Dominerte vor Jahresfrist die Farbe rosa, war es jetzt hellblau. Praktisch alle, die am Lauf teilnahmen, trugen das blaue Shirt mit dem vielsagenden Aufdruck: Ohne Frauen läuft nichts! Patricia Zupan, Schwester der OK-Chefin und Mitorganisatorin, meint mit einem Lachen. «Das ist so ein Wortspiel, das man nicht ganz so ernst nehmen darf».

Sie hat erfahren, dass solche Aussagen speziell in Basel heikel sind. «Wir erleben in Basel, dass alles, was mit den Frauen zu tun hat, doch etwas spezieller beobachtet wird.» Der Basler Stadtlauf ist einer von drei Frauenläufen, welche vom OK-Team organisiert wird. Der Bodenseelauf sowie jener in Winterthur sind die anderen.

Es sei durchaus ein Bedürfnis, ein solcher Lauf, nur für Frauen, meint Verena Eugster. «Es geht hier nicht um Wettkampf, sondern um Spass.» Man sei schon länger mit dem Sportamt Baselstadt im Gespräch, denn es gäbe viel zu tun, vor allem wenn man an die Streckensicherheit denke.

«Frauen wollen sich durchaus messen, aber es geht ihnen dabei vor allem um die persönliche Leistung.» Eugster ist stolz, dass man gut 2'000 Läuferinnen über die Distanzen 10 und 5 km sowie in der Kategorie Nordic Walking an den Start brachte. «Eine Frau mit einem gesunden Lebensstil ist gerade in Familien eine Multiplikatorin. Wenn die Mutter läuft, tun es ihr die Kinder gleich. Das trifft aber auch auf Freunde, Bekannte etc. zu.»

Vor dem Start der 10 km-Kategorie sah man sie an jeder Ecke. Die Läuferin mit ihrer Begleitung oder Betreuung. Da wurde der Wasserhaushalt à jour gebracht. Das war wichtig bei Temperaturen um die 25 Grad.

Spezielles Kleid

Hier wurde noch rasch ein Energiebarren verdrückt und auf einer Sitzbank im Schatten zerkleinerte der Ehemann seiner Frau eine Banane in mundgerechte Stücke. Auf dem Marktplatz, dem Start- und Zielort, dagegen herrschte eine Art «Mustermesse». Sponsoren priesen ihre Ware an. Etwa das speziell für den Frauenlauf entworfene Kleid.

«Das ist eine Herzensangelegenheit von mir», meinte Verena Eugster. «Ich wollte ein Laufkleid entwerfen, das nützlich, aber auch bequem sein sollte. Acht Jahre habe ich daran gearbeitet und bin ungemein stolz, dass es funktioniert.» 250 Stück habe sie in Auftrag gegeben, weil es halt doch auch ein wirtschaftliches Wagnis sei. «Bis auf wenige haben wir alle verkauft!»

An einem anderen Stand gab es Prosecco, daneben die Verpflegung. Ein spezielles Tüchlein in einem Becher, das, nass gemacht, auf 16 Grad gekühlt werden könne und so bei heissen Temperaturen Kühlung verschaffe. Dann konnte man sich massieren lassen und vis-à-vis die Frisur machen lassen oder auch ein spezielles, Schweiss resistentes Make-up.

«Wieso sollen Frauen nicht zurechtgemacht laufen dürfen? Für mich ist das überhaupt kein Widerspruch zu Sport und Leistung», meint Patricia Zupan auf Aussagen von Männern, das sei halt typisch Frau. Und deshalb zurück zu den Leistungen: Die 10 km am schnellsten lief Myriam Keiser (Jg. 92).

Sie überquerte die Ziellinie nach 42.05, 1.38 vor Nicole Dürst (01) und Franziska Kupper (78). In der Kategorie 5 km siegte Shirley Lang (02) aus Muttenz in 20.48. Auf Platz zwei folgte Rebecca Feremutsch (73) und Platz drei sicherte sich Shawney Lang (04), die jüngere Schwester der Siegerin. In der Kategorie Nordic Walking beendete die Baslerin Carmen Meyer (80) vor Nelly Franic (64) und Conny Koller (72) die 5 km am schnellsten.