Super League
Was dem FCB im Spitzenspiel gegen YB alles fehlte

Dem FCB fehlen gegen YB die Besonderheiten seiner vier Gesperrten. Und am Ende einmal mehr die Cleverness.

Céline Feller
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Omar Alderete wird wegen einer Disziplinlosigkeit des Feldes verwiesen.

Omar Alderete wird wegen einer Disziplinlosigkeit des Feldes verwiesen.

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Omar Alderete reiht sich wieder ein. Als wäre nichts gewesen. Er hat nicht mitgekriegt, was gerade eben passiert ist. Bis ihm Kollege Raoul Petretta per Handzeichen weist, auf die Videoleinwand zu schauen. Und da ist es zu sehen: Eine gelbe Karte und eine rote. Daneben Alderetes Name. Zusammen gezählt heisst das: Platzverweis. Jetzt hat es auch Alderete verstanden.

Besonders blöd ist die Entstehung dieses Platzverweises. Innerhalb von zwei Minuten - in der 87. und der 89. - bekommt der Innenverteidiger des FC Basel den gelben Karton zwei Mal gezeigt. Einmal wegen eines taktischen Foulspiels, das andere Mal weil er den Ball aus Frust wegdrischt. Letzteres tut er nur, weil er im Spiel nicht mitgeschnitten hat, dass er zuvor schon verwarnt worden war. Doch auch wenn Alderete die erste Verwarnung nicht realisiert und die zweite nur in Kauf genommen hat, weil er keine Konsequenzen fürchtete, ist sie schlicht dumm.

Die Nummer fünf auf der Liste

Jonas Omlin erklärt sich diese Dummheit mit dem vielen Temperament, das der Südamerikaner habe. «Das hat er da dann rausgelassen. Das ist schade für ihn und für uns.» Denn Temperament hin oder her: Es fehlt Alderete in diesem Moment schlicht die Cleverness. Gegen St. Gallen ist er wegen dieser Unsportlichkeit gesperrt. Damit reiht er sich in eine lange Liste ein. Denn auch gegen YB fehlen dem FCB gleich vier Spieler - wegen Unsportlichkeiten: Valentin Stocker, Taulant Xhaka, Eray Cömert und Arthur Cabral. Auch wenn der Brasilianer ohnehin verletzt ist und nicht hätte mitspielen können.

Wie das Spitzenspiel mit diesen vier Abwesenden ausgegangen wäre, ist hypothetisch. Aber es ist ersichtlich, dass der FC Basel ihre abwesenden Attribute nicht kompensieren kann. Da sind zum einen die öffnenden Pässe von Eray Cömert. Mit seiner Spielauslösung und -verlagerung initiiert der Innenverteidiger normalerweise viele gute Spielzüge der Basler. Ohne ihn fehlen diese Ideen und damit ein probates Basler Spielmittel.

Die weggebrochene Achse schmerzt den FC Basel

Eine Reihe weiter vorne in der weggebrochenen Achse fehlt mit Taulant Xhaka so etwas wie das Herzstück des FC Basel. Ende der Hinrunde war Xhaka in sensationeller Form. An ihm war kein Vorbeikommen. Und wenn Omlin nach dem Spiel sagt, man sei nie in die Zweikämpfe gekommen, dann weiss jeder: Mit Xhaka wäre dieses Risiko bedeutend kleiner bis inexistent gewesen. Aber nicht nur das fehlt von seinem Spiel. Viel mehr sind es die Emotionen und die Mentalität des 28-Jährigen, die im Duell gegen den Leader fehlen. Auf dem Feld ist kein Anpeitscher, kein Lautsprecher, und zu wenig Leidenschaft. Auch wenn Xhaka selten für Spektakel sorgt, wird er fast am schmerzlichsten vermisst.

In der offensiven Abteilung fehlt mit Valentin Stocker der Captain und einer der wenigen Spieler mit einem mit Erfahrung vollgepackten Rucksack in einer sonst sehr jungen Mannschaft. Natürlich: Der FCB hat das letzte Duell gegen YB auch ohne ihn mit 3:0 für sich entschieden. Aber während Afimico Pululu oft die falschen Entscheidungen trifft, traut man Stocker eher zu, dort dank Routine cleverer zu agieren. Ob es gleich für eine matchentscheidende Szene gereicht hätte, sei dahin gestellt.

Dafür wäre eher Stürmer Arthur Cabral zuständig gewesen. Seine Klasse vor dem gegnerischen Tor weist Konkurrent Kemal Ademi nicht im gleichen Masse auf. Er agiert gegen die Berner harmlos. Bezeichnend dafür: Der FCB gibt nur einen einzigen Schuss aufs Tor ab. Und mit Omar Alderete sorgt ein Verteidiger nach Eckbällen für die meiste Gefahr. Dass dieser nun gegen St. Gallen fehlt, ist bitter. Und es wird zur Folge haben, dass Trainer Marcel Koller seine Spieler erneut zurecht weisen muss. Schon zwei Mal habe er das in der Hinrunde «relativ deutlich» getan. Jetzt sagt er: «Wir werden das nicht weiter akzeptieren.» Welche Strafen es gibt, will er nicht sagen. Aber klar ist: Geht es so weiter, wird der FCB das Attribut der dummen Platzverweise nicht mehr los.