Tennis

Wie ein Tennisverein aus dem Gundeli die Schweiz erobert

Der Basler Lawn Tennis Club verfügt über ambitionierte Nachwuchsspieler.

Der Basler Lawn Tennis Club verfügt über ambitionierte Nachwuchsspieler.

Die Junioren des Basler Lawn Tennis Club sorgen national für Aufsehen. Im Oktober gewannen sie den Schweizer U15-Meistertitel im Junioren-Interclub, zum bereits zweiten Mal in drei Jahren. Der Erfolg des BLTC kommt nicht überraschend.

Es ist ein Satz, der zwar nicht überrascht, aber dennoch für erfolgsverwöhnte Schweizer Tennisfans konsternierend ist. «Wir Schweizer müssen uns darauf vorbereiten, in der Zukunft bedeutend kleinere Brötchen zu backen.» Die Aussage stammt von Vito Gugolz, Juniorenobmann des Basler Lawn Tennis Club, kurz BLTC, und Leiter seiner eigenen Tennisschule.

«Ohne Roger Federer und Stan Wawrinka sind wir im Davis Cup nirgends. Ich bezweifle, dass sich das in absehbarer Zukunft ändert», ergänzt der ehemalige Betreuer der ehemaligen Spitzenspielerin Patty Schnyder. Gugolz ist jedoch weit davon entfernt, sich dem Trübsal hinzugeben. Seine Schützlinge gewannen im Oktober den Schweizer U15-Meistertitel im Junioren-Interclub, zum bereits zweiten Mal in drei Jahren. Es ist gewiss noch zu früh, um von diesem Triumph auf einen nächsten Tennisstar zu schliessen. Trotzdem ist es ein deutliches Zeichen, dass die Sportart Tennis in der Nordwestschweiz nicht auf der Krankenstation liegt, sondern eifrig versucht wird, den nächsten Weltstar hervorzubringen.

Die U15-Junioren des BLTC sind in diesem Jahr die Besten der Schweiz in ihrer Alterskategorie.

Die U15-Junioren des BLTC sind in diesem Jahr die Besten der Schweiz in ihrer Alterskategorie.

Dass der BLTC die Früchte seiner Arbeit erntet, kommt nicht von ungefähr. Nebst dem Juniorentitel stieg eine Juniorenmannschaft im vergangenen Sommer bei den Aktiven in die dritthöchste Spielklasse - die Nationalliga C - auf. «Wir werden dort vermutlich die Mannschaft mit dem jüngsten Durchschnittsalter der ganzen Schweiz stellen», mutmasst Peter Odenheimer, Präsident des BLTC.

Ein "armer Schlucker" hat keine Chance

Der Verein aus dem Gundeli profitiert von zahlreichen Junioren, die beinahe gleichaltrig sind und ein ähnliches Spielniveau aufweisen. «Wir pushen uns jeden Tag gegenseitig und wollen besser sein als die anderen. Das macht uns als Mannschaft stark», sagt Georg Stettler, einer der hoffnungsreichsten Junioren des Vereins. Der Konkurrenzkampf ist zusammen mit einer funktionierenden Infrastruktur und einem breiten Trainerteam ein Hauptgrund für den anhaltenden Erfolg des BLTC-Nachwuchses.

Trotzdem: Der Weg bis zum Tennisprofi ist steinig – besonders auch finanziell. «Man darf nicht das Gefühl haben, dass man einem armen Schlucker in der Schweiz eine Tenniskarriere anbieten kann», sagt Gugolz.

Geld hin oder her, schlussendlich entscheidet es sich auf dem Tennisplatz, ob der Schritt zum Profi realistisch ist oder nicht. Vor allem muss der Kopf mitspielen. «Das Leben auf der Tennistour ist ein Zirkus. Da muss man aus dem richtigen Holz geschnitzt sein», erklärt Gugolz. Langzeitprognosen sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht zielführend, zu viel kann sich jeweils in kurzer Zeit bei den hoffnungsreichen Junioren ändern, sowohl im positiven als auch im negativen Sinn. «Einen Marc Rosset hatte Swiss Tennis früher weniger auf dem Radar, andere Spieler galten als talentierter. Schlussendlich wurde Rosset Olympiasieger», sagt Gugolz. Auch deswegen will sich der Tennistrainer bei seinen Schützlingen noch nicht aufs Glatteis wagen.

Lieber Verwurzelung statt teure Auswärtige

Aufs Glatteis wagt sich der BLTC auch finanziell nicht. Man werde die eigene Mannschaft nie mit fremden Profis, die «eine Stange Geld» kosten, verstärken. «Was hat der Verein davon, wenn ein halbes Dutzend auswärtiger Spieler einen Pokal für uns gewinnt?», fragt Odenheimer. Ihm ist viel lieber, wenn eigene Spieler, die im Verein verwurzelt sind, auf den Schweizer Tennisplätzen für Furore sorgen.

Ihren Schweizer Meistertitel werden die jungen Hoffnungsträger des BLTC jedoch nicht verteidigen. Vom Alter her wäre das für die 15 bis 16-jährigen zwar noch zwei bis drei Jahre möglich, doch sie sind schlicht zu gut. Am Juniorenwettbewerb sind nur Klassierungswerte von R4 und niedriger zugelassen. Diesen Wert wollen alle im nächsten Jahr überbieten.

Die Nachwuchshoffnungen des BLTC sehen die Zukunft des Schweizer Tennis sowieso nicht gefährdet, unabhängig davon, ob sie es in die Weltelite schaffen oder nicht. «Es hat brutal viel gute Junioren in unserem Land. Ich denke, dass wir in den nächsten zehn Jahren wieder einen Schweizer Spieler haben werden, der in den Top 10 der Welt ist», sagt Georg Stettler. Anders als sein Trainer glaubt er nicht, dass die Schweiz in Zukunft kleinere Tennisbälle backen muss.

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