Er schreit, er lacht, er kokettiert. Der junge Mann auf Court Nummer 4 ist in seinem Element. Dort unten steht einer, der die Bühne offensichtlich liebt, der ein Show-Gen besitzt und der sich seiner Wirkung auf das Publikum bewusst ist. Yoann Freysinger, 21 Jahre alt, wohnhaft in Naters, die aktuelle Weltnummer 1647 und – Sohn von Oskar Freysinger, dem SVP-Haudegen, der seinerseits auf dem politischen Parkett munter punktet.

Niederlage bei Premiere

Im Unterschied zum streitbaren Vater, der mit dem Einzug in den Walliser Staatsrat im vergangenen Jahr einen historischen Sieg landete, verlässt Yoann Freysinger das Feld in der St. Jakobshalle als Verlierer. Sein erster Auftritt an den Swiss Open in Basel endet erwartungsgemäss mit einer Niederlage. Er hadert. «Ich verliere nicht gerne.» Mit dieser Haltung befindet er sich bester Gesellschaft. In einem Interview mit Schweizer Illustrierten verriet er, dass sein Papa dann mühsam sei, wenn er, der Sohn, im Sport gegen ihn gewinne. «Er ist ein miserabler Verlierer.» Dieses Kapitel ist inzwischen erledigt. Oskar Freysinger hat wegen körperlicher Beschwerden sportlich zurückbuchstabiert. «Das ist auch besser so», versichert Yoann und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. «Er würde keinen Punkt mehr gegen mich gewinnen.»

Nicht immer einig mit dem Vater

Ihre privaten Duelle tragen die beiden vorzugsweise auf der verbalen Spielwiese aus. Yoann wählt zwar ebenfalls SVP. «Das heisst aber nicht, dass wir immer gleicher Meinung sind.» Beim Auftritt im TV-Sender Al Jazeera im Rahmen des Minarettstreits hätte er sich etwas mehr Zurückhaltung gewünscht. «Ab und zu sollte man auch ruhig sein. Die Reaktionen fielen heftig aus. Zum Glück hat er breite Schultern.» Was Yoann nicht mag, wenn er nur auf das Kind des berühmten Vaters reduziert wird. «Ich bin in manchen Sachen besser als mein Papa.» Den Platz in der Disziplin Selbstbewusstsein macht ihm tatsächlich kaum jemand streitig.

Hobby zum Beruf gemacht

Dass er im Badminton gelandet ist, verdankt er gleichwohl Vater Oskar. Er war es, der seinen Sohn durch die Halle zu hetzen begann, als dieser beim FC Sion keine Lust mehr auf Fussball verspürte und eine neue Herausforderung suchte. Das war vor fünf Jahren. Mittlerweile spielt der gelernte orthopädische Schuhmacher in der Nationalliga B und hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Yoann Freysinger arbeitet in Brig im Sportcenter. Er betreut die Rezeption, er gibt Stunden und er findet dort ideale Trainingsbedingungen vor. Die Fortschritte des Rechtshänders sind unübersehbar. Im letzten Herbst gewann er mit der Tournoi de Sierre sein erstes Eliteturnier. «Das soll erst der Anfang gewesen sein», sagt Yoann mit dem berühmt, berüchtigten freysingschen Lachen. Er meint es ernst. 2020 will er die Schweiz an den Olympischen Spielen in Tokio vertreten. Den entsprechenden Motivationsschub holt er sich im Verein: Freysinger spielt bei Olympica Brig