Wenn sich Nadal und Federer duellieren, dann stehen häufig beide meterweit hinter der Grundlinie. Bei Pádel ist das nicht möglich, denn dort, wo beim Tennis die Grundlinie ist, steht eine meterhohe Glaswand. Auch seitlich ist das Spielfeld eingepfercht – wobei die Wände – wie beim Squash – ins Spiel mit einbezogen werden können. Und trotzdem erinnert die vor allem in Spanien und Südamerika populäre Sportart am ehesten an Tennis. Es ist einfach viel enger, die Ballwechsel sind schneller – wie ein Tennismatch im Boxring. Oder «Tennis mit Mario-Kart-Ästhetik», wie der «Tages-Anzeiger» kürzlich einen Artikel zur Trendsportart passend titelte.

Thomas Keller gehört zu den Initianten der ersten Pádel-Halle der Stadt. Sie steht im Lysbüchel-Areal in der ehemaligen Lastwagenhalle des Coop-Verteilzentrums. Während das Gebäude die besten Jahre hinter sich hat, bildet der professionelle Court mit heller Scheinwerferbeleuchtung den grösstmöglichen Kontrast dazu. Keller sagt: «Wir haben die Anlage von einem spanischen Hersteller gekauft und auch aufbauen lassen. Sie ist transportabel, was wichtig ist, weil wir die Halle nur zwischennutzen können.»

Er selbst hat Pádel in Argentinien kennen gelernt und wollte unbedingt auch in Basel spielen. Nur fehlte eine Halle. «Ein erstes Spielfeld haben wir selbst gebaut mit Holzbrettern», sagt er, der Präsident eines Klubs mit rund 200 Mitgliedern ist. Wobei er klarstellt: «Wir leben radikale Offenheit, das heisst, jedes Mitglied kann frei über die Halle und Infrastruktur verfügen.»

Die ersten Pádel Basel Open

Diese Offenheit war es auch, die zum ersten «Pádel Basel Open» führte. Denn die Idee kam von Klubmitglied Philipp D’Alfonso, 24 Spieler haben sich angemeldet. «Das Niveau im Klub hat sich stark verbessert und es haben sich auch Spieler angemeldet, von denen wir nicht genau wissen, wie gut sie sind», sagt der Initiant. Doch das Sportliche sei wie immer beim Pádel-Club Basel nur einer von mehreren Aspekten. «Es wird einen Kühlschrank mit Getränken haben und Musik und nette Menschen, das ist alles genauso wichtig wie der Sieg», sagt D’Alfonso. Auch wenn spontane Anmeldungen nicht mehr möglich sind, seien alle herzlich willkommen. Es wird auch ein kleines Tischtennis-Turnier geben und natürlich spannende Pádel-Spiele – wobei die Finals auf Sonntag ab 16 Uhr angesetzt sind.

Doch eine entscheidende Frage bleibt noch: Macht Pádel Spass? Um diese Fragen zu beantworten, hat sich ein kleines, aber feines bz-Team auf Recherche-Besuch ins Lysbüchel-Areal begeben. Probieren geht hier für einmal wirklich über studieren und vorher Youtube-Videos der spektakulärsten Ballwechsel zu schauen, hätte eher abgeschreckt als motiviert (wobei: «Los 7 Puntazos del año en el Circuito Masculino World Padel Tour 2017» lohnt sich schon, die Spieler verlassen teilweise sogar das Spielfeld, um besonders fies geschlagene Bälle zu retten).

So schön ist Pádel:

Offene Schnupper-Trainings

Bei den ersten Ballwechseln mit Präsident Keller und Turnierorganisator D’Alfonso zeigt sich rasch eine der Stärken dieser Sportart: Der Einstieg gelingt rasch. Die Hauptschwierigkeit war, in der Hitze des Gefechts die Ruhe zu bewahren und dennoch blitzschnell abzuwägen, wie ein Ball am besten zu schlagen ist. Denn anders als beim Tennis hat man bei den meisten Schlägen mehr als eine Option: Direktabnahme oder zunächst an der Wand abprallen lassen? Ein direkter Schlag ins gegnerische Feld oder doch fies via Bande? Und weil das Spiel immer zwei gegen zwei gespielt wird: Wer nimmt den Ball, du oder ich?

Der zweite positive Punkt: Die Lernkurve ist steil, schon beim Stand von 4:2 (gezählt wird wie beim Tennis) wurden die Ballwechsel länger und die Angriffe ausgeklügelter. Im Tiebreak waren es dann die Nerven, die den kleinen Unterschied ausmachten – der Verfasser dieser Zeilen behält sich das Recht vor, sämtliche weiteren Angaben dazu zu verschweigen. Und sowieso: Weil Probieren, wie gesagt, dem Studieren vorzuziehen ist, bietet sich jeweils am Dienstagabend die Möglichkeit, selbst Pádel-Luft zu schnuppern. Dann führ der Basler Klub jeweils offene Spielabende durch, an denen auch Anfänger willkommen sind. Wobei: So ein bisschen Youtube vorher ... Wieso eigentlich nicht?