Durch Zufall entdeckte Jessica Preiss ihre Faszination fürs Crossfit. Durchs Crossfit kam sie mit dem Gewichtheben in Kontakt. Und dank hartem Training schaffte es die 24-jährige Baslerin an die Universiade in Taipeh.

Doch angefangen hat alles vor vier Jahren in Basel. Damals nahm ihr Freund sie an einen «Bring a friend day» des CrossFit Basel mit. Am Schluss dieses «Schnuppertags» gab es einen kleinen Wettkampf unter all den Neulingen.

Die Basler Crossfitterin und Gewichtheberin Jessica Preiss in Aktion

Die Basler Crossfitterin und Gewichtheberin Jessica Preiss in Aktion

Preiss wurde Erste und gewann ein Halbjahresabo für ein Training pro Woche. Und da hat es sie gepackt. Nach einiger Zeit erhöhte sie ihr Pensum auf zwei, später auf drei Trainings pro Woche. Das ging so weiter, bis sie schliesslich selbst Coach im CrossFit Basel wurde und beinahe jeden Tag im Studio anzutreffen war.

Drei Schweizer Meistertitel und alle Landesrekorde

Mittlerweile nimmt Preiss vier bis fünf Mal im Jahr an internationalen Wettkämpfen teil. Daneben hat sie sich aufs Gewichtheben fokussiert. In der Kategorie –53 kg wurde sie bisher dreimal Schweizer Meisterin und hält sämtliche Landesrekorde. Als Highlight nahm sie vor zwei Wochen an der Universiade im taiwanischen Taipeh teil.

Doch wie kommt eine Crossfitterin dazu, an so einem Grossanlass im Gewichtheben dabei zu sein? «Das Gewichtheben ist ein wichtiger Bestandteil des Crossfits. Etwa drei von zehn Trainingseinheiten sind in dieser Disziplin», erläutert Preiss. Zudem müsse man an den Crossfit-Wettkämpfen mit immer schwereren Gewichten hantieren. Dafür braucht man neben viel Kraft auch eine gute Technik.

Regiosportpotrait mit Jessica Preiss, die an der Universiade teilgenommen hat

Crossfitterin und Gewichtheberin Jessica Preiss: «Der Sport ist zwar mehr als ein Hobby für mich, aber zum Beruf wird er nie werden. Ich verdiene damit kein Geld.»

Regiosportpotrait mit Jessica Preiss, die an der Universiade teilgenommen hat

Aus diesem Grund werden im CrossFit Basel sogenannte «Oly-Stunden» angeboten, wo das Olympische Gewichtheben trainiert wird. Dort ging Jessica Preiss fortan hin, auch, weil das Gewichtheben für sie eine Schwäche war.

Und ihr Talent wurde schnell erkannt: «Mein Trainer hat bald einmal gesagt, dass ich die Schweizer Rekorde knacken kann und hat mich sogleich für einen Wettkampf angemeldet.»

Mit neuen Rekorden an die EM?

Zu Beginn hatte sie dabei allerdings noch Mühe: «Ich war vor den Wettkämpfen jeweils sehr nervös. Du stehst da vorne auf dem Podium und alle Leute schauen dich an, das war ich mir nicht gewohnt.»

Mit der Zeit hat sich diese Nervosität aber gelegt und Preiss war erfolgreich. Heute hält sie die Schweizer Rekorde im Reissen (64 kg), Stossen (77 kg) und im Zweikampf (Reissen und Stossen zusammengerechnet/140 kg). An der Universiade belegte sie, mit kumulierten 137 kg, den starken 14. Rang.

Die Universiade war aber erst ein Zwischenziel, nun will sich Preiss für die Europameisterschaften im kommenden Jahr in der Türkei qualifizieren. Dazu braucht sie sowohl im Reissen (65 kg) als auch im Stossen (80 kg) neue Bestleistungen. «An einem guten Tag ist das sicher möglich. Es muss aber alles passen», so Preiss.

Teilnahme an Olympia ist nicht realistisch

Und danach? Weiter an die Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele? «Nein», sagt die Baslerin, «für die Olympischen Spiele müssten wir als Nation bei internationalen Wettkämpfe viele Punkte holen. Und selbst dann kann höchstens jemand von uns dorthin.»

Deshalb konzentriere sie sich lieber auf die EM. Erst einmal für 2018 qualifizieren und dann vielleicht ein Jahr später nachdoppeln und sich verbessern, so der Fahrplan.

Überhaupt, bei aller Liebe zum Gewichtheben, bleibt das Crossfit der Nummer-eins-Sport für Jessica Preiss: «Darauf lege ich sicher auch weiterhin meinen Fokus.» Doch was macht die Faszination Crossfit aus? «Das Training ist sehr abwechslungsreich, man braucht Kraft, Ausdauer, Koordination, Agilität und vieles mehr», erklärt Preiss ihre Passion. «Auch die Wettkämpfe sind immer anders. Von Schlittenstossen über Schwimmen oder Steinstossen kann alles kommen.»

Qualifikation per Videoaufnahme

Speziell an diesen Wettkämpfen ist auch, dass die Athleten meist nicht wissen, was sie erwartet: «Manchmal erhalten wir eine Woche im Voraus über einzelne Disziplinen Bescheid, teilweise erfährt man sie erst vor Ort», erzählt Preiss.

Auch die Qualifikation erfolgt auf aussergewöhnliche Art: «Es werden drei bis vier Workouts vorgegeben, die man im eigenen Studio ausübt und filmt. Dieser Film wird dann eingesendet und von einer Jury ausgewertet.» Nur die Besten erhalten eine Wettkampf-Einladung.

Kein Verdienst im Sport möglich

Wie lange Jessica Preiss den Sport noch in diesem Ausmass ausübt, ist allerdings fraglich. Sie befindet sich aktuell im letzten Master-Jahr ihres Sportstudiums. Danach beginnt sie zu arbeiten – am liebsten etwas Richtung Sportmanagement. Zeit für so viel Training bleibt dann nicht mehr.

Zumal sie mit dem Sport nichts verdient. Die Reise zur Universiade wurde von der Uni Basel, dem Gewichtheberverband und dem Hochschulsportverband übernommen. Ansonsten muss Preiss für ihre Wettkämpfe stets selbst aufkommen. «Der Sport ist zwar mehr als ein Hobby für mich, aber zum Beruf wird er nie werden. Ich verdiene damit kein Geld», ist sie sich bewusst.

Als Freizeitbeschäftigung wird sie dem Crossfit aber treubleiben. Zumindest, solange es ihr Spass macht. «Wenn ich keine Freude mehr daran habe und auch nichts verdiene, höre ich auf.» Davon ist sie aktuell aber noch weit entfernt.