Eishockey
Zusammenschluss der Konkurrenten wird heiss diskutiert

Das heutige 1.-Liga-Derby zwischen Basel/KLH und Zunzgen-Sissach wirft die Frage der Daseinsberechtigung auf. In Zukunft werden sie vielleicht beide unter einem Teamnamen Eishockey spielen.

Michael Schenk
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Sissachs Adrian Poggio (l.) im harten Zweikampf mit Basels Louis Maillard (r.).

Sissachs Adrian Poggio (l.) im harten Zweikampf mit Basels Louis Maillard (r.).

Uwe Zinke

Nossrat Pesechkian, ein persischer Neurologe und Begründer der positiven Psychotherapie, hat einst folgende Geschichte erzählt: «Es kam ein Mann zum Propheten Elias. Ihn bewegte die Frage nach dem Himmel und Hölle. Da nahm ihn der Prophet in einen Saal mit vielen ausgemergelten Gestalten. Dort brodelte in einem Kessel eine Suppe. Jeder der Leute besass einen Löffel, der so lang war wie er selbst. Der Löffel war zu schwer und zu lang, um damit allein die Suppe zu essen. So waren die Menschen sehr hungrig und wütend. Elias sagte seinem Begleiter: «Siehst Du, das ist die Hölle.»

Sie verliessen den Saal und traten in einen anderen. Auch hