Es ist eine harmlose Frage nach der Wechselstrategie im Spiel gegen Vitesse Arnheim, die Marcel Koller zum verbalen Frontalangriff gegen den Schweizer Fussballverband (SFV) nutzt. Ob er so lange mit den Wechseln gewartet habe, weil knapp 44 Stunden nach der Vitesse-Partie das Cupsiel gegen Zweitligist Montlingen anstehe, wollte ein Journalist wissen.

Koller bejahte, meinte, es sei eine extrem schwierige Situation für sein Team. Er müsste gegen die Amateurkicker aus der Ostschweiz Spieler einsetzen, die keine zwei Tage Pause hätten. «Das ist natürlich eine Zumutung», schloss Koller. Und man fragt sich: Ist dem wirklich so?

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass man den Teams nach einem Spiel zwei Ruhetage gewährt. In der Meisterschaft wurde diese Regel bisher nie gebrochen, wenigstens soweit sich Liga-Sprecher Philippe Guggisberg erinnern kann. Das liegt vor allem auch daran, dass die SFL die ersten neun Runden so ansetzt, dass man für Mannschaften, die sowohl in der Champions-League- wie auch in der Europa-League-Qualifikation spielen könnten, Abtauschmöglichkeiten sucht.

Cupspiel seit sechs Wochen fix

Eine ordentliche Knacknuss für Silvano Lombardo, Leiter Spielbetrieb bei der Liga. Aber als der FC Basel gegen Paok Thessaloniki ausschied, war die Anpassung des Spielkalenders bloss noch Formsache. Die Spiele des FCB wurden auf Sonntag verlegt, ein Sonntagsspiel von Mannschaften, die nicht international spielen, vorgezogen. Alles bestens.

Anders im Cup. Das Spiel sei seit rund sechs Wochen fixiert, lässt der Verband mitteilen. Auch weil man mit einem Weiterkommen der Basler in der Champions-League-Qualifikation rechnete, wurde das Spiel auf Samstag angesetzt. Es kam anders, der FCB schied am 1. August gegen Paok Thessaloniki aus und brauchte danach rund vier Tage, um ein Verschiebungsgesuch einzureichen.

Zwar fristgerecht, aber dennoch hoffnungslos. Vor allem Vorschriften der Polizei, aber auch für die angekündigten Tage eingeholte Bewilligungen, Lizenzen und TV-Aufgebote verunmöglichten eine Verschiebung, so der SFV. Hätte man das FCB-Spiel auf Sonntag geschoben, hätte auch der FCZ am Sonntag gegen Concordia spielen müssen. Und das Spiel GC - Buochs hätte auf Samstag vorverlegt werden müssen. So will es die Polizei. Das hätte für die Kleinklubs einen nicht zumutbaren Aufwand nach sich gezogen.

Ein Zeichen der Nervosität

Also spielt der FCB am Samstagabend gegen Montlingen. Koller meint einen Tag nach seiner Verbalattacke gegen den SFV: «In der Regel sind die Spieler am zweiten Tag nach einer Begegnung noch müder als am ersten. Das Verletzungsrisiko ist deshalb grösser.» Doch das lässt sich ganz einfach minimieren. Das Zauberwort heisst «durchwechseln». Denn eigentlich müsste ja selbst die U21 des FC Basel gegen die Ostschweizer problemlos gewinnen, spielt sie doch in der Promotion League, also drei Ligen höher als die St. Galler.

Noch viel einfacher muss die Aufgabe für die B-Elf sein. «Wir haben genug Qualität im Kader. Und die Ersatzspieler wollen sich auch zeigen», sagt Koller. Denn bisher haben praktisch immer die Gleichen gespielt. Frei nach dem Motto: Stammelf finden, stabilisieren, Selbstvertrauen tanken.

Debüt von Martin Hansen?

Nun dürfte Ersatzkeeper Martin Hansen zu seinem Debüt kommen, Taulant Xhaka und Zdravko Kuzmanovic könnten ihre ersten Ernstkämpfe diese Saison bestreiten, und auch Aldo Kalulu, Blas Riveros, Samuele Campo und wie sie alle heissen brennen auf einen Einsatz.
«Wir hatten nur ein einziges Training, bei dem wir mit allen Spielern arbeiten konnten», gibt Koller zu bedenken.

Er weiss nicht, ob der zweite Anzug sitzt, will er sagen. «Sie haben das Talent und die Spielintelligenz dazu, aber ob sie es auch umsetzen können, wissen wir nicht. Das Unbekannte beunruhigt den Trainer.» Koller nimmt seinen Job ernst. Auch wenn es gegen einen Zweitligisten geht. Doch sein verbaler Angriff zeigt auch: Es ist zwar ruhiger geworden in Basel, Ruhe eingekehrt ist aber noch längst nicht.