Der Erfolg scheint in der Familie zu liegen. Während der grosse Bruder am Pfingstmontag im Cupfinal auf die Grasshoppers trifft, sind die Baslerinnen bereits morgen gegen den FC Zürich am Zug (19 Uhr, Fribourg). Eine ungewohnte Situation. Während die Männer seit Jahren Titel um Titel einfahren, stehen die Frauen vor dem grössten Spiel ihrer Mannschaftshistorie. Noch nie zog die Mannschaft in den Cupfinal ein, auch die meisten Spielerinnen haben noch keine Final-Erfahrung. «Für unser Team wird dies das Spiel des Lebens sein», freut sich Assistenz-Trainerin Marisa Brunner. «Es kribbelt jetzt schon. Man merkt, dass die Anspannung steigt», spürt auch Abwehrspielerin Maya Hügin.

David gegen Goliath

Zu verlieren gibt es wenig. Dafür ist die Ausgangslage zu eindeutig. Mit 22 Siegen in Folge steuert der Serienmeister aus Zürich auch diesmal unbeirrt Richtung Meisterschaft. Zum Abschluss der Qualifikationsrunde wies der FCZ nach 18 Partien ein Torverhältnis von 102:8 auf. In der Finalrunde stehen nach vier Spielen bereits wieder 23:1-Tore zu Buche. Astronomisch.

Noch kein Tor gegen Zürich

Kommt hinzu, dass Basel gegen den FCZ in dieser Saison in drei Begegnungen (0:2, 0:6, 0:1) noch kein Tor gelang. «Aber», sagt Cheftrainer Beat Naldi, «wir konnten beim 0:1 Ende April ein deutliches Ausrufezeichen setzen.» Naldi geht gar noch einen Schritt weiter und sagt kämpferisch: «Die Chancen stehen 50:50. Wenn alles zusammenpasst, ist die Überraschung möglich.» Überhaupt scheint sich die Basler Mannschaft in den letzten Wochen immer besser gefunden zu haben. Nach dem 4. Platz zum Ende der Qualifikation spielte man sich in der Finalrunde auf den 2. Rang. «Nach den Anlaufschwierigkeiten mit dem Trainerwechsel scheint sich die Mannschaft nun definitiv gefunden zu haben», sagt Marisa Brunner, die zusammen mit Beat Naldi die Mannschaft auf diese Saison hin übernommen hat. «Die Mischung stimmt. Wenn wir defensiv stark auftreten, können wir jeden Gegner vor Probleme stellen – auch Zürich», gibt sich auch Maya Hügin selbstsicher.

Kontakt mit Streller und Co.

Die Aufbruchstimmung geht auch am «grossen» FCB nicht spurlos vorbei. Viele Spieler halten nach ihren Trainings an, schauen spontan beim Frauen-Training zu. Highlight war die gemeinsame Weihnachtsfeier beider Elite-Teams. «Man spürt, dass etwas entsteht», sagt Naldi.

Der Favorit hat Respekt

Dessen ist sich auch der morgige Finalgegner bewusst. Nie würde man die Baslerinnen unterschätzen, auch wenn die Rollen noch so klar verteilt scheinen. «Basel hatte gegen uns zuletzt gute Chancen, ausserdem ist es immer schwierig, gegen den FCB Tore zu schiessen», zollt FCZ-Trainer Dorjee Tsawa dem Konkurrenten Respekt.

Keine Frage, die kleine Schwester eifert immer mehr dem grossen Bruder nach. Der diente in den letzten Jahren ja auch als gutes Vorbild.