. Und dies hat seinen Grund auch ein bisschen bei der Playoff-Spielplanung des Volleyballverbandes. Drei Tage vor diesem für beide Mannschaften so wichtigen Spiel mussten diese nämlich ihre erste Halbfinal-Playoff-Partie der Best-of-3-Serie absolvieren. Neuchâtel auswärts gegen Düdingen und Sm’Aesch zu Hause gegen Kanti Schaffhausen.

Bilder vom 3:0 gegen Schaffhausen:

Obwohl beide Cupfinalisten ihre Partien jeweils mit 3:0 gewannen und ordentlich Selbstvertrauen tankten, ist diese Terminierung keine ideale Situation. «Natürlich ist eine spezifische Vorbereitung in diesem Fall sehr schwierig. Wir als leichter Favorit stehen selbstredend etwas mehr unter Druck», sagt Vollmer. An den spielfreien sieben Tagen in der vergangenen Woche hat Sm’Aesch bereits hauptsächlich auf den Cupfinal hintrainiert. Erst ab Montag lag das Hauptgewicht im Training dann auf dem Kanti-Spiel. Doch nach dem letzten Ballwechsel am Mittwochabend wurde der Schalter sofort wieder in Richtung Cupfinal umgelegt. «Wir müssen halt das Beste aus der etwas unglücklichen Situation machen und hoffen, dass es klappt», sagt Vollmer.

Ein Sieg für den Präsidenten

Für einen Mann wird dieser Cupfinal eine ganz besondere Bedeutung haben. Der per Ende dieser Saison zurücktretende Sm’Aesch-Pfeffingen-Präsident Werner Schmid, «Vater» des in den letzten Jahren so erfolgreichen Vereins mit einer ausgezeichneten Nachwuchs-Akademie, kann zwar nicht selber ins Spielgeschehen eingreifen, doch für den Garagisten würde es zu einem unglaublich emotionalen Moment werden, wenn er nach der Partie – wie auch schon bei früheren wichtigen Spielen «seiner Frauen» – aufs Feld sprinten und dem jungen Team zum Cupsieg gratulieren könnte. Es wäre dann nämlich der erste Titel des bald zwanzigjährigen Klubs.

Und eines ist sicher. Tess von Piekartz, Madlaina Matter, Gabi Schottroff, Dora Grozer, Jessica Ventura, Monika Chrtianska, Livia Zaugg, Kristen Tupac, Lea Werfeli und die beiden Nachwuchsspielerinnen Annalea Maeder und Livia Saladin werden bis zum letzten Schweisstropfen kämpfen, um diesmal ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden.

Starkes US-Trio

Auf der anderen Seite des Netzes aber werden die drei US-Amerikanerinnen in Diensten der Neuenburgerinnen, Tia Scambray, Martenne Bettendorf und Kyra Holt, ebenfalls alles daransetzen, bei der siebten Finalteilnahme des Vereins erstmals als Sieger vom Platz zu gehen. An Spannung wird es also nicht mangeln und die grosse nach Fribourg mitreisende Sm’Aesch-Pfeffingen-Fankolonie wird – in rosa Cupfinal-T-Shirts gekleidet – für die nötige Unterstützung sorgen.