Super League
Was ist das Problem des FC Basel? Er verliert zu viele Talente an andere Klubs

Zahlreiche junge Spieler haben den FC Basel in letzter Zeit ganz verlassen oder wurden von ihm an andere Teams ausgeliehen. Albian Ajeti und Samuele Campo sind die besten Beispiele dafür.

Drucken
Teilen
St. Gallens Albian Ajeti (r.) ist ein ehemaliger FCB-Junior. Er steht sinnbildlich für ein Problem: Die Basler integrieren zu wenige junge Spieler in die 1. Mannschaft.

St. Gallens Albian Ajeti (r.) ist ein ehemaliger FCB-Junior. Er steht sinnbildlich für ein Problem: Die Basler integrieren zu wenige junge Spieler in die 1. Mannschaft.

Keystone

Beim FC Basel läuft so vieles gut, dass man schon zwei Mal nachdenken muss, wenn jemand behauptet, es laufe etwas nicht nach Wunsch. Zu gut macht der Verein generell seine Hausaufgaben. Anlässlich der ausserordentlichen Mitgliederversammlung vom vergangenen Freitag wurde nun allerdings ein Aspekt in den Fokus gerückt, der für den FCB ungewohnt hohe Wellen wirft. Kritikpunkt ist die Eingliederung junger Talente in die erste Mannschaft. Erstes Opfer dieser Diskussion: Urs Fischer. Doch was läuft falsch, dass man sich mit Fischer von einem Mann trennen muss, welcher im Juni mit fast hundertprozentiger Sicherheit den zweiten Meistertitel in Folge einfahren wird?

Aufschluss gibt der Blick auf eine Tabelle (unten) aktueller und ehemaliger FCB-Talente, die abgegeben wurden. Dabei sind die ausgeliehenen Spieler nicht berücksichtigt. Den Sprung in die erste Mannschaft geschafft hat von diesen Spielern aber (noch) keiner, mit Ausnahme von Supertalent Breel Embolo und Innenverteidiger Manuel Akanji.

Diese Talente liess der FC Basel definitiv ziehen:

- Musa Araz (Lausanne-Sport)

- Thibault Corbaz (NE Xamax)

- Admir Seferagic (zuletzt Schaffhausen)

- Samuele Campo (Lausanne-Sport)

- Joël Keller (FC St. Pauli)

- Pascal Albrecht (FC St. Gallen)

- Christian Baldinger (FC Vaduz)

- Michael Gonçalves (NE Xamax)

- Robin Kamber (FC Vaduz / Winterthur)

- Joao de Oliveira (FC Luzern)

- Albian & Adonis Ajeti (FC St. Gallen)

- Charles Pickel (GC Zürich)

Auswärts erfolgreich

Dies, obwohl sich darunter Namen wie zum Beispiel Albian Ajeti vom FC St. Gallen oder Samuele Campo von Lausanne-Sport befinden. Beide sorgen bei ihren Clubs aktuell für Furore und sind Leistungsträger. Des Weiteren befinden sich auf der Liste ausschliesslich Namen von ehemaligen Junioren-Schweizermeistern sowie aktuellen und ehemaligen Junioren-Nationalspielern. Es ist zu bezweifeln, dass ausschliesslich der Trainerstab der ersten Mannschaft die Talente der Juniorenabteilung hat gehen lassen.

Stand den Jungen vor der Sonne: Oldie Seydou Doumbia

Stand den Jungen vor der Sonne: Oldie Seydou Doumbia

Andy Mueller/freshfocus

Was unter Urs Fischer nicht ist, war aber auch schon unter Murat Yakin nicht anders. So durften Spieler wie Mirko Salvi (momentan an den FC Lugano ausgeliehen), Thibault Corbaz (NE Xamax) und vor allem Musa Araz unter Yakin trainieren. Eine echte Chance erhielten allerdings auch sie nicht. Der zuletzt genannte Araz ist ein weiterer Spieler (ebenfalls bei Lausanne), der mit guten Leistungen in der Super League auf sich aufmerksam macht.

Interessant ist auch die Geschichte der beiden Stürmer Cedric Itten und Nicolas Hunziker. Beide wurden Anfang Saison an Luzern respektive GC ausgeliehen. Beide hatten sie keinen Platz neben Seydou Doumbia oder auch Marc Janko. Bei Letzteren darf aber mittlerweile bezweifelt werden, dass sie über die Saison 2016/17 hinaus bleiben werden. Vor allem bei Doumbia dürfte man sich beim «neuen» FCB (angesichts der neuen Marschroute besonders) ärgern, da er die Erwartungen nicht erfüllt hat und gleichzeitig einem jungen Spieler den Platz versperrte. Gut möglich, dass zur neuen Saison hin Itten, Hunziker oder gar beide eine Chance erhalten könnten.

Die neue sportliche Führung will die Jungen stärker einbinden.

Die neue sportliche Führung will die Jungen stärker einbinden.

Keystone

Der designierte Sportchef Marco Streller verkündete am Freitag, man wolle wieder vermehrt auf eigene Talente setzen und die Identifikation mit der Region fördern. Mit der Vorstellung des neuen Konzepts, inklusive der Trennung von Urs Fischer, hat man nun ein erstes Zeichen gesetzt. Es wird sich zeigen, ob der Kader der ersten Mannschaft in Zukunft wieder mehr Platz für Eigengewächse bieten wird. Auch gespannt sein darf man auf die Transferpolitik der neuen Führung. Bei den begehrten Plätzen im Team bedeutet jeder namhafte Zuzug nicht nur den möglichen Verlust eines weiteren Toptalents, sondern auch einen Verlust an der angestrebten Identifikation

Aktuelle Nachrichten