Momentan lebt der 15-jährige Fabian Heimberg noch im Wallis. Doch bald wird der junge Handballer seine Zelte in der Heimat abbrechen und nach Basel ziehen, um dort für das Handball-Nordwest-Leistungszentrum in der U17 Elite der HSG Nordwest zu spielen. Wie die beiden im Kanton Aargau wohnenden Spieler Fabio Kull (U17) und Chairo Kaufmann (U19) nimmt er einen weiten Weg auf sich, um für die Basler auflaufen zu können. Warum die jungen Talente so weit reisen?

Nun, das Handball-Nordwest-Leistungszentrum ist kein gewöhnlicher Verein. Mit der U17 Elite und der U19 Elite stellt das Nachwuchsleistungszentrum die zwei amtierenden Schweizer Meister. Es ist nicht der erste Doppelerfolg. Bereits vor zwei Jahren durfte man sich über zwei Titel freuen. Damals aber noch nicht über den in der ältesten Juniorenkategorie. Doch nicht nur der Erfolg zieht an.

Beschwerlicher Weg

Auch die professionellen Strukturen, der Trainingsplan und die familiäre Atmosphäre tragen einen grossen Teil dazu bei, dass viele Junioren davon träumen, für den Verein zu spielen. So sagt Fabio Kull: «Es sind alle hier, um besser zu werden. Die Stimmung ist sehr gut, man lernt viel.»

Und der Mitgründer und U17-Trainer Ramon Morf ergänzt: «Die Junioren schliessen hier dicke Freundschaften. Für unseren Groove beneiden uns viele. Dazu tragen wir Sorge, leisten auch pädagogische Arbeit und bieten den Jungs eine gute Lebensschule.» Da vergisst man schnell, wie beschwerlich der Weg eigentlich ist. Nur an manchen Tagen falle es Fabio Kull schwer, den knapp über eine Stunde dauernden Weg auf sich zu nehmen.

Träume versetzten Berge

Doch letztlich wäre das Ganze ohne die Unterstützung der Eltern nicht möglich. Das lizenzrechtlich zum TV Birsfelden gehörende Nachwuchsleistungszentrum spaltete sich 2017 ab – unter anderem, weil das Ganze zu gross wurde, als dass es der TV Birsfelden administrativ und auch finanziell noch alleine hätte stemmen können.

Um ihren Söhnen weiterhin das anspruchsvolle Training zu ermöglichen, sprangen viele Eltern ein, halfen tatkräftig mit und tun es heute noch – besteht doch der Vorstand aus fünf dieser Spielereltern. Nicht nur die Spieler, auch die Eltern leben für den Handball. So erzählt Chairo Kaufmann, dass sein Vater ihn oft zu den Trainings oder den Spielen fährt. Auch die Eltern von Fabio Kull stehen ganz hinter ihrem Sohn – und nehmen im Sommer sogar den Walliser Fabian Heimberg bei sich auf.

Nicht nur der Glaube, auch Träume versetzten Berge. Für die drei Spieler sind das keine leeren Worte. Fabian Heimberg überquert die Berge sogar, um seine Ziele verwirklichen zu können. Und bereits jetzt ist der Spieler aus Visp topmotiviert: «Ich freue mich eigentlich auf alles. Auf die Schule, die Gastfamilie und darauf, auf hohem Niveau Handball spielen zu können.» Für das Handball-Nordwest-Leistungszentrum hat vor allem Letzteres den Ausschlag gegeben.

Enger Zusammenhalt

Um sich in der nächsten Saison der Nationalmannschaft anschliessen zu können, muss er in der höchsten Liga spielen. Überzeugt hat seine Eltern zudem das Herzblut des Vorstandes und das professionelle Trainerteam. Genau dieses wird nun weiter verstärkt. Letzte Woche wurde bekannt gegeben, dass Samir Sarac, selbst ehemaliger NLA-Spieler und zuletzt Trainer beim RTV Basel, bei der U19 der HSG Nordwest einsteigen wird. Auch Chairo Kaufmann, der seit vier Jahren hier spielt, wird bald als Trainer in der U15 mithelfen.

Weil die drei Teams oft miteinander trainieren, ist der Zusammenhalt eng, jeder lernt von jedem. Chairo Kaufmann hat seine Vorbildrolle so schnell erkannt: «Handball ist mir wichtig. Eben so viel bedeutet es mir aber, mein Wissen an die jungen Spieler weiterzugeben.» Er bleibt der Region treu – nicht als einziger. Gleich drei Spieler übernimmt der TV Birsfelden aus der diesjährigen U19-Meistermannschaft, womit die HSG Nordwest ihrer Funktion als Ausbildungszentrum für die Region gerecht wird.

Hohes Niveau

Doch auch schon der Bundesligist Füchse Berlin durfte bei der Übernahme von Robin Heinis von der Arbeit der Talentschmiede profitieren. Deren Trainingsniveau ist hoch. Viermal pro Woche schwitzen die Spieler in den strengen Trainings. Bei den Spielern des Sportgymnasiums – Kull und Heimberg werden bald dazugehören – sind es sogar doppelt so viele. Erleichternd wirkt da das Entgegenkommen der kantonalen Sportämter, der ortsansässigen Schulen oder wie in Chairo Kaufmanns Fall des Lehrbetriebes.

An Erfolgsdruck soll sowieso keiner zerbrechen. «Viel wichtiger als Medaillen ist die Entwicklung der einzelnen Spieler», sagt Morf. Einen nächsten Triumph feiern möchte die HSG trotzdem. Zu wünschen bleibt dies auch Fabio Heimberg. Er wird bald nicht mehr bei seinen Eltern leben und weit weg von seiner vertrauten Umgebung sein. Aber, wenn es beim Leistungszentrum und den drei HSG-Nordwest-Mannschaften weiterhin so gut laufen wird, dem Erfolg sehr nahe sein.