FC Basel
Was hat Bernhard Burgener mit dem FC Basel vor?

Bernhard Burgener soll Präsident des FC Basel werden. Burgener bleibt lieber im Hintergrund und überlässt anderen die grosse Bühne. Doch was hat er mit dem FCB vor? Und wer soll ihm zur Seite stehen?

Sébastian Lavoyer
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Bernhard Burgener will beim FCB im Hintergrund bleiben.

Bernhard Burgener will beim FCB im Hintergrund bleiben.

Thorsten Jochim / VISUM

Bernhard Burgener: ein Mann – ein Mysterium. Seit bekannt wurde, dass er im Sommer von Bernhard Heusler übernehmen soll, ist er in den Fokus gerückt. Viel wurde geschrieben über den umtriebigen Geschäftsmann, seine Firmen, seine Verstrickungen.

Auch über seine Pläne sickerte einiges durch. So weiss man, dass er mit Marco Streller als Sportdirektor plant. Alex Frei und Massimo Ceccaroni sollen ihn unterstützen. Und man darf davon ausgehen, dass sie eine Strategie fahren werden, die mehr auf den eigenen Nachwuchs setzt. «Basel first», mehr Verwurzelung in der Region, dafür weniger zugekaufte Stars.

bz

Bestätigt wurde dies nie. Seit Wochen schweigen sich die Verantwortlichen zum Thema Machtübergabe aus. Zwar hat Burgener am 16. März einem siebenköpfigen Gremium um Stararchitekt Jacques Herzog zusammen mit seinem Trio «Sportkompetenz» sein Konzept präsentiert, doch über den Inhalt wird seither bloss spekuliert.

«Personelle Überraschungen»

Was hat er vor mit dem FC Basel? Wer soll ihm dabei zur Seite stehen? Was wird seine Rolle sein? Es ist davon auszugehen, dass er sich selbst im Hintergrund halten wird. Im Gespräch mit der «Nordwestschweiz» sagte er: «Ich habe in meiner Funktion und in meiner Laufbahn einige Marken gross gemacht und es immer geschafft, dass das Produkt im Vordergrund stand.» Vieles spricht dafür, dass er schon morgen einen Mann (oder eine Frau?) präsentieren wird, der das Tagesgeschäft verantworten wird, einen CEO, jemanden der im Fokus der Öffentlichkeit steht, während Burgener selbst im Hintergrund die Fäden in der Hand hält.

Burgener plant wohl mit FCB-Legende Marco Streller als Sportdirektor.

Burgener plant wohl mit FCB-Legende Marco Streller als Sportdirektor.

Kenneth Nars

So hat er das immer wieder gemacht. Es scheint, als wisse er, die richtigen Leute an Bord zu holen. Vermutlich eine seiner ganz grossen Stärken. Wie bei Constantin Film (siehe unten): Burgener war überzeugt von der Marke, kauft sich ein, übernahm das Geschäft. Doch im Mittelpunkt stand stets Bernd Eichinger, der Star-Produzent, dem er das Geschäft abkaufte, der dann aber doch weiter für Burgener arbeitete. Auf roten Teppichen sah und sieht man ihn eigentlich nicht. Das Muster zieht sich durch. Millionen schauen jeweils den Eurovision Song Contest. Wohl nur die wenigsten wissen überhaupt von Burgener. Dasselbe mit der Champions League.

Bernhard Burgener ist ein hervorragender Netzwerker.

Bernhard Burgener ist ein hervorragender Netzwerker.

Keystone

Burgener ist ein Meister des Understatements, ein genialer Netzwerker, aber zugleich auch einer, der weiss, wie man Dinge inszeniert. Deswegen dürfen die FCB-Mitglieder heute gespannt sein, was und wie Burgener präsentiert. Neben Inhalten interessieren vor allem Köpfe. Bekannt ist, dass der jetzige Verwaltungsrat (VR) der FC Basel Holding AG abtritt. Burgener wird die knapp 90 Prozent der Aktien übernehmen, welche die amtierenden VR-Mitglieder auf sich vereinen.

Doch alleine kann er nicht bleiben. Die Statuten der Holding sehen vor, dass der VR wenigstens aus zwei Personen besteht. Wahrscheinlich ist jedoch, dass es mindestens vier oder fünf Leute sein werden, welche die Geschicke von Heusler & Co. übernehmen. Die «NZZ am Sonntag» schrieb unlängst, dass Burgener sein Umfeld auf «personelle Überraschungen» vorbereite. Es sei auch davon auszugehen, dass er ein Team aus mehreren Hochkarätern benennen wird, das den FC Basel führen wird wie ein Unternehmen. Man darf gespannt sein, wen Burgener aus dem Hut zaubert.

Trennung von AG und Holding

Theoretisch bräuchte er für die Leitung des Profibetriebs, für die FC Basel 1893 AG, keine weiteren Verwaltungsräte. So steht es in den Statuten. Es ist aber davon auszugehen, dass er Leute präsentieren wird, Leute aus dem Sport. Ebenso ist damit zu rechnen, dass die Verwaltungsräte von Holding und Profibetrieb strikter getrennt werden, als dies jetzt der Fall ist. So dürfte Marco Streller Einsitz im VR der AG bekommen. Aber wer sonst noch? Burgener wird heute Namen nennen, nicht alle vielleicht, aber sicher die meisten. Sie werden sein Deckmantel sein, die Menschen im Rampenlicht. Burgener bleibt lieber im Schatten.

Die Fragezeichen sind mannigfaltig. Nicht nur bezüglich Konzept und Personen, es interessiert auch, wie viel Burgener dem jetzigen VR hinblättert für das Aktienpaket. Zahlen gibt es keine, es wird spekuliert. Zwischen 20 und 40 Millionen Franken sollen es sein. Wie viel genau, das wird wohl nicht bekannt. Auch heute nicht, wo Burgener bezüglich vieler anderer Dinge endlich Klarheit schaffen will. Die Ungewissheit ist gross, doch mit einem Aufstand ist nicht zu rechnen. Zu sehr vertrauen die FCB-Mitglieder Heusler und Heitz. Die werden das schon richten. So, wie sie immer alles gerichtet haben.

bz

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