Viererbobs donnern ins Tal. Die Natureisbahn in St.Moritz ächzt unter der Belastung und schwitzt wegen des Temperaturanstiegs. Die WM-Teilnehmer bereiten sich auf das zweite Wochenende der Titelkämpfe vor. Nicht im, sondern am Kanal befindet sich Nikki Albrecht. Der Präsident des Bob- und Skeletonclubs Baselland betreut seit dieser Saison das Europacup-Team der Briten und coacht die Mannschaft von der Insel zusammen mit dem ehemaligen Schweizer Nationaltrainer Dominik Scherrer auch an der WM.

Der 54-jährige Albrecht ist erst seit gut zehn Jahren im Bobgeschäft, und doch kennt er den Eiskanal in St.Moritz bestens. Mitte Januar wurde er selbst Senioren-Schweizer-Meister auf der Natureisbahn. Zudem war der Bob- und Skeletonclub Baselland, der seit dieser Saison nicht mehr eine Untersektion des Bobclubs St.Moritz, sondern eigenständig ist, in diesem Jahr der erfolgreichste Verein an der Elite-SM. Mit dem Laufner Lukas Kummer und Marina Gilardoni gewann man beide Skeleton-Titel und in der Königsdisziplin, dem Viererbob, belegte Martin Galliker den dritten Rang.

Ein dritter Rang mit schalem Nachgeschmack. Hätte der Verband das Team Galliker nicht für die SM aufgeboten, sondern am Weltcup in Altenberg antreten lassen, hätte es wohl genügend Punkte gehabt, um an der Heim-WM als drittes Schweizer Team am Start zu sein. So bleibt dem Aargauer Galliker das Zusehen und die Schweiz hat nur zwei Teams. «Bereits im Oktober haben wir den Verband darauf hingewiesen. Das ist ein kapitaler Fehler. Kommt hinzu, dass es viel einfacher ist, einen dritten Startplatz zu halten als diesen zurückzuerobern», sagt Albrecht.

Fokus auf die Königsklasse

So konzentriert sich der Gelterkinder Albrecht voll auf die britische Mannschaft. Die Resultate im Zweierbob waren solide, lassen aber noch Luft nach oben. «Wir haben uns von Anfang an auf den Viererbob konzentriert. Ein Rang in den Top Ten wäre super», sagt der Co-Trainer, der stolz ist, dass es einige seiner EC-Piloten zur WM geschafft haben.

Mit wie viel Engagement Albrecht dabei ist, zeigt sich auch auf anderer Ebene. Als bekannt wurde, dass ein britischer Schlitten nicht regelkonform ist, hat er kurzerhand seinen eigenen ausgeliehen. Deswegen startete der Brite Lamin Deen letztes Wochenende mit einem Raceteam-Albrecht-Schlitten.

Verlängerung mit den Briten

Bereits haben die Briten den Baselbieter für eine weitere Saison als Trainer angefragt. «Das Engagement könnte für mich ein gutes Sprungbrett sein», sagt Albrecht, der im Herbst seinen Fotoladen in Gelterkinden aufgelöst hat und deswegen diesen Winter noch mehr Zeit am und im Eiskanal verbringen kann. Genaue Zukunftspläne gibt es noch nicht. Albrecht sagt, dass er viel von Scherrer profitieren kann, den er als einen der Top-drei-Bobtrainer der Welt ansieht.

Besonders am Herzen liegt Albrecht auch das Projekt «IceTalents», das er zusammen mit weiteren Trainern schweizweit aufgezogen hat und der Nachwuchsförderung dienen soll. Albrecht, der mit der gleichen Leidenschaft Bobpilot und -trainer ist, lebt nach dem Motto: ganz oder gar nicht für den Bobsport. Würde ihn am Sonntag nicht seine Frau daran erinnern, würde er wohl seinen 55.Geburtstag vergessen.