Generalversammlung

Wie sehr muss sich FCB-Präsident Bernhard Burgener heute erklären? – Gesprächsstoff gibt es genug

Bernhard Burgener wird heute einiges klären müssen.

Bernhard Burgener wird heute einiges klären müssen.

Vor einem Jahr schockten die FCB-Mitglieder Präsident Bernhard Burgener mit der Nicht-Wahl von Jean-Paul Brigger. Aber auch nach dessen Rücktritt gibt es genügend Themen, die an der heutigen, 124. Generalversammlung des FC Basel für Gesprächsstoff sorgen könnte. Burgener wird einiges klären müssen.

Vor knapp einem Jahr schockten die FCB-Vereinsmitglieder ihren kurz zuvor ins Amt gewählten Präsidenten Bernhard Burgener mit der Nicht-Wahl von Jean-Paul Brigger in den Vereinsvorstand. «Ich bin erschüttert», sagte Burgener zu diesem Misstrauensvotum. Erst einen Tag vor der 123. Generalversammlung teilte der FC Basel mit, dass Brigger der neue starke Mann im Klub werden solle. Der Mann, der den FCB gegen innen und aussen vertritt, quasi der Stellvertreter des Präsidenten. Denn Burgener wollte damals und will auch in Zukunft im Hintergrund agieren.

«Der Brigger-Schock» (so titelte damals die bz) sass. Und so ergriff Burgener damals das Mikrophon ehe die Mitglieder darüber abstimmen sollten, ob der Vereinsdelegierte für die Wahl von Brigger in den Verwaltungsrat stimmen soll. Die Stimmung kippte, Brigger erhielt ein klares absolutes Mehr. Allerdings hätten sie Brigger auch mit einem Nein nicht verhindern können, denn Burgener ist im Besitz von mehr als 90 Prozent der Aktien (und kann daher faktisch allein bestimmen), hätte den Walliser Funktionär also problemlos ins Amt hieven können.  

Die Klubführung sprach im Anschluss an die GV davon, dass Brigger sich das Vertrauen erarbeiten müsse. An dieser Aufgabe ist er grandios gescheitert. Er hat keine Spuren hinterlassen im Klub, bis zum Schluss war nicht wirklich klar, was genau Brigger macht. Seine internationalen Kontakte schienen das einzige, was für den FCB interessant sein könnte. Aber die angedachte Zusammenarbeit mit dem FC Barcelona geht nicht auf ihn zurück, sondern vor allem auf Kaderplaner Remo Gaugler. Öffentlich trat er kaum je in Erscheinung. Die Konsequenz: Brigger und der FCB gehen getrennte Wege – das ist seit letzten Freitagabend bekannt. 

Brigger soll nicht ersetzt werden

Ob der Walliser tatsächlich freiwillig ging, wie der FCB in seiner Mitteilung glaubhaft machen will, spielt letztlich keine Rolle. Brigger ist weg. Entmachtet war er schon zuvor. Im April kriegte er Roland Heri als COO (Chief Operating Officer) vor die Nase gesetzt. Zwar führte man Heri im Organigramm unter Brigger auf, aber faktisch machte man ihn damit noch überflüssiger als er vermutlich von Beginn an war. Heri also wurde zum starken Mann im Verein. Jetzt fragt sich bloss noch, ob er neu auch in den Verwaltungsrat der Holding gewählt wird, wie das bei Brigger der Fall war. Und ob man ihn auch im Verein zur Wahl vorschlägt.

Wie überflüssig Brigger war, zeigt sich auch darin, dass Burgener ihn offenbar vorerst nicht ersetzen will. Bei einem Menschen, der eine wichtige Funktion in einer Organisation einnimmt, zum Beispiel einem Trainer, wäre das undenkbar.

Was passiert mit den Rückstellungen?

Ob nun Heri zur Wahl in den Vereinsvorstand vorgeschlagen wird oder nicht, die FCB-Mitglieder werden Burgener kaum mehr einen personellen Denkzettel verpassen. Anlass zu Diskussionen dürfte allerdings das oft kritisierte Engagement im Bereich E-Sports geben. So erfolgreich der FCB dort agiert, so zukunftsträchtig die Aktivität neutral betrachtet auch scheint, den Fans ist sie ein Dorn im Auge. Allerdings ist fraglich, wie sehr sie darauf Einfluss nehmen können. Denn Burgener – das hat er unmissverständlich klargemacht – will daran festhalten.

Ausserdem dürfte die Fans interessieren, wie der Präsident gedenkt vorzugehen, sollte im Jahr 2018 ein satter Gewinn erwirtschaftet werden. Denn um im abgelaufenen Geschäftsjahr einen kleinen Gewinn von einer halben Million Franken ausweisen zu können, hat Burgener die Rückstellungen für anstehende Transfers, die Reserven des Klubs bemüht. Denn mit den bisher getätigten Transfers von Manuel Akanji und Renato Steffen sind die Aussichten auf ein erfreuliches Geschäftsergebnis 2018 gut. Und Burgener hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er einen Teil des Gewinns in Form von Dividenden ausschütten will. Fragt sich also, ob er zuerst die Reserven wieder aufstocken wird, ehe er selbst und die anderen Aktionären von der erfolgreichen Champions-League-Kampagne und den daraus resultierenden Millionen-Transfers profitieren. ​

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