Aufgebot
Wenn die Traumwelt real wird: FCB-Goalie Jonas Omlin krönt seinen steilen Aufstieg mit dem ersten Nati-Aufgebot

Massimo Colomba nimmt Jonas Omlin auf die Seite. Der Torhütertrainer des FC Basel redet auf die Nummer 1 des FC Basel ein. Dieser hört zu, nickt. Es ist die Szene, in der Jonas Omlin eine der schönsten Neuigkeiten als Fussballer bekommt: Er ist zum ersten Mal für die Nationalmannschaft aufgeboten.

Céline Feller
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Jonas Omlin bei der Ankunft in der Villa Sassa in Lugano, wo die Nati seit gestern weilt.

Jonas Omlin bei der Ankunft in der Villa Sassa in Lugano, wo die Nati seit gestern weilt.

Toto Marti/freshfocus

Freuen kann sich Jonas Omlin aber nicht wirklich. «Die Enttäuschung nach dem Spiel in Thun war in diesem Moment sicher grösser als die Freude, die ich da hätte empfinden dürfen.» Denn der FC Basel hat das Spiel gegen den FC Thun verloren. Trotz 2:0-Führung. Trotz eines von Omlin parierten Penaltys. Und aufgrund von Schiedsrichter-Fehlentscheiden und einer Mannschaft, die mit diesen nicht klar gekommen ist. Oder viel mehr an ihnen zerbrochen ist.

Um zu realisieren, was ihm Colomba ins Ohr geflüstert hat, «hat es schon einen kleinen Moment gebraucht. Erst als ich dann auch noch mit Patrick Foletti (Torhütertrainer der Schweizer Nati, Anm. d. Red.) telefoniert habe und er mir auch noch gesagt hat, dass ich dabei bin, konnte ich mich dann auch darüber freuen, ein erstes Mal ein Aufgebot erhalten zu haben».

Basels Albian Ajeti (links) und Afimico Pululu sind enttäuscht und können die Niederlage gegen den FC Thun nicht fassen.
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Die Thuner hingegen können sich über den Sieg freuen.
Marco Streller (links) muss Assistenztrainer Carlos Bernegger zurückhalten. Dieser geht Linienrichter Sertac Kurnazca nach dem Spiel an.
Basels Eray Cömert (links) und Taulant Xhaka haben Redebedarf.
Thuns Spieler und Staff feiern den entscheidenden Treffer zum 4:2-Sieg gegen den FC Basel.
Sportchef Marco Streller (hinten) im Gespräch mit Taulant Xhaka nach der bitteren Pleite in Thun.
Impressionen vom Super-League-Spiel FC Thun - FC Basel (10.11.2018)
Thuns Matteo Tosetti (rechts) bringt Thun nach einem 0:2-Rückstand mit 3:2 in Front in diesem verrückten Spiel. Basels Blas Riveros kommt zu spät.
Dejan Sorgic lässt Jonas Omlin per Penalty keine Chance und trifft zum 2:2-Ausgleich.
Thuns Stefan Glarner (links) im Duell mit Basel-Stürmer Ricky van Wolfswinkel.
Hier trifft Albian Ajeti (links) über Thuns Miguel Rodrigues und Torhüter Guillaume Faivre hinweg zum 2:0.
Marvin Spielmann verschiesst seinen Elfmeter gegen Jonas Omlin.
Thuns Nicolas Sutter (am Ball) trifft zum 1:2-Anschlusstor. Beobachtet von Basler Spielern und Teamkollege Basil Stillhart.
Thuns Nicola Sutter (nicht im Bild) trifft ins Netzt von Basel-Torhüter Jonas Omlin zum zwischenzeitlichen 1:2-Anschlusstor.
Ein Kampf um den Ball: Thuns Matteo Tosetti (rechts) versucht gegen Taulant Xhaka anzukommen.
Thuns Dennis Hediger (r.) im Duell mit Basels Ricky van Wolfswinkel.
Schuss ins Glück: Hier trifft Ricky van Wolfswinkel vorbei an Thuns Nicolas Sutter (links) und Dennis Hediger ins Thuner Tor.
Ungewohntes Bild: Der gesperrte FCB-Trainer (rechts) muss neben Sportchef Marco Streller auf der Tribüne Platz nehmen.

