Haben Sie zum Saisonbeginn auch als Routinier mit 20-jähriger Wettkampferfahrung noch Lampenfieber?

Andreas Henzer: Ich und meine Schwingerkollegen haben bereits drei Feste hinter uns: zwei Hallenschwinget und eines im Freien. Verloren habe ich noch keinen Gang; ich habe nichts Neues angefangen. Wir werden sehen. Die Jungen drücken. Ich nehme es am Samstag, wie es kommt.

Wer sind Ihre stärksten Gegner in Oberdorf?

Der «Eidgenosse» Stalder Remo zählt zu ihnen. Hauptproblem wird sein, dass wir gegeneinander schwingen müssen. Wir trainieren dreimal wöchentlich und kennen uns in- und auswendig. So ist es für beide schwierig, den Gang zu gewinnen. Aber es ist auch schön, sich bei Ernstkämpfen mit Trainingspartnern zu messen.

Im Waldenburgertal haben Sie schon 2009 und letztes Jahr gewonnen. Treten Sie an Orten, wo Sie erfolgreich gewesen sind, besonders motiviert an?

In der Region tritt man sowieso sehr gerne an. Die organisierenden Klubs geben sich Mühe, ein anständiges Fest auf die Beine zu stellen. Deshalb ist man als Einheimischer selbstverständlich motiviert am Start – ob als Unter- oder Oberbaselbieter. In Oberdorf nehmen auch Aargauer, Solothurner und Baselstädter teil, da müssen wir Baselbieter schon dafür sorgen, dass der Ball bei uns bleibt.

Als Titelverteidiger sind Sie der Gejagte.

Genau. Aber ich mag auch anderen den Erfolg gönnen. Ich habe kein Problem damit, wenn einer meiner Klubkollegen gewinnt. Wir sind nur während eines Gangs Gegner. Im weitesten Sinn ist Schwingen ein Teamsport.

Heuer findet wieder ein Eidgenössisches Schwingfest statt. Wie stehen die Chancen, dass Sie in Estavayer-le-Lac Ende August zum sechsten Mal in Folge an dem Grossanlass teilnehmen können?

Ein Start sollte drinliegen. Der eidgenössische Kranz war immer mein Ziel, das ich noch nicht erreicht habe. Und es wird nicht einfacher.

Klappt es diesmal?

Das weisst du nie. Es braucht Können, Glück und Gesundheit. Alles muss stimmen. Ich gehe auch gern als Stütze ans «Eidgenössische» mit unserem jungen Team. Ich bringe Erfahrung mit, und wenn Jüngere Tipps brauchen, bin ich vor Ort. Dies ist mir auch wichtig.

2016 dürfte wohl Ihr letztes «Eidgenössisches» sein.

Auf jeden Fall.

Wann beenden Sie Ihre Aktivkarriere?

2018 höre ich offiziell auf – das ist für mich ganz klar. Ich hoffe nicht, dass es schon zuvor mit mir brutal bergab geht. Sonst müsste ich mir sagen: «Jetzt ist fertig.» Ich möchte nicht Zuschauer sagen hören, er hätte besser früher aufgehört. Dann hat man den Moment verpasst. Jetzt stimmt es noch für mich. In zwei Jahren organisieren wir in meinem Wohnort Schönenbuch das Basellandschaftliche Kantonalschwingfest. Das möchte ich noch bestreiten.

Dann werden Sie fast 39 sein. Erfahrung und technisches Können gehen nicht verloren, aber reicht die Athletik noch?

Das ist Kopfsache. Wenn ich mir einrede, ich sei ein alter Mann und mir mache alles weh, werde ich die Leistung nie erbringen können. Solange es geht, fühle ich mich nicht zu alt.

Frühjahrsschwinget in Oberdorf bei der Sekundarschule, Samstag, ab 11.30 Uhr, Schlussgang 16.30 Uhr.