Wenn der Marktwert eines Teams exakt dessen Spielstärke wiedergäbe, wäre jetzt schon klar, dass Basel nach der Winterpause in der Europa League weiterspielt. Denn die Verhältnisse in der Champions-League-Gruppe A sind diesbezüglich eindeutig: Arsenal (Marktwert: 468,5 Millionen Euro) liegt knapp vor Paris Saint-Germain (412,65 Millionen) und diese beiden wiederum übertrumpfen den FC Basel (65,6 Millionen) und Ludogorets Rasgrad (45,1 Millionen) deutlich.

Aber so funktioniert der Fussball nicht, so funktionierte er noch nie. Es kommt nicht von ungefähr, dass Trainer und Klubverantwortliche immer wieder sagen: «Es gibt keine Kleinen im Fussball.» Oder anders gesagt: Auch die Multimillionen-Truppen aus den grossen Ligen können an einem schlechten Tag gegen einen Underdog den Kürzeren ziehen. Das hat in den letzten Jahren nicht zuletzt der FC Basel bewiesen. Gleich mehrfach – und insbesondere gegen englische Teams.

Der FC Basel und seine Vorliebe für englische Klubs

Angefangen mit der erstmaligen Champions-League-Qualifikation 2002/03 und zwei Unentschieden gegen Liverpool (1:1 auswärts, 3:3 daheim) wurde der FCB zum grossen Schrecken der Premier-League-Klubs. Gegen Manchester United schafften die Basler 2011/12 ein 3:3 in England und gewannen später mit 2:1 im Joggeli. Zwei Jahre später rangen die Rotblauen Chelsea zweimal nieder (2:1 auswärts, 1:0 daheim) und in der folgenden Saison bissen sich erneut die Reds die Zähne am FCB aus (1:0-FCB-Sieg daheim, 1:1 in Liverpool).

Das ist der Grund, warum sich viele FCB-Fans auch in dieser Saison einiges ausrechnen, gar realistische Chancen sehen, dass sich Matías Delgado & Co. für die Achtelfinals qualifizieren. Schliesslich hatte man das Glück, dass mit Arsenal – neben dem klar als schwächster Gegner einzustufenden Ludogorets – erneut ein Premier-League-Verein in die Basler Gruppe gelost wurde.

Aber Achtung, Arsenal tickt ein bisschen anders. Seit Jahren verfolgt Trainer Arsène Wenger seine ganz eigene Philosophie in London. Er lässt keinen englischen Fussball spielen. Kick and Rush hat ihm nie getaugt. Vielmehr will Wenger, dass sein Team das Spiel gestaltet, Ballbesitz statt Ball wegdreschen, kurze Pässe statt lange Bälle. Basel dürfte deutlich mehr Mühe bekunden gegen das Team rund um die ehemaligen Basler Granit Xhaka und Mohamed Elneny als etwas gegen das Chelsea unter José Mourinho.

Eher könnte der Fischer-Truppe eine Sensation gegen PSG gelingen. Die Scheichtruppe aus Frankreichs Hauptstadt muss nicht bloss den Abgang von Superstar Zlatan Ibrahimovic (zu Manchester United) verdauen, sondern ist auch damit beschäftigt, sich an die Ideen des neuen Trainer Unai Emery zu gewöhnen. So setzte es für die Pariser zum Saisonauftakt beispielsweise eine völlig unerwartete Niederlage gegen Bastia (Marktwert: 28, 1 Millionen Euro ab). Und: Der FC Basel traf letztes Jahr im Achtelfinal der Europa League auf Sevilla, damals noch unter Emery, und rang dem späteren Gewinner der Europa League wenigstens im Heimspiel ein 0:0 ab – wo sich der FCB doch ansonsten so schwertut mit Teams von der iberischen Halbinsel.

Nüchtern betrachtet, ist allerdings schon ein Punktgewinn gegen Paris eine enorme Leistung. Umso wichtiger werden also die Partien gegen Ludogorets, wenn der FC Basel das Minimalziel, europäisch zu überwintern, erreichen will. Oder wie FCB-Trainer Urs Fischer gestern sagte: «Wir haben das Ziel, uns durchzusetzen und zu gewinnen. Ein positiver Start in die Kampagne ist ungemein wichtig. Er würde uns zusätzliches Selbstvertrauen für die restlichen Spiele geben.»

In den Augen vieler Fans ist Ludogorets Kanonenfutter. Dass dem nicht so ist, beweist nicht bloss die Tatsache, dass sie fünfmal in Serie bulgarischer Meister wurden. Die Bulgaren haben auch international schon für Furore gesorgt: So bezwangen sie in der Europa League 2013/14 zweimal den PSV Eindhoven, setzten sich im Sechzehntelfinal gegen Lazio Rom durch und mussten sich letztlich erst Valencia im Achtelfinal beugen.

Bissige Bulgaren und unerwartete Wendungen

Die Basler wissen davon, sie sind gewarnt. Nicht zuletzt durch ihre bisherigen Aufeinandertreffen mit den bissigen Bulgaren. In bisher vier Partien konnte der FCB zwar dreimal gewinnen. Doch er musste 2014/15 auch eine empfindliche Niederlage in Sofia einstecken. Wegen eines «absolut ungerechtfertigten» Platzverweises» gegen Geoffroy Serey Die, wie sich Davide Callà gestern erinnerte.

Das Eintreffen des Unerwarteten, davon lässt sich der FC Basel auch heute noch aus dem Tritt bringen. Das zeigte sich nicht zuletzt gegen GC. Der Anschlusstreffer von Sigurjonsson direkt vor der Pause schockte das Team. «Wir hatten danach grosse Mühe», erinnert sich Urs Fischer. Und: «Das müssen wir in der Champions League besser machen.»

Die Entwicklung seines Teams dürfte ihn positiv stimmen. Fischer darf sich freuen. Nicht bloss, weil er mit 50 Jahren zu seinem Debüt in der Königsklasse kommt, sondern auch weil er ab jetzt endlich aus dem Vollen schöpfen, sein Luxus-Kader in drei Wettbewerben einsetzen kann. Das dürfte beim enormen internen Konkurrenzkampf ein bisschen für Entspannung sorgen.