Er wirkt etwas gar schmächtig, der junge Mann, der an der Mustermesse Basel als jüngster FCB-Transfer präsentiert wird. Aber Luca Boller braucht auch nicht schnelle Beine oder magische Füsse, er hat schnelle Finger.

Der 22-jährige Zürcher gewann 2014 die bisher einzige Schweizer Meisterschaft im Videospiel «Fifa» – und per sofort ist er erster E-Sportler des FC Basel. Einen Tag pro Woche wird er fürs Zocken bezahlt, vier Tage arbeitet er auf seinem Beruf und bildet sich weiter.

Umtriebiger Marketingchef

Es ist das Werk von Marketingchef Martin Blaser. Der Berner verlässt den FCB in den kommenden Monaten, wird Managing Director bei Infront-Ringier. In seinen vier Jahren beim FCB war er äusserst aktiv. Catering, Hospitality, bargeldloses Zahlen, Kinder-Trainingscamps, Golfturniere, Frauen-Fussball – kaum etwas blieb, wie es war.

Und jetzt also geht Basels Online-Offensive in die nächste Runde. Blaser präsentiert den besten Fifa-Gamer des Landes. Trikot-Nummer 77, LuBo. Die vier Hauptsponsoren waren sofort angetan von der Idee.

Preisgeld in Millionenhöhe

E-Sport – das ist Zukunft. Schon heute fliessen Millionen von Sponsoren-Franken in den virtuellen Sport. Wachstum garantiert. Blaser nennt als Beispiel ein Turnier in Seattle. Preisgeld 22 Millionen Dollar. Das seines Wissens höchstdotierte Golfturnier schütte 10 Millionen aus. Das sind die Dimensionen. Allerdings sind das andere Games, Ego-Shooter, Fantasy-Spiele. Bei den Baller-Spielen will sich der FCB bewusst raushalten. Man konzentriert sich auf Fussball. Das hat die Klubführung entschieden.

Und da ist der Markt kleiner. Gerade in der Schweiz. Blaser sagt: «Wenn wir irgendwann ein Turnier veranstalten sollten mit einem Preisgeld von 15 000 bis 20 000 Franken, wären wir klar die Nummer 1.» Aber das Potenzial liegt vor allem im Bereich der Bekanntmachung, der FCB kann eine neue Zielgruppe anvisieren, Leute erreichen, die sonst nicht in Kontakt kommen mit dem Klub.

So zockt Boller im Final der virtuellen Bundesliga 14/15 in Hamburg gegen Georg Raffelt

So zockt Boller im Final der virtuellen Bundesliga 14/15 in Hamburg gegen Georg Raffelt

Fifa-Turniere gibt es schon, bald will auch der FCB solche Conventions, wie die Gamer ihre Wettbewerbe nennen, veranstalten. Aus einem Spieler könnten bald zwei oder drei werden. Boller ist erst der Anfang.

Vom Vater veräppelt

Schon als kleiner Knirps kommt er mit dem Game erstmals in Berührung. Er war fünf Jahre alt, als er den Vater beim Zocken sah. «Anfangs gab er mir einen Controller, steckte ihn aus und spielte gegen den Computer», erinnert sich der jüngste FCB-Transfer und lacht. Unterdessen ist er einer der Besten des Landes, der Vater chancenlos. Zwei Spieler haben ein ähnliches Niveau. Einer davon ist Bruno Bardelas. Er zockt für den FC St. Gallen und ist ein Freund Bollers.

Viermal in Serie spielte Boller zuletzt in der virtuellen Bundesliga. Dafür versuchen sich Jahr für Jahr über 100 000 Spieler zu qualifizieren, 20 schaffen es. Der Beste ist ein Däne, wie Boller meint, der zweimalige Weltmeister August Rosenmeier. Zocker für Paris Saint-Germain. Der Cristiano Ronaldo der Gamer.

Boller will dasselbe wie der FCB: An die Spitze.

Boller will dasselbe wie der FCB: An die Spitze.

Dann wäre Boller so etwas wie der Granit Xhaka unter den Schweizer Fifa-Spielern. Und wie für alle beim FCB gilt auch für ihn: Nur der Titel zählt. Blaser sagt: «Wenn er in zwei Jahren nicht mehr der Beste ist, dann müssen wir uns trennen – und den Besten holen.» Den gleichen Anspruch hat Boller. Er will nach ganz oben. Nicht bloss national. Dafür brauchts keine dicken Oberschenkel.