FC Basel
Wicky vor seiner Heimspielpremiere: «Nein, mutlos war unser Auftritt in Bern nicht»

Raphael Wicky musste in seinem ersten Spiel als FCB-Trainer eine Niederlage einstecken. Die Kritik an seiner Aufstellung lässt den Walliser aber nicht aus dem Konzept bringen. Am Sonntag will er bei seiner Heimspielpremiere gegen Luzern die Kritiker verstummen lassen.

Markus Brütsch
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Am Sonntag kommt der neue FCB-Trainer Raphael Wicky zu seiner Heimspielpremiere.

Am Sonntag kommt der neue FCB-Trainer Raphael Wicky zu seiner Heimspielpremiere.

Keystone

Der Konkurrenzkampf ist gross. Ausser dem jungen Neftali Manzambi sind zwei Tage vor dem ersten Heimspiel alle Kaderspieler des FC Basel fit und heiss darauf, am Sonntag in den St. Jakob-Park einzulaufen. Einzig hinter Neuzugang Dimitri Oberlin, dem aus Salzburg geholten Stürmer, gibt es noch ein Fragezeichen. Der Schweizer U21-Nationalspieler hat bei Rotblau eben erst das Training aufgenommen. Deshalb will sich Raphael Wicky erst heute Samstag entscheiden, ob er ihn bereits ins Aufgebot für die Partie gegen den FC Luzern nimmt.

«Oft ist es besser, einem neuen Spieler Zeit zu geben, um sich einzuleben», sagte der Basler Trainer und berichtete bei der Medienkonferenz von einer guten Trainingswoche. «Aber eigentlich sind alle der bisherigen 35 Trainingslektionen gut und intensiv verlaufen», sagte Wicky. Er freut sich darüber, dass seine Spieler nicht nur um die elf Startplätze, sondern sogar darum kämpfen, am Spieltag überhaupt im Kader zu stehen. «Es geht zur Sache, aber jederzeit fair», sagte Wicky. Er betrachtet es als ein schönes Problem, aus dem breiten Angebot die richtigen Akteure auszuwählen.

Enttäuschung weggesteckt

«Es ist kühl hier», hatte der Walliser beim Betreten des tatsächlich sehr kühlen Medienzentrums bemerkt, war danach aber bei kritischen Fragen selber auch ganz cool geblieben. Nach der 0:2-Auswärtsniederlage gegen YB sei schon eine Enttäuschung vorhanden gewesen, sagte Wicky, doch nach dem trainingsfreien Montag habe sich der Fokus auf die Vorbereitung der Partie gegen Luzern gerichtet.

Tomás Vaclík: 5 Bei beiden Gegentoren ist er absolut chancenlos. Seinen starken Reflexen ist es zu verdanken, dass der FCB nicht noch höher verliert.
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Michael Lang: 4,5 Es ist bezeichnend, dass sein Abschlussversuch in der 82. Minute die grösste Chance der Basler ist. Wie gewohnt mit Zug gegen vorne und defensiv tadellos.
Marek Suchy: 4 Hat einmal Glück, dass Vaclik für ihn rettet. Und sein Foul führt zum Freistoss, den Sulejmani direkt zum 2:0 verwandelt. Sonst der unbestrittene Abwehrchef in beiden Systemen.
Manuel Akanji: 4,5 Hatte schon auffälligere Spiele, in denen er mehr Einfluss nahm in der Spieleröffnung. Erlaubte sich aber keinen Fehler und spielte unaufgeregt und absolut abgeklärt.
Blas Riveros: 4,5 Der Paraguayaner bekommt den Vorzug vor Petretta und zahlt das Vertrauen zurück. Bringt auf seiner linken Seite fast noch mehr Speed ins Spiel als Lang auf rechts.
Taulant Xhaka: 4,5 Nicht Delgado, nicht Zuffi, sondern Xhaka ist der Taktgeber und Dirigent im Mittelfeld. Lässt nie locker und ist gewohnt aggressiv. Manchmal aber etwas zu sehr.
Luca Zuffi: 3,5 Seine Standards sind stark. Aber wie er sich vor dem 0:1 unglaublich einfach umspielen lässt, ist schwach. Ein seltener Fehler eines sonst so zuverlässigen Akteurs.
Renato Steffen; 4 Rennt, wirbelt, dribbelt – aber aller Effort bleibt ohne zählbares Resultat. Lässt vor dem ersten Gegentor seinem Gegner zu viel Raum und so zu, dass Zuffi verladen wird.
Matías Delgado: 3 Wenn er auffällt, dann negativ. Kassiert früh seine erste gelbe Karte und kann sich glücklich schätzen, dass die zweite und der Platzverweis nicht bald folgen. Rabenschwarzer Tag.
Mohamed Elyounoussi: 3,5 Hat auf der linken Seite einen ganz schweren Stand gegen Kevin Mbabu und kann keine Gefahr entstehen lassen. Muss in er 68. zwecks Systemwechsel raus.
Ricky van Wolfswinkel: 4 Wenn man seinen Kopfball in der 18. als solche wertet, dann hatte er eine Chance. Sonst hatte er gegen eine kompakte YB-Defensive wie der Rest des Teams Mühe.
Éder Balanta: 4,5 Seine Einwechslung in der 68. Minute ist gleichbedeutend mit dem Systemwechsel hin zur Dreierkette. Beweist, dass er eine feine Technik sowie eine gute Spielauslösung hat.
Kevin Bua: 4 Er ist einer der Gewinner der Vorbereitung. In der 68. Minute kommt er für Elyounoussi ins Spiel und gibt den zweiten Stürmer im 3-5-2. Kommt zu keinem Torabschluss.
Dereck Kutesa: – Der 19-Jährige wird in der 81. Minute für den platten Captain Delgado eingewechselt. Er ist zu kurz im Einsatz für eine Bewertung.

Tomás Vaclík: 5 Bei beiden Gegentoren ist er absolut chancenlos. Seinen starken Reflexen ist es zu verdanken, dass der FCB nicht noch höher verliert.

Zur Verfügung gestellt

Dass ihm in einigen medialen Spielanalysen vorgehalten wurde, er habe ein mutloses Trainerdebüt in der Super League abgeliefert, ist nicht bis zu ihm vorgedrungen. Nach den Testspielen, in denen der FCB wiederholt mit einer Dreierkette in der Abwehr agiert hatte, war seine Mannschaft in Bern wieder im «alten», unter Urs Fischer fast immer praktizierten 4-2-3-1-System unterwegs gewesen.

«Es hat mich niemand darauf angesprochen und ich habe auch keine Zeitungen gelesen. Aber mutlos? Nein, mutlos war unser Auftritt in Bern nicht», sagte Wicky. «Es hat aber die Entschlossenheit auf den letzten dreissig Metern vor dem Tor gefehlt.» Der FCB-Trainer machte deutlich, dass die Wahl eines Systems nichts mit Mut zu tun habe. «Bis zum 1:0 haben wir relativ gut ausgesehen, was Ballbesitz und Spielkontrolle betrifft; ohne dabei allerdings gefährlich zu werden. Wahrscheinlich haben wir dadurch ein Gefühl der Sicherheit bekommen und einige Spieler auf Bewegungen in die Tiefe verzichtet. Deshalb ist van Wolfswinkel auch zu oft auf sich allein gestellt gewesen.»

Delgados Position

Zu reden gibt derzeit auch die Personalie Matias Delgado. Nachdem es in den letzten Wochen schien, Wicki wolle den Argentinier von der Sechserposition heraus das Spiel lenken lassen, positionierte sich dieser im Stade de Suisse wie gehabt als Zehner. «Nein, ich bin nicht auf der Suche nach einer Rolle für ihn», sagte Wicky, «er ging ja auch gegen YB immer wieder zurück, um den Ball zu holen. Aber wir wollen variabler sein.»

Obwohl die Basler angekündigt hatten, künftig vermehrt auf junge Spieler, wenn möglich aus dem eigenen Nachwuchs, zu setzen, stand in Bern von den ganz Jungen zu Beginn nur Blas Riveros auf dem Platz. «Ich habe nie gesagt, dass ich jemanden aufstellen werde, nur weil er jung ist», sagte Wicky. «Auch jeder Junge muss sich seinen Platz verdienen. Es ist zudem ein Projekt, das Zeit braucht.»

Bleibt noch eine besonders wichtige Frage zu klären: Weshalb um Himmels willen stand Wicky in Sportkleidung und nicht im Anzug, wie es sich für einen FCB-Trainer gehört, an der Seitenlinie? «Vom Klub wurde nichts kommuniziert. Ich fühle mich wohl in Sportklamotten. Ich will mich selber bleiben», sagte Wicky. «In der Champions League aber muss ich dann wohl einen Anzug tragen.»