Swiss Indoors
Wenn's bei den Spielern zwickt, kommt er zum Einsatz

Alejandro Resnicoff gehört zum Physio Team der ATP und begleitet die Spieler hautnah. In Basel ist er fast rund um die Uhr im Einsatz. Der Argentinier arbeitet rund 20 Wochen pro Jahr für die Tennisprofis.

Patrick Pensa
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Magische Hände. Schon so mancher Spieler hat sich bei der Siegerehrung bei Alejandro Resnicoff für die Behandlung bedankt.

Magische Hände. Schon so mancher Spieler hat sich bei der Siegerehrung bei Alejandro Resnicoff für die Behandlung bedankt.

Patrick Pensa

Stellen Sie sich vor, Sie sind in der Physiotherapie. Sie liegen auf dem Bauch, sehen nichts, die Vorhänge sind gezogen. Völlige Privatheit. Sowohl für Sie als auch für den Physiotherapeuten. Jetzt stellen Sie sich den Final der US Open vor. Über 20000 Zuschauer live im Center Court der Anlage im Flushing Meadows Park, noch viel mehr an den Bildschirmen weltweit. Einen Spieler zwickt es im Rücken, der Physio wird gerufen. «Alle schauen, was du machst, welchen Griff. Ringsum nur Experten. Das musst du einfach ausblenden», sagt Alejandro Resnicoff, der seit drei Jahren die ATP Tour begleitet.

Rund 20 Wochen ist er überall auf der Welt im Einsatz, die restliche Zeit verbringt er in seiner Heimat Argentinien und arbeitet in seiner Praxis in Buenos Aires. Natürlich hinter geschlossenen Vorhängen.

Im Tennis nicht so begabt

«Im Tennis war ich nicht so begabt. Die Physiotherapie war der einzige Weg, um auf die Tour zu kommen», sagt der 40-Jährige lachend. Seit drei Jahren begleitet er die Stars rund um den Globus. Davor hat er einheimische Spieler betreut, dann Spieler in ganz Südamerika. Die Zusammenarbeit mit dem Brasilianer Gustavo Kuerten hat ihm schliesslich die Tenniswelt geöffnet.

Der offene Argentinier hat müde Augen, strahlt aber trotzdem eine positive Energie aus. Man kann sich vorstellen, wie er einen enttäuschten Spieler wieder auf Kurs bringt. «Ja, manchmal müssen wir auch zuhören», sagt er. Namen oder detailschwangere Geschichten darf er keine verraten. Es spiele keine Rolle, ob der Spieler später verliert oder gewinnt, ob es um die Qualifikation oder den Final gehe, er versuche einfach sein Bestes zu geben und dem Spieler zu helfen, seine Leistung zu bringen. Manchmal komme es vor, dass die Spieler nach dem Match zurückkommen und sich bedanken. Nicht selten wird das Physio Team bei den Dankesreden nach dem Final erwähnt. Viele verlangen auch konkret nach einem bestimmten Therapeuten.

Hallensaison ist Hochsaison

Verschiedene Beläge, verschiedene Verletzungen. Resnicoff ist mit Sandbelag aufgewachsen und mag diesen Belag noch immer. Die Belastung ist nicht so hoch, dafür dauern die Ballwechsel länger. «Jeder Belag hat seine Eigenheiten und jeder Spieler andere Voraussetzungen», sagt er. Beim Hartbelag wäre die Belastung aber am höchsten. Hallensaison ist Hochsaison für die Physios.

Die Behandlung auf dem Court sei nur ein ganz kleiner Teil seiner Arbeit. Er arbeite auch präventiv mit den Spielern. Gebe Tipps für die Trainingspause, zur Ernährung oder Anleitungen für den gezielten Muskelaufbau. «Es ist ein Riesenvorteil, dass ich selbst Tennis gespielt habe und die Bewegungen genau kenne», sagt Resnicoff.

An den Swiss Indoors ist der Südamerikaner rund um die Uhr im Einsatz. Natürlich sähe er gerne einen Sieg seines Landmanns del Potro. Zu einem klaren Bekenntnis lässt er sich aber nicht hinreissen. Warten wir die Dankesrede bei der Siegerehrung ab.