Die nationale Rangliste im Frauenvolleyball sieht nach etwas mehr als einem Drittel der Qualifikationsphase aus wie von einem Chirurgenmesser getrennt: Oben relativ nahe beisammen sind jene vier Clubs, die wahrscheinlich die Meisterschaft unter sich ausmachen werden, nämlich Sm’Aesch Pfeffingen, TS Volley Düdingen, Kanti Schaffhausen und Viteos NUC Neuchâtel.

Danach folgen mit bereits beträchtlichem Abstand mit Lugano, Franches-Montagnes, Genève Volley und Cheseaux vier Vereine aus der lateinischen Schweiz. Erfreulich ist, dass das Team von Head Coach Andi Vollmer bei gleicher Anzahl an Matches seit Saisonstart von der Tabellenspitze grüsst, was wiederum zur Folge hatte, dass es mit intakten Chancen in den CEV Cup einstieg.

«Keine grosse Überraschung»

Dass es SMAP im Hinspiel trotz dieser Prognosen und trotz einer bis dato keineswegs optimal verlaufenden Meisterschaft der Belgierinnen eine 1:3-Niederlage einschenkte, war zwar etwas ernüchternd, aber auch «keine grosse Überraschung», wie es Andi Vollmer formulierte. Denn der VC Oudegem sei spielerisch eine starke Mannschaft, die nach verhaltenem Saisonbeginn auch langsam den Tritt wiederfindet.

In den beiden vergangenen Saisons belegte das Team aus Ostflandern hinter Serienmeister Asterix Avo aus Beveren den 2. Rang. In die neue Saison startete es zwar nicht gut, kommt nun aber mit dem Selbstvertrauen von drei Siegen in Folge nach Basel. Denn vor und nach dem 3:1-Erfolg über Sm’Aesch Pfeffingen gewannen die Belgierinnen in der Liga zuerst 3:0 gegen Charleroi und dann am Sonntag, 2. Dezember, mit 3:2 auswärts gegen Lendele.

Rang 7 ist zwar keine Platzierung, die den eigenen Ansprüchen von Oudegem entsprechen, doch Andi Vollmer kennt einen der wichtigen Gründe, weshalb dieses Team in der bisherigen Saison einige Mühe hatte: «Es erging unserem Gegner ziemlich genau wie uns, auch er musste eine weitgehend neue Mannschaft aufbauen.»

Zwei Schlüsselspielerinnen sind verletzt

Als eine Erklärung für das ungünstige Hinspiel-Ergebnis von SMAP, das Vollmer als ein «eher knappes 1:3» wertete, darf zweifellos das Fehlen zweier wichtiger Spielerinnen angeführt werden. Gewiss, die Tatsache, dass die langzeitverletzte Solenn Fabien logischerweise auch im CEV Cup nicht mittun kann, ist das Gegenteil einer Überraschung. Dass indes die amerikanische Passeuse Taylor Tashima wegen einer Art von Hirnerschütterung
die Reise nach Belgien gar nicht erst antreten konnte, war ein klarer Nachteil.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Thasimas Ersatz Annalea Maeder ein sehr wohl befriedigendes Spiel ablieferte. Doch eine amerikanische Profispielerin mit einer gewissen Erfahrung und verschiedenen Einsätzen in US-Junioren- und Youth-Nationalteam lässt sich beim besten Willen nicht mit einer 16-jährigen, noch völlig unerfahrenen Zuspielerin ersetzen, wie es Annalea Maeder ist.

Erschwerend kam hinzu, dass die Mannschaft seit dem Spiel in Düdingen vom 23. November, in dem SMAP die erste Saisonniederlage erlitt und sich Taylor ihre Kopfverletzung zugezogen hat, kaum mehr „richtige“ Trainings durchführen konnte, in denen man Annalea Maeder noch etwas mehr hätte integrieren können. «Wir brauchten die Tage zwischen Spielen und Reisen vor allem zur Regeneration», sagte Vollmer, der nun aber froh ist, «vor dem Rückspiel gegen Oudegem doch noch einige Trainings einbauen zu können.»

Mit oder ohne Taylor?

Denn für Vollmer ist es «ganz klar», dass mit dem 1:3 aus dem Hinspiel die ganze Sache noch keineswegs gelaufen sei. «Unser Ziel bleibt unverändert, diese Runde zu überstehen, und das halte ich nach wie vor für möglich und keineswegs für utopisch».

Er betonte nochmals, dass zwar das Resultat im Hinspiel enttäuschend gewesen sei, aber nicht durchs Band auch die Leistung. Um das Hinspiel-Ergebnis zu korrigieren, «sind wir», so Vollmer, «sehr auf die Unterstützung unseres Publikums angewiesen. Das kann sehr entscheidend mithelfen, einem Team die notwendigen Flügel zu verleihen.»

Ob Taylor Tashima am Mittwoch gegen die Belgierinnen wieder zur Verfügung steht, wird sich erst kurz vor Spielbeginn entscheiden. Unabhängig davon ist eine Leistungssteigerung der gesamten Mannschaft unabdingbar.

Die richtigen Schlüsse ziehen

Und dann gibt es noch einen Punkt, den Vollmer natürlich nicht selber thematisierte, der aber gleichwohl zu verhaltenem Optimismus Anlass gibt: Bereits in seiner vergangenen ersten Saison mit Sm’Aesch Pfeffingen bewies Trainer Vollmer seine herausragende Fähigkeit, das Spiel einer gegnerischen Mannschaft lesen und daraus die richtigen taktischen und personellen Schlüsse ziehen zu können. Und diese Erkenntnisse kann Vollmer mit seiner starken Kommunikationsfähigkeit auch seinen Spielerinnen plausibel machen. Genau aus diesem Grund gewann er im Vorjahr zwei Europacup-Begegnungen gegen Teams aus Osteuropa nach einer Hinspiel-Niederlage jeweils doch noch.

Zwei spannende Begegnungen

Den Volleyballfans der Region stehen damit zwei attraktive und vermutlich sehr spannende Begegnungen bevor: Am Mittwoch in der Basler St. Jakobhalle, in die man ausweichen muss, weil die Halle im Löhrenacker für den zweitwichtigsten Europacup nach der Volleyball Champions League nicht die notwendige Masse aufweist. Und am Samstag, den 8. Dezember 2018, wenn es dann wieder zurück in die vertraute Umgebung nach Aesch geht, wo um 17.00 Uhr das Spitzenspiel gegen Kanti Schaffhausen beginnt.

Bei Sm’Aesch Pfeffingen freut man sich auf guten Besuch dieser Spiele, vor allem auch am Mittwoch gegen den VC Oudegem und erlaubt sich in diesem Zusammenhang eine kleine Bemerkung: So viele Sportmannschaft aus der Region sind in diesem Winter ja international nicht mehr unterwegs, als dass man einen Europa-Cup-Auftritt der aktuell bestklassierten Schweizer Volleyballmannschaft der Frauen verpassen sollte…