Vor den Swiss Indoors

Was macht eigentlich das Basler Frauentennis? Joanne Züger ist die Tennishoffnung der Region

Joanne Zügers Fokus gilt im Training der gelben Filzkugel.

Die 18-Jährige ist drauf und dran, sich unter die besten 500 Tennisspielerinnen der Welt zu mischen. Dies ist bemerkenswert, da sie bereits drei Knieoperationen hatte und nebenher noch für die Matur büffelt.

Von der Vergangenheit Roger Federers ist an diesem warmen Herbstnachmittag auf der Anlage des Tennisklubs Old Boys nichts zu sehen. Vier Tage bevor er am Montag die Swiss Indoors eröffnet, verdeckt eine aufgespannte Ballonhalle den dem Maestro gewidmeten «Roger Federer Court».

Das Tennistraining verlagert sich langsam nach innen. Joanne Züger lässt sich davon nicht beeindrucken. Mit Shorts und einem kurzärmligen T-Shirt sitzt sie auf der Terrasse der Klubanlage. «Es kommt vor, dass ich auf Federer angesprochen werde, weil ich an dem Ort trainiere, wo er gross wurde», sagt Züger, die aktuell als Nummer 13 der Schweiz die beste Tennisspielerin aus der Region ist. Sie hat die besten Chancen, die nächsten Basler Fussstapfen in der weiten Tenniswelt zu hinterlassen. Druck spürt sie deswegen nicht. «Es ist mir vielmehr eine Ehre, mit einer Legende wie ihm verbunden zu werden.»

Der Abschied aus der Junioren-Welt als Befreiung

Ob Züger zukünftig für die Region Basel die Tennis-Kohlen aus dem Feuer holt, steht noch in den Sternen. Mit ihren 18 Jahren sammelt sie diese Saison ihre ersten Erfahrungen in der erwachsenen Damenwelt. Das Ende der Juniorenzeit kam ihr entgegen. Erreichte sie als Minderjährige nicht eine bestimmte Punktzahl, hatte dies schwerwiegende Folgen. Zum Beispiel: keine Teilnahme an den Grand-Slam-Turnieren der Juniorinnen. Dieser Druck fällt bei den Erwachsenen weg. «Ich habe jetzt mehr Zeit und fühle mich befreiter im Kopf.»

Joanne Zügers Rückhand ist eine grosse Stärke.

   

Diese Lockerheit schlägt sich in den Resultaten nieder. In der Weltrangliste verbesserte sie sich in diesem Jahr um 500 Positionen und ist aktuell die Nummer 527. Im Sommer feierte sie in Lausanne ihre Premiere bei einem WTA-Turnier. Sie verlor zwar, zwang ihre Gegnerin, die Nummer 154 der Welt, aber in zwei Tiebreaks. «Besser als in diesem Spiel kann ich zurzeit nicht spielen», sagt Züger rückblickend.

Die junge Sissacherin beschreibt sich als Grundlinienspielerin. Die Ballwechsel möchte sie mit harten Schlägen kurz halten. «Klassisches Damentennis», sagt Nicole Züger, Mutter und Trainerin, über das Spiel ihrer Tochter. Beide wissen genau, an was Züger noch arbeiten muss: am Service und an der Konstanz. «Ich bin zwar fähig, ein Spiel wie in Lausanne abzuliefern, kann das aber noch nicht über mehrere Spiele wiederholen», sagt Züger.

Den vollen Fokus richtet sie erst ab kommendem Mai auf ihre Tenniskarriere. Zurzeit besucht sie in Liestal noch das Sportgymnasium. «Besuchen ist aber vielleicht ein bisschen blöd gesagt. Ich bin keine 50 Prozent anwesend», sagt sie und lacht. Sie denkt zwar nicht, dass aufgrund der Schule ihr Tennis leidet. Lediglich die Regeneration komme definitiv zu kurz. Mit ihrem schulischen Hintergrund fällt sie im Tennis-Zirkus auf. «Ich kenne keine, die wie ich auf ein Gymnasium geht.» Trotzdem war es für Züger nie eine Option, nur auf die Karte Tennis zu setzen, zu gross ist das Risiko, sollte sie sich verletzen und plötzlich ohne Abschluss und einer gescheiterten Tenniskarriere dastehen. Züger spricht aus Erfahrung: Mit ihren 18 Jahren musste sie bereits drei Knieoperationen über sich ergehen lassen.

Die Frauen sorgen für die Schweizer Tennis-Zukunft

Joanne Züger ist nicht die einzige Schweizer Hoffnungsträgerin für die Zeit nach Federer. Mit Simona Waltert und Leonie Küng befinden sich aktuell zwei Gleichaltrige in der Weltrangliste noch vor ihr. «Es ist tatsächlich eine erfreuliche Entwicklung bei den Mädchen», bestätigt Rodolphe Handschin, ein weiterer Trainer von Züger.

Eine konkrete Begründung für den erfolgreichen Damen-Nachwuchs hat der Mitbesitzer der TIF Tennis Academy, in deren Halle in Allschwil sowohl die Stars der Swiss Indoors als auch Züger trainieren, aber nicht. Doch Züger hat eine mögliche Erklärung bereit: «Wir haben unter anderem mehr Geld als andere Nationen.» Trotzdem: Auch die Schweiz ist nicht mit zu viel Nachwuchs gesegnet. «Deswegen müssen wir als Trainer sehr gut arbeiten», sagt Handschin und fügt an: «Ich mache mir keine Sorgen um den Nachwuchs, auch nicht in der Region. Basel war schon immer ein gutes Pflaster für Sportlerinnen und Sportler.»

Joanne Züger will sich auf ihrem Weg in den Profi-Zirkus auf sich selbst konzentrieren: «Im Damentennis ist alles sehr nahe beieinander. Das ist eine Chance für mich.» Als Ziel möchte sie in den nächsten Jahren bei der Qualifikation für ein Grand-Slam-Turnier starten. Und wer weiss: Vielleicht verdeckt die Ballonhalle in der fernen Zukunft einen weiteren Platz: den «Joanne Züger Court».

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