Basels Albian Ajeti (links) und Afimico Pululu sind enttäuscht und können die Niederlage gegen den FC Thun nicht fassen.

PETER SCHNEIDER

Zum ersten Mal

Wenn Omlin vom ersten Mal spricht, dann geht es für ihn nicht um die Premiere im A-Team, sondern generell. Omlin wurde – im Vergleich zu den meisten seiner Kollegen – noch gar nie für eine Auswahl aufgeboten, auch nicht bei den Junioren. Viele seiner seit gestern neuen Kollegen, wie zum Beispiel Yann Sommer, auf den er sich sehr freute, kannte er nicht. «Ich hatte noch nie die Möglichkeit mit ihm zu reden. Ich kenne ihn nur aus dem Fernseher, wie jeder andere auch.»

Über Yann Sommer sagt Jonas Omlin: «Ich kenne ihn nur aus dem Fernseher, wie jeder andere auch.»   

Über Yann Sommer sagt Jonas Omlin: «Ich kenne ihn nur aus dem Fernseher, wie jeder andere auch.»   

Keystone

Omlin war bisher immer Aussenstehender, Verfolger aus der Ferne. Er hat die EMs und WMs verfolgt, Panini-Bildli gesammelt «von Spielern, die heute gar nicht mehr aktiv sind» und die Nati als eine Welt gesehen, «in die ich mich gar nicht hinein zu träumen vermochte. Jetzt ist sie auf einmal Bestandteil geworden und ich freue mich auf diese Herausforderung».

Wie einst Sommer und Vaclik

Es ist eine Herausforderung, die für Jonas Omlin schneller gekommen ist, als er gedacht hat. Noch vor zwei Jahren war sein Ziel, dereinst Stammgoalie beim FC Luzern zu werden. Nach seinem ersten Training beim FCB war das Thema Nati ebenfalls noch weit weg. Er habe sich nie einen Plan gemacht, wann er es so weit schaffen wolle. «Es war immer nur ein Bonus.» Mit dem Schritt zum FCB im Sommer hat er sich diesem Bonus angenähert, ohne dies vielleicht konkret geplant zu haben.

Jonas Omlin, hier noch im Dress des FC Luzern, wollte dereinst Stammgoalie beim FC Luzern zu werden. Dann kam schon der Wechsel zum FCB.   

Jonas Omlin, hier noch im Dress des FC Luzern, wollte dereinst Stammgoalie beim FC Luzern zu werden. Dann kam schon der Wechsel zum FCB.   

Keystone

Bei Basel stieg er statt erst nächsten Sommer schon auf diese Saison hin zur Nummer 1 auf – und damit in das Blickfeld der Nati. «Das war sicher ein richtiger Schritt und der FCB ist auch nochmal eine Schuhgrösse grösser als der FC Luzern. Dass ich mich für höhere Aufgaben habe empfehlen können war sicher auch wichtig.» Viel wichtiger aber, glaubt er, ist die Tatsache, dass er «seit eineinhalb oder zwei Saisons eine gewisse Konstanz hinbekommen habe. Ich habe täglich meine Leistungen bringen können, sowohl im Spiel als auch in den Trainings».

In Letzteren überwacht ihn seit diesem Sommer einer, der bereits aus Yann Sommer und Tomas Vaclik Nati-Keeper geformt hat: Massimo Colomba. Als der dahingehend unwissende Jonas Omlin dies nach seinem ersten FCB-Training am 14. Juni erfährt, lacht er und sagt, «dazu würde ich nicht Nein sagen, wenn er das auch bei mir schaffen würde». Und genau das hat Colomba jetzt vor. Oder besser: das Team Colomba-Omlin. Ein Team, das laut Omlin sehr gut harmoniert. Das Nati-Aufgebot ist eine erste Krönung dieser Zusammenarbeit.

Der Torhütertrainer des FC Basel, Massimo Colomba (rechts), hat bereits Yann Sommer und Tomas Vaclik zu Nati-Keepern geformt.   

Der Torhütertrainer des FC Basel, Massimo Colomba (rechts), hat bereits Yann Sommer und Tomas Vaclik zu Nati-Keepern geformt.   

Andy Mueller/freshfocus