Eigentlich hätte der FC Basel gar nicht in den Genuss dieser Weltreise kommen sollen. Sie war für den Schweizer Meister aus dem Jahr 1963 geplant worden. Doch weil der FC Zürich überraschend europäisch überwinterte, sagte der Klub ab. Statt den Plan aufzugeben, suchten die Organisatoren kurzfristig Ersatz und fragten beim Cupsieger an. Diesen Titel hatte sich 1963 völlig überraschend der FC Basel unter Trainer Georges Sobotka geschnappt.

Die Spieler des FC Basel nach ihrem Sieg im Cupfinal gegen GC mit dem Pokal auf einer Ehrenrunde, Goalie Kurt Stettler und Karl Odermatt tragen den Pokal. Rechts vorne ist Captain Bruno Michaud.

Die Spieler des FC Basel nach ihrem Sieg im Cupfinal gegen GC mit dem Pokal auf einer Ehrenrunde, Goalie Kurt Stettler und Karl Odermatt tragen den Pokal. Rechts vorne ist Captain Bruno Michaud.

So traten am 10. Januar 1964 16 FCB-Spieler um Captain Bruno Michaud, Toptorjäger Roberto Frigerio und den jungen Karl Odermatt mit einer ebenso grossen Delegation aus Offiziellen, Supportern und Reisebegleitern das Abenteuer an. Viele der Basler Spieler stiegen zum ersten Mal überhaupt in ein Flugzeug. Es sollten unvergessliche viereinhalb Wochen werden.

Hinreise: 250'000 Franken fehlen

FCB-Präsident Lucien Schmidlin ahnt nichts, als er am 10. Januar 1964 mit der Basler Delegation in den Zug zum Frankfurter Flughafen steigt. Auch an den Zwischenstopps in Istanbul, Karachi und Kalkutta schwant ihm nichts Übles. Erst als Schmidlin im Hotel in Bangkok erstmals wieder sein Gepäck sieht, bemerkt er, dass der Koffer mit den 250'000 Franken fehlt. Das Geld hatte der Präsident in der Schweiz in die für die Reise benötigten Währungen umtauschen lassen und in einem Koffer verstaut. Wurde der FCB beklaut? Ging das Gepäck verloren? Nein. Wie sich nach dem Schreck herausstellt, hatte Schmidlin das Geld einfach zu Hause vergessen. Die Swissair lieferte den Koffer ein paar Tage später nach. Das Geld war zur Freude des Präsidenten nicht verloren.

Bangkok: Strassen aus Wasser

In der Hauptstadt Thailands sehen viele Basler erstmals das Meer und weitere völlig neue Dinge. Auf Booten fährt die Delegation den Mekong entlang. Es ist wie ein Markt auf dem Wasser. Händler bieten im Vorbeifahren Fisch, Früchte und Gewürze an. Gleichzeitig waschen Frauen auf ihren Pfahlbauten Kleider oder kochen mit demselben Wasser, in dem andere vorher ihre Morgentoilette verrichteten. «Uns wunderte, dass die Seuche diese Menschen noch nicht dahingerafft hat», schrieb der Journalist Max Heiniger, der den FCB auf dieser Reise begleitete. Beim anschliessenden Besuch einer Schlangenfarm hängt sich Präsident Schmidlin eine Boa um den Hals.

Hongkong: Kein Wasser, viele Bananen

Nach dem Training und dem ersten Testspiel gegen eine Stadtauswahl müssen die Spieler auf die gewohnte Dusche verzichten. Fliessend Wasser gibt es hier nur am Morgen. Dann füllen die Einwohner Hongkongs ihre Badewannen und nutzen sie als Reservoirs für den Rest des Tages. Schon am Mittag kommt kein Wasser mehr aus der Leitung. Im Radio wird immer wieder zu Sparsamkeit aufgerufen.

Die FCB-Delegation spart in der Freizeit zwar an Wasser, aber nicht an Geld. Stoffe, Seide, Kimonos. «Roberto ‹Mucho› Frigerio bringt es kaum fertig, an einem Laden vorbeizugehen, ohne etwas zu kaufen», berichtete FCB-Captain Bruno Michaud. Eines Abends schicken sie Frigerio mit umgerechnet 3,50 Franken los, um Bananen zu holen. Frigerio kommt mit 12 Kilo zurück. Lustige Randnotiz: Für den tschechischen FCB-Trainer Sobotka hören sich Hongkong-Chinesisch und Schweizerdeutsch laut eigener Aussage gleich an.

Kuala Lumpur: Scherz mit dem König

Das zweite Spiel gegen die Nationalmannschaft Malaysias besucht König Duli Yang Maha Mulia Seri Paduka Baginda Yang Dipertuan. Vor dem Anpfiff lässt er sich von den jeweiligen Captains die Teams vorstellen. Bruno Michaud freut sich nicht nur über den langen Namen des Königs.

Er erlaubt sich auch einen Scherz mit ihm. Als er mit dem König an Walter Löffel vorbei zu Karl Odermatt schreitet, sagt Michaud im Wissen, dass der König ihn nicht versteht: «Das eben war der Herr Löffel und der hier heisst Gabel.» Odermatt lacht noch heute über diesen Scherz. «Der König hat einfach genickt. Das war traumhaft und mich haben sie dann immer Gabel genannt.»

Singapur: Sieg gegen die Wettquote

Ja, das Essen. Nicht nur Karl Odermatt beklagte die Überdosis an Fisch. «Wir waren das nicht gewohnt und haben unser Essen oft an Kinder weitergegeben. Um die eine oder andere Magenverstimmung sind wir trotzdem nicht herum gekommen.» Bruno Michaud berichtete damals für die Abendzeitung: «Es gab zwölf verschiedene Delikatessen, doch die meisten von uns assen nur das Brot.» Nach dem 2:2 im Spiel gegen eine Stadtauswahl fordern die Singapurer Revanche. «Die haben dann ganz viel Geld gegen uns gewettet, sind mit der Nationalmannschaft aufgelaufen und wir haben sie trotzdem 4:2 geschlagen», erzählt Odermatt.

Sydney: Achtung Haifisch

Während die FCB-Delegation im Flugzeug Kaviar, Lachs, Hummer, Poulet, Rosenkohl und Kartoffeln verspeist, überquert ein Grossteil der Basler zum ersten Mal in ihrem Leben den Äquator. In Sydney hält sie ein Schild vom Badespass ab. «Achtung! Haifische kommen bis an die Küste», heisst es darauf. Wie überall sonst sind auch die Spiele in Australien mit über 10'000 Zuschauern gut besucht. In Sydney und tags darauf auch in Melbourne sind viele Auslandsschweizer im Stadion. Die Flagge wird gehisst, die Nationalhymne gespielt. Am Flughafen werden die Basler sogar mit Alphorn und Jodelklängen empfangen. Zwischen den beiden Spielen lädt der Schweizerclub in seinen Privatautos zur Stadtrundfahrt durch Sydney und zum Abendessen ein. Es gibt Klöpfer mit Kartoffelsalat.

Auckland: Erdbeeren im Winter

Bei der Einreise nach Neuseeland müssen die Basler ihre Fussballschuhe aus Angst vor der Maul- und Klauenseuche desinfizieren lassen. «Neuseeland ist wie die Schweiz, nur mit Meer und mit Erdbeeren, die im Winter wachsen», sagt Odermatt, der sich auf der Insel eine Blutvergiftung holt und ein paar Tage kürzertreten muss.

Tahiti: Kokosnüsse und Küsse

Mit Stop auf den Fidschi Inseln geht es nach Tahiti. Dort werden die Basler von Hula-Mädchen mit Küsschen, Blumenkränzen und Tänzen empfangen. «Winiwini-wini-wini, Wanawana-wana-wana, Tahiti Tamouré» singt Odermatt vor. «Diesen Song vergesse ich nie mehr.» Auf den Super-8-Filmrollen, die Bruno Michaud von der Weltreise mitgebracht hat und die das «Flutlicht Fussball Film Festival» 2017 veröffentlicht hat, sind die FCB-Kicker andauernd mit Kokosnüssen zu sehen. Frigero beim kläglichen Versuch, diese mit Gewalt zu öffnen, Torwart Kurt Stettler beim Spaziergang mit Nuss im Arm oder Michaud selber, wie er mit einer Kokosnuss jongliert. Beim Ziel-Speerwurf der Einheimischen auf eine aufgespiesste Kokosnuss schauen die Fussballer allerdings nur zu.

Das macht der deutsche Schlager aus dem Tahiti-Song:

Los Angeles: Odermatts spätere Frau

Über San Francisco und den Besuch der Golden Gate Bridge geht die Reise ohne Testspiel weiter nach Los Angeles. Dort trifft Karl Odermatt seine spätere Frau Vreni, die damals zu Besuch bei Verwandten in Amerika war.

Karl Odermatt und seine Vreni

Karl Odermatt und seine Vreni

Für ein Testspiel auf «sandigem Erdboden» reist der FC Basel für einen Abend über die Grenze ins mexikanische Tijuana. Aus Angst vor dem zwielichtigen Nachtleben in der berüchtigten Stadt jenseits der Grenze kehrt der FCB-Tross direkt wieder nach Los Angeles zurück. Auf einen «Drink im Wespennest» verzichteten die Basler.

Rückreise: Zur Fasnacht wieder heim

Nach 50'000 Kilometern und zehn Spielen in drei Erdteilen kommt der FC Basel am 11. Februar pünktlich zur Fasnacht wieder heim. Die Spieler sind völlig erschöpft. Einige fallen mit Verletzungen länger aus. In der Meisterschaft hagelt es anschliessend Niederlagen. Der FCB wird in der Liga am Ende nur Siebter. Doch die unzähligen Erfahrungen der Weltreise wiegen im Nachhinein mehr als der sportliche Erfolg.