Tennis
Wenn der Name Old Boys wörtlich genommen wird

Das Aufstiegsspiel in die NLA verlief für den TC Old Boys kurz und schmerzlos. Die 0:6-Niederlage gegen Luzern war so erwartet worden. Nicht aber, dass der 47-jährige Vereinspräsident Niki von Vary selber in die Hosen steigen musste.

Georges Küng
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Tennisclub Old Boys im Interclub
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Nikolai Hässig von Luzern.
Muhamed Fetov verlor gegen Nikolai Hässig.
Old Boys Präsident Niki Von Vary musste zum Abschluss selber ran.
Muhamed Fetov gab alles.

Tennisclub Old Boys im Interclub

Kenneth Nars

Niki von Vary ist ein bestandener Mann, ist 47 Jahre alt – oder eben jung. Denn gestern Nachmittag musste der Vereinspräsident des TC Old Boys Basel selber «in die Hosen steigen». Und zwar nicht etwa bei den (Jung-)Senioren, sondern im Fanionteam, das gegen Lido Luzern um den Aufstieg in die Nationalliga A spielte.

Ihm gegenüber stand ein «Jüngling, der gut mein Sohn sein könnte», so von Vary trocken. Das Resultat war ebenso «sec», wobei es dem 19-jährigen Raphael Stucker nicht für eine «Brille» (6:0, 6:0) reichte. «Er musste schon ab und zu beissen», fuhr von Vary mit dem ihn eigenen Humor weiter.

Die Nationalliga A ist für Old Boys kein Thema, «diese Liga interessiert uns überhaupt nicht. Wir hatten, sowohl bei den Männern wie auch bei den Frauen, unsere Zeit in der Elite», erklärt von Vary, der den Klub seit über einem Jahrzehnt präsidiert, seit gut 20 Jahren im Vorstand ist und auf eine über 30-jährige Vereinszugehörigkeit zurückblicken kann.

Ohne Ausländer läuft nichts

Ohne ausländische Spieler läuft im Interclub, selbst in der Nationalliga B, nichts. Wobei von Vary ergänzt: «80 Prozent aller Teams wollen und können gar nicht aufsteigen und sind einfach froh, wenn sie ohne Abstiegsspiele den Ligaerhalt wahren können».

Dies trifft auch für die Old Boys zu. Hinter Froburg Trimbach, das Aufstiegsambitionen hegt, belegte OB den 2. Gruppenplatz. Und qualifizierte sich so für das Viertelfinale. Dass die «Basler» in der Ausmarchung gegen Lido Luzern, bis vor wenigen Jahren noch eine fixe Grösse in der Nationalliga A, chancenlos sein würden, zeigt ein Blick aufs Ranking.

Für von Vary enttäuschender war die Tatsache, dass «ich heute Nachmittag der einzige OBler im Team war». Die anderen Akteure sind entweder ausländische Zuzüge (Frank Wintermantel, Enzo Brox) oder ausserkantonale Spieler, die nicht für Wurst und Brot auf der wunderschönen Tennisanlage am St. Galler-Ring spielen.

Der klubeigene Nachwuchs, wie Joël Giger (N3) oder Danilo Casanova (22), die beiden viel versprechendsten Talente, bevorzugten es, in Rotterdam an ein ITF-Turnier zu gehen. Im Gespräch mit dem «Presi» spürt man, dass ihn diese Einstellung und die mangelnde Identifikation mit dem Klub stört, er sie aber schulterzuckend hinnehmen muss.

Genau um 17.18 Uhr war der letzte Ball in der Nationalliga B gespielt. Nach dem klaren Verdikt in den Einzeln war schon früh entschieden worden, auf die drei Doppelspiele zu verzichten. Dafür genoss man danach gemeinsam Speis und Trank auf der Terrasse des Klubheimes.

Auch in der kommenden Saison dürfte der TC Old Boys eine NLB-Equipe stellen. «Wir werden dies aber intern schon noch besprechen», so Niki von Vary.

Und bei allem Können des früheren Spitzenspielers, der Vereinspräsident sieht sich nicht in der Rolle des Notnagels für die 1. Mannschaft, sondern möchte Basler Spieler sehen, welche den Traditionsverein würdig im Interclub vertreten. Nicht so wie beim gestrigen Interclub-Abschluss.

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