Basketball
Weit weg von den Liebsten: Deondre Burns von den Starwings erzählt von seinem ersten Profi-Jahr

Im Oktober gab Deondre Burns sein Debüt als professioneller Basketballspieler bei den Starwings. Er erzählt von der Distanz, die ihn und seine Familie in den USA trennt, welche Hürden die Corona Pandemie mit sich bringt und was seine Ziele für die Zukunft sind.

Esteban Waid
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Deondre Burns zeigt gegen Boncourt, was er drauf hat.

Deondre Burns zeigt gegen Boncourt, was er drauf hat.

Keystone

Deondre Burns schaut auf dem Weg zu den Auswärtsspielen aus dem Fenster und betrachtet die schöne Schweizer Natur. «Es ist ein schöner friedlicher Ort hier mit den Bergen», schwärmt er. Es ist aber gleichzeitig der einzige Einblick, den er bisher in die Schweiz hat. Zeit zum Reisen hat er nicht und schliesslich gibt es auch noch Corona. Der 23-jährige Burns wirkt entspannt im Gespräch, trotz der schwierigen Situation im Land. Am Telefon erzählt der Amerikaner von einer für ihn besonderen Saison. Denn es ist seine erste Spielzeit als Profi. Im August unterschrieb er seinen einjährigen Vertrag bei den Starwings. Sein Agent stellte den Kontakt zum Baselbieter Klub her. Es gab zwar auch die Möglichkeit, nach Schweden oder Frankreich zu gehen - am Ende zog es ihn ans Rheinknie. «Sie gaben mir die beste Möglichkeit, meine Fähigkeiten zu präsentieren und viele Spiele zu machen. Hier kann ich aus meinen Fehlern lernen», erzählt Burns. Welche Fähigkeiten er hat, demonstriert er aktuell eindrucksvoll. In der NLA steht er auf Rang 6 der Topskorer-Liste mit 208 Punkten. In vielen Spielen ist er die Lebensversicherung der Starwings.

Der Start als Profispieler, während Corona wütet

Bevor der Point Guard zu den Starwings kam, spielte er am College für die Oral Roberts Universität, im mittleren Süden der USA, in Tulsa Oklahoma. Sein Team: Die Golden Eagles, die goldene Adler. Zumindest namentlich sind die Starwings nicht so weit entfernt. Unterschiede zwischen College-Basketball und Schweizer-NLA gebe es aber trotzdem, meint Deondre Burns. «Neben den Zuschauern und der Popularität von Basketball, ist der grösste Unterschied das athletische Niveau», stellt er fest. Durch die viele Zeit im Fitnessstudio seien die amerikanischen Spieler körperlich athletischer. Im Schweizer Basketball sieht er aber eine bessere Spielintelligenz auf dem Platz. Das gleiche sich am Ende aus. Ein weiterer Aspekt ist das Alter: «Hier gibt es auch Spieler, die älter sind als ich. Im College habe ich nur mit Gleichaltrigen oder Jüngeren gespielt. Das ist auch eine Herausforderung.» Trotz der Hürden sei ihm der Übergang vom College in den Profisport nicht all zu schwer gefallen. Das Prinzip bleibe schliesslich immer das gleiche, meint Burns: «Du versuchst zu skoren, die anderen versuchen dich davon abzuhalten.»

Deondre Burns im Trikot seiner College Mannschaft.

Deondre Burns im Trikot seiner College Mannschaft.

zVg/Deondre Burns

Dass er am Ende in der Schweiz gelandet ist, ist zum Teil auch Corona geschuldet. Junge College-Spieler haben normalerweise die Möglichkeit, sich für den NBA-Draft anzumelden. Das bedeutet, dass die Teams der höchsten US-Liga in einer Art Lotterie die besten 60 Spieler auswählen, die es dann in die Mannschaften schaffen. Corona galt dahin gehend als Unsicherheitsfaktor. «Ich wollte am Ende nicht ohne Job dastehen», sagt Burns.

Das Virus macht das erste Profijahr aber alles andere als einfach. Die ganzen Spielverschiebungen machen Burns zu schaffen. «Da musst du mental stark bleiben, dich weiter pushen. Für viele Leute ist es ein Test, wie stark sie im Kopf sind», analysiert er. Angst vor dem Virus habe er nicht, müsse aber zugeben, dass trotzdem immer ein komisches Gefühl mitschwinge.

Der fast tägliche Kontakt mit dem Präsidenten hilft

Doch am Ende gilt für Deondre Burns: «Basketball ist Basketball, egal wo man spielt.» Etwas anderes macht ihm mehr zu schaffen: «Die grössere Herausforderung für mich ist, weg von meiner Familie und meinen Liebsten zu sein», gibt Burns zu. Der tägliche Kontakt mit der Familie ist schon in die Tagesroutine eingebaut. Morgens Training, dann ein bisschen TV schauen und schliesslich seine Eltern und seine Schwester auf den aktuellen Stand bringen. Nach einem kurzen Schläfchen wird wieder trainiert.

Ein Jahr lang schnürte sich Burns die Schuhe für die Oral Roberts Universität.

Ein Jahr lang schnürte sich Burns die Schuhe für die Oral Roberts Universität.

zVg/ Deondre Burns

In vielen Situationen zeigt sich Deondre Burns aber vor allem dankbar. Dankbar für seine Mutter in den USA, die sich darum sorgt, dass er gesund bleibt. Und auch dankbar für den Präsidenten Pascal Donati und die Starwings-Community, die sich um ihn und die anderen ausländischen Spieler kümmert. «Du kannst nicht verlangen, dass sie so etwas wie Behördengänge alleine erledigen können», sagt Donati. Er kümmert sich um fast jedes Anliegen der Spieler, redet fast täglich mit ihnen. Auch er weiss, dass es gerade für die jungen Spieler nicht einfach ist, so weit von zu Hause weg zu sein. Dazu die Pandemie. Dabei erweist es sich als praktisch, dass die WG der ausländischen Spieler um Burns, Cheikh Sane und Nathan Krill direkt über Donatis Wohnung ist. Erst kürzlich muste er helfen, weil der Kühlschrank nicht funktionierte. Und auch gegen das Alleinsein hilft diese Konstellation. «Es hat sich als Glücksfall erwiesen, dass die drei in einer WG leben können», so der Präsident. Ein bisschen hört sich das nach einer Ersatzfamilie an.

Auch wenn es schwer ist, Deondre Burns betont mehrfach, dass er zeigen will, was er kann. Als einer von wenigen Vollzeitprofis im Team ist er sich bewusst, dass er eine besondere Verantwortung hat. «Es gibt mir mehr Motivation, jeden Tag besser zu werden, nicht nur für mich, sondern auch für das Team», sagt Burns. Er will noch einige Spiele gewinnen. Sein langfristiges Ziel bleibt aber die NBA. Auch in einer europäischen Top-Liga könne er sich vorstellen zu spielen. Dort wäre er aber wohl wieder von seinen Liebsten zu Hause getrennt.

Highlight aus Deondre Burns letzter College-Saison: