Freuen kann sich Jonas Omlin aber nicht wirklich. «Die Enttäuschung nach dem Spiel in Thun war in diesem Moment sicher grösser als die Freude, die ich da hätte empfinden dürfen.» Denn der FC Basel hat das Spiel gegen den FC Thun verloren. Trotz 2:0-Führung. Trotz eines von Omlin parierten Penaltys. Und aufgrund von Schiedsrichter-Fehlentscheiden und einer Mannschaft, die mit diesen nicht klar gekommen ist. Oder viel mehr an ihnen zerbrochen ist.

Um zu realisieren, was ihm Colomba ins Ohr geflüstert hat, «hat es schon einen kleinen Moment gebraucht. Erst als ich dann auch noch mit Patrick Foletti (Torhütertrainer der Schweizer Nati, Anm. d. Red.) telefoniert habe und er mir auch noch gesagt hat, dass ich dabei bin, konnte ich mich dann auch darüber freuen, ein erstes Mal ein Aufgebot erhalten zu haben».

Zum ersten Mal

Wenn Omlin vom ersten Mal spricht, dann geht es für ihn nicht um die Premiere im A-Team, sondern generell. Omlin wurde – im Vergleich zu den meisten seiner Kollegen – noch gar nie für eine Auswahl aufgeboten, auch nicht bei den Junioren. Viele seiner seit gestern neuen Kollegen, wie zum Beispiel Yann Sommer, auf den er sich sehr freute, kannte er nicht. «Ich hatte noch nie die Möglichkeit mit ihm zu reden. Ich kenne ihn nur aus dem Fernseher, wie jeder andere auch.»

Über Yann Sommer sagt Jonas Omlin: «Ich kenne ihn nur aus dem Fernseher, wie jeder andere auch.»

  

Omlin war bisher immer Aussenstehender, Verfolger aus der Ferne. Er hat die EMs und WMs verfolgt, Panini-Bildli gesammelt «von Spielern, die heute gar nicht mehr aktiv sind» und die Nati als eine Welt gesehen, «in die ich mich gar nicht hinein zu träumen vermochte. Jetzt ist sie auf einmal Bestandteil geworden und ich freue mich auf diese Herausforderung».

Wie einst Sommer und Vaclik

Es ist eine Herausforderung, die für Jonas Omlin schneller gekommen ist, als er gedacht hat. Noch vor zwei Jahren war sein Ziel, dereinst Stammgoalie beim FC Luzern zu werden. Nach seinem ersten Training beim FCB war das Thema Nati ebenfalls noch weit weg. Er habe sich nie einen Plan gemacht, wann er es so weit schaffen wolle. «Es war immer nur ein Bonus.» Mit dem Schritt zum FCB im Sommer hat er sich diesem Bonus angenähert, ohne dies vielleicht konkret geplant zu haben.

Jonas Omlin, hier noch im Dress des FC Luzern, wollte dereinst Stammgoalie beim FC Luzern zu werden. Dann kam schon der Wechsel zum FCB.

  

Bei Basel stieg er statt erst nächsten Sommer schon auf diese Saison hin zur Nummer 1 auf – und damit in das Blickfeld der Nati. «Das war sicher ein richtiger Schritt und der FCB ist auch nochmal eine Schuhgrösse grösser als der FC Luzern. Dass ich mich für höhere Aufgaben habe empfehlen können war sicher auch wichtig.» Viel wichtiger aber, glaubt er, ist die Tatsache, dass er «seit eineinhalb oder zwei Saisons eine gewisse Konstanz hinbekommen habe. Ich habe täglich meine Leistungen bringen können, sowohl im Spiel als auch in den Trainings».

In Letzteren überwacht ihn seit diesem Sommer einer, der bereits aus Yann Sommer und Tomas Vaclik Nati-Keeper geformt hat: Massimo Colomba. Als der dahingehend unwissende Jonas Omlin dies nach seinem ersten FCB-Training am 14. Juni erfährt, lacht er und sagt, «dazu würde ich nicht Nein sagen, wenn er das auch bei mir schaffen würde». Und genau das hat Colomba jetzt vor. Oder besser: das Team Colomba-Omlin. Ein Team, das laut Omlin sehr gut harmoniert. Das Nati-Aufgebot ist eine erste Krönung dieser Zusammenarbeit.

Der Torhütertrainer des FC Basel, Massimo Colomba (rechts), hat bereits Yann Sommer und Tomas Vaclik zu Nati-Keepern geformt.