Dass die 2. Liga interregional bei den Vereinen nicht immer beliebt ist, ist kein Geheimnis. Ein Aufstieg von der regionalen 2. Liga in die interregionale stellt kleinere Vereine oft vor problematische Veränderungen: Weniger Derbys bedeuten weniger Zuschauer, dazu kommen weite Reisewege durch die ganze Schweiz, die vor allem ältere Spieler mit Familie vielmals als grosses Problem ansehen. Die erhöhten Kosten und die geforderte Infrastruktur sind da nur noch das Tüpfelchen auf dem i.

Oberdorf als Beispiel

Heute spielt der FC Oberdorf wieder in der regionalen 2. Liga gegen Vereine aus Aesch, Pratteln oder Reinach. Der letztjährige Tabellen-Sechste fühlt sich wohl in dieser Liga. Obwohl die Oberdörfer 2011 und 2012 während zweier Saisons Amateur-Liga-Luft schnuppern konnten und so unter anderem zu Duellen mit Xamax kamen, bezeichnet Präsident Peter Schweizer den Aufstieg zwar als durchaus schönes Erlebnis, die Folgen seien aber noch heute spürbar. «Zwei Drittel unserer Spieler sind Auswärtige, die nicht die eigenen Juniorenabteilungen durchlaufen haben», gibt Schweizer zu bedenken. Verantwortlich dafür sei die Zwickmühle 2. Liga interregional. «Um in der 2. Liga inter bestehen zu können, waren wir darauf angewiesen, auswärtige Spieler zu verpflichten. Viele der eigenen Spieler, die für die 2. Liga zwar durchaus gereicht hätten, wurden zu Klubs aus der Umgebung transferiert», erinnert sich der Präsident.

Auf Donatoren angewiesen

Dieser Umstand hatte zur Folge, dass nebst dem finanziellen Mehraufwand – bedingt durch höhere Schiedsrichter- und vor allem Reisekosten – nun auch höhere Spielerkosten auf den Verein zukamen. Aus diesem Grund wurde ein Donatorenklub ins Leben gerufen, dessen Mitglieder jährlich 1000 Franken einzahlten. Die Donatoren waren vom Verein unabhängig und konnten über die Art ihrer Subvention selber verfügen. Eine eigentlich gute Lösung, denn so kamen dem Verein jährlich bis zu 25 000 Franken zugute. Dennoch erhebt Präsident Schweizer bei dieser Behauptung den Mahnfinger: «Dieser Umstand hat schlussendlich dazu geführt, dass die Donatoren dem Verein die Spieler zur Verfügung gestellt haben und sie auch entsprechend entschädigten. In die Höhe der jeweiligen Entschädigungen habe auch ich als Präsident bis vor wenigen Monaten noch keine Einsicht gehabt.»

Vereinsinterne Konsequenzen waren die Folge. Einerseits verliessen immer mehr gestandene Spieler den Verein, für die es aufgrund der vielen Neuzugänge nur noch für die 2. Mannschaft gereicht hätte. Andererseits missfiel dieser Umstand einigen Eltern von Junioren, die ihre Kinder so kurzerhand zu Drittliga-Spitzenvereinen aus der Region transferierten. Auch unter den verbliebenen Spielern kam es unweigerlich zu Unruhen. «Spieler, die bereits den Aufstieg mitgemacht haben, wurden nicht entschädigt, dafür wurden die neuen Spieler entlöhnt», gibt Schweizer zu bedenken.

Vereine gefordert

Von einer unbeliebten Liga will Liga-Chef Ramon Zanchetto nichts wissen. Seit Einführung der 2. Liga interregional vor 15 Jahren habe es nur wenige Vereine gegeben, die den Aufstieg in die Amateurliga verweigert hatten. Vielmehr sieht Zanchetto die Liga als Chance für talentierte Spieler, um sich für die 1. Liga zu bewerben. Zudem sei eine interregionale Liga auch sportlich um einiges interessanter als der Breitenfussball. Dass auf die Vereine höhere Kosten als in der regionalen Liga zukommen, sei klar. Man spiele schliesslich auch auf einem deutlich höheren Niveau. «Für eine Saison muss ein Klub für Schiedsrichterkosten, Reisen und andere Ausgaben ungefähr 10 000 Franken einberechnen. Da ist der Verein gefordert, Lösungen zu finden», so Zanchetto.

Abstieg im zweiten Jahr

Finanziell war der FC Oberdorf zwar durchaus nach einer Lösung bemüht, sportlich hat diese aber nicht gefruchtet. Mit dem Aufstiegsschwung im ersten Jahr, wo der gute 9. Rang erreicht wurde, folgte im zweiten Jahr der Abstieg zurück in die Regionalliga. Oberdorfs Präsident Schweizer blickt zurück: «Die Spieler, die uns aufgrund des Aufstieges verlassen mussten, fehlten uns in der Folge nach dem Wiederabstieg.»

Gleich sei es auch anderen Vereinen aus der Umgebung wie zum Beispiel Therwil oder Binningen ergangen. Aus diesen Erfahrungen erschliesst sich für den mittlerweile pensionierten Vereinspräsidenten auch die Frage, weshalb in der Region eigentlich gar kein Verein den Aufstieg in Angriff nehmen will: «Auch in der letzten Saison wollte Dardania als Regionalmeister ursprünglich nicht aufsteigen. In der Folge wurden alle Vereine vom Verband angefragt, unter anderem auch der FC Oberdorf als Tabellen-Sechster. Das zeigt mir im Grunde den Stellenwert, der diese 2. Liga interregional besitzt.»

Den Kommentar zur Situation der 2. Liga inter finden Sie hier.