1. Der Hohn der YB-Fans

Schon vor dem Spiel singen die YB-Fans genüsslich ihr «Meischter, Schwiiizer Meischter». Von FCB-Captain Marek Suchy gibt es danach einen Blumenstrauss und Gratulationen für YB-Captain Steve von Bergen. «Der Blumenstrass war genug, mehr Geschenke verteilten wir danach nicht mehr», sagte FCB-Verteidiger Michael Lang nach dem Spiel. Mit 5:1 fertigt der alte den neuen Meister ab.

Die YB-Fans aber kümmert es einen Deut. Sie «feiern» den FCB bei jeder Gelegenheit. Der wohl schmerzlichste Beitrag aus der Ecke der Berner Anhänger für die Muttenzer Kurve: Mit Wiederbeginn der Partie kurz nach 17 Uhr hissen sie ein Banner mit der Aufschrift «Mir ufem Rase – dir uf dr #Konsole». Ein Anspielung auf das (sehr erfolgreiche) Engagement des FCB im Bereich E-Sports. Die virtuellen Ambitionen der neuen Führung haben zu einer Entfremdung zwischen Klub und Fans beigetragen.

Das Transparent von Nahem.

Das Transparent von Nahem.

2. Der FCB verteidigt seine Rekorde – bis auf einen

YB war auf bestem Weg, den FCB-Punkterekord aus der letzten Saison (86 Punkte) zu knacken. Doch dazu hätten die Berner in den letzten drei Partien drei Siege gebraucht. Am Auffahrtsdonnerstag aber wird YB vom FCB mit 1:5 abgeduscht und kann nun maximal noch 84 Punkte holen. Der Torrekord aus dem Jahr 2010 (90 Tore) war schon vor dem Spiel kaum zu holen, hätten die Young Boys doch vier Treffer pro Partie gebraucht. Jetzt ist er in noch weitere Ferne gerückt. YB bräuchte elf Tore in den letzten zwei Partien. Das scheint derzeit nur für den FCB machbar.

Um das beste Torverhältnis (86:32 unter Christian Gross 2004) für sich reklamieren zu können hätte YB ein Verhältnis von plus 10 Toren aus den letzten drei Partien gebraucht, nach dem Spiel im Joggeli müssten in den letzten zwei Partien plus 14 Tore resultieren. Ein Ding der Unmöglichkeit. Die beste Rückrunde seit Super-League-Beginn 2003 (die machte der FCB 09/10, wo er 46 Punkte holte) dagegen können die Berner noch schaffen. Dazu aber brauchen sie zwei Siege aus den Spielen gegen Lugano und GC.

3. Einen Titel gibt es noch für den FCB

Der Cup-Express und der Meister-Bummler sind für den FCB abgefahren. Dennoch kann er sich diese Saison noch einen Titel sichern, auch wenn dies ein individueller und kein kollektiver ist. Albian Ajeti hat sich mit seinem Doppelpack in Pole-Position geschossen, liegt derzeit in der Liste der besten Knipser mit 15 Toren direkt vor YBs Topskorer Guillaume Hoarau (14 Tore), der gestern wirkungslos blieb.

Ajeti sagt: «Es ist immer schön, wenn man Tore schiesst und der Mannschaft helfen kann. Aber im Vordergrund steht der Sieg, der gibt Selbstvertrauen. Fünf Tore gegen den aktuellen Schweizer Meister schiesst man nicht immer. Und ja, ich würde mich freuen, wenn ich wenigstens bester Torschütze würde.» Einfach wird es nicht für ihn. Der FCB trifft in den letzten zwei Spielen auf den FCZ und den FCL, die Nummer 3 und 4 in der Super League, auch was die Defensivarbeit anbelangt. ​