Fussball
Zimmermann verlässt den «unruhigen» FC Liestal

Boris Zimmermann gibt seinen Trainerjob beim FC Liestal auf, bevor er überhaupt begonnen hat. Der Verein geht nun mit dem Trainerduo Franco Miele/Roland Stalder in die Rückrunde.

Georges Küng
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Boris Zimmermann stand nur bei Liestals Cupspiel gegen Zofingen an der Seitenlinie. (Archivbild)

Boris Zimmermann stand nur bei Liestals Cupspiel gegen Zofingen an der Seitenlinie. (Archivbild)

Alexander Wagner

Es war am 5. November 2014, als Klubpräsidentin Patricia Schönenberger folgende Mitteilung auf der Homepage des FC Liestal publizierte: «Gerne informieren wir Sie darüber, dass Boris Zimmermann (45) als Trainer die 1. Mannschaft (2. Liga interregional) des FC Liestal per sofort übernehmen wird.» Der frühere Stürmer mit Vergangenheit in höheren Ligen (1. Liga) betreute die Kantonshauptstädter drei Tage später in einem Cup-Match gegen den gleichklassigen SC Zofingen, den die Baselbieter zu Hause im Stadion Gitterli mit 1:3 verloren.

Als vor zehn Tagen die Vorbereitung auf die Rückrunde begann, leitete jedoch nicht Zimmermann das Training, sondern Franco Miele, der seit Saisonbeginn jeweils Assistenz der jeweiligen Cheftrainer war. Neu dabei ist auch Roland Stalder, der bis dato die 2. Mannschaft (3. Liga) betreut hatte. Boris Zimmermann wäre nach Massimo Saracino, der bereits Anfang September 2014 entlassen worden war, und der Interims-Lösung Matthias Kretschmer der dritte Cheftrainer des FCL gewesen.

Zimmermann, der im Mai 2013 den FC Reinach als Drittligist zum Sieg im Basler Cupfinal und an die Spitze der 2. Liga regional geführt hatte, ist ein ambitionierter Trainer. Er war auch einst bei den Erstligisten Baden, Brugg, Grenchen und Laufen tätig und betreute auch die – nicht mehr existierende – Beachsoccer-Mannschaft des FC Basel.

Eine sehr persönliche Entscheidung

Den Grund, warum der designierte Trainer sein Amt de facto gar nicht angetreten hat, teilte Zimmermann der bz schriftlich mit: «Der FC Liestal ist ein sehr interessanter Verein – sowohl sportlich wie auch die Menschen, welche diesen Verein führen, leben und nach aussen ein Gesicht geben. Die jetzige, sehr spezielle Situation nach der Generalversammlung lässt eine stabile Arbeit nur sehr erschwert zu. Daher ist es eine sehr persönliche Entscheidung von mir gewesen, mein Engagement jetzt zu beenden. Es ist jetzt wichtig, dass Ruhe und Stabilität Einzug halten. Wenn diese wieder eingekehrt sind, kann ich mir alles vorstellen. Der FC Liestal ist und bleibt ein sehr interessanter Verein.»

An der brisanten Generalversammlung vom 2. Dezember 2014 lehnten die rund 100 anwesenden Klubmitglieder die Erhöhung der Mitgliederbeiträge und das Budget für die Saison 2014/15 ab. Dies hatte auch indirekt Einfluss auf die Substanz der 1. Mannschaft. Hatte Präsidentin Schönenberger vor Saisonbeginn noch die 1. Liga im Visier, steht nun der Ligaerhalt im Vordergrund. Urs Hipp, der seit Sommer als Sportchef fungiert, sagt dazu: «Bei Trainingsbeginn vor zehn Tagen konnte das Trainer-Duo 19 motivierte Spieler begrüssen.

Dazu werden zwei Ostschweizer, welche an der Universität Basel studieren, zu uns stossen. Zwei Akteure, die mit Sicherheit substanziell etwas bringen werden.» Denn es ist kein Geheimnis, dass namentlich der Abgang von Goalgarant Florian Hengel (24) die Equipe weiter geschwächt hat. Der Franzose wechselte zum ambitionierten Erstligisten FC Black Stars.

Für Neuaufbau weniger geeignet

Boris Zimmermann macht im Gespräch keinen Hehl daraus, dass «ich eher der Trainertyp bin, der eine eingespielte Mannschaft weiterentwickeln will. Für einen Neuaufbau respektive eine Neuorientierung bin ich weniger geeignet. Das heisst aber nicht, dass ich einen gesunden, stabilen und ruhigen Verein in der 3. oder 2. Liga nicht übernehmen würde. Ich verweise da auf den FC Reinach», so der Inhaber einer Firma für sanitäre Anlagen.

Das erste Testspiel verlief jedenfalls erfreulich. Gegen den Erstligisten FC Concordia schaffte Liestal ein verdientes 1:1. Möglich, dass mit den Trainern vier und fünf jene Ruhe einkehrt, die nötig sein wird, um das Fanionteam wieder in ruhige(re) Gewässer zu führen.