Noch nie ist ein neu gegründeter Sportverein so schnell Meister geworden. Aber noch viel kürzer war die Zeit, wo sich Spieler und Anhänger am Titel erfreuen konnten. Denn am Sonntagabend, genau um 18.20 Uhr, teilte Roger Ehrler, der Klubgründer, Präsident (oder 1. Vorsitzender wie es in Deutschland korrekt heisst), Trainer, Mäzen und «Mann für alles» mittels eines E-Mail-Schreibens mit, dass «die sportlich internationale Perspektivlosigkeit mich zu einem schnellen, harten, schweren, aber logischen Entscheid zwingt.

Der RHC Friedlingen International e.V. zieht seine 1. Mannschaft mit sofortiger Wirkung aus der NLA zurück». Und Ehrler beendet seine Mitteilung mit dem Satz: «Der RHC Friedlingen wird aufgelöst». Der Titel seines Schreibens lautete übrigens «Game over, tilt!».

Der Beweggrund, warum Ehrler, der seit Jahrzehnten dem Rollhockey dient (zuerst beim RS Basel, danach – nach einer berufsbedingten Pause mit Domizilwechsel nach Fribourg und Genf – beim RSV Weil am Rhein, bevor er Friedlingen aus der Taufe hob), sein eigenes Kind so jung sterben liess, hat mit der Situation respektive dem Status des RHC Friedlingen zu tun. Beide Weiler Vereine spielen in der Schweizer Meisterschaft mit – doch international gesehen gelten sie selbstverständlich als Deutsche Klubs, die aber nicht in der 1. Bundesliga integriert sind. Auf europäischem Parkett wären sie nur spielberechtigt, wenn sie sich über den Deutschen Pokal qualifizieren würden. Dies war heuer aber nicht der Fall.

«Ein Schlag ins Gesicht»

Vor einem Jahr gründete Roger Ehrler den RHC Basel. De facto ist dies die 2. Mannschaft des RHC Friedlingen, denn in dieser Equipe spielen altgediente Akteure, Nachwuchsspieler und Aktive, welche in der 1. Mannschaft kaum oder nie zum Einsatz kommen. Der RHC Basel hat eine ordentliche Spielzeit in der NLB bestritten. Es ist auch ein offenes Geheimnis, dass Roger Ehrler in der Stadt oder Agglomeration Basel nach einer Spielhalle sucht. Denn der RHC Basel bestritt seine Partien im Rollerdrom zu Friedlingen.

Für alle kam der Entscheid überraschend. Niemand war darauf vorbereitet; auch die Spieler nicht. Einige sprachen von «einem traurigen Entscheid», andere wiederum empfanden es «nahezu als Schlag ins Gesicht». Eigentlich gibt es drei Szenarien:

Szenario 1: Roger Ehrler zieht sich, wie er dies einst (wenn auch aus beruflichen Gründen) getan hat, vom Rollhockey zurück.

Szenario 2: Der RHC Basel übernimmt die Rolle des RHC Friedlingen. Und mit der Integration einiger Friedlinger Meisterspieler wie Marcel Behnke, Jordi Camps, Philipp Leyer, Tobias Mohr, Andreas Paczia oder Sebastian Winkler würde Basel die zweitoberste Spielklasse nach Belieben dominieren und, wie Friedlingen im ersten Jahr, aufsteigen. Und wäre, bei einem allfälligen Erfolg im Schweizer Cup, international spielberechtigt. Dass die Spielstätte im Ausland liegt, ist von marginaler Bedeutung. Auch die Sporthalle Pfaffenholz liegt auf französischem Territorium und wird von Basler Sportvereinen rege benutzt. Und im Firmensport (Fussball) hatten die beiden einstigen Chemiegiganten Ciba-Geigy und Sandoz ihre Spielstätte in Huningue (Frankreich).

Szenario 3: Denkbar ist aber auch, dass Ehrler den RHC Basel, wenn er eine geeignete Spielhalle findet (favorisiert wird hier das Dreispitz-Areal), in die Stadt am Rheinknie transferiert. Eine Benutzung der bestehenden Rollsporthalle an der Nidwaldnerstrasse ist keine Option. Das Tischtuch zwischen dem RS Basel und Roger Ehrler ist seit Jahren zerschnitten. In seiner Mitteilung schreibt Ehrler nämlich: Ob dieser Entscheid den RHC Basel dynamisieren wird, bleibt in den nächsten Tagen und Wochen zu besprechen.

Aber vielleicht gibt es doch eine Kehrtwende. Denn gestern Abend spät tagte der internationale Rollhockey-Verband (CIRH). Einziges Traktandum war, ob man dem RHC Friedlingen eine Wildcard für die Champions League erteilt. Möglich, dass es nach dem unerwarteten Tod doch zu einer Wiedergeburt kommt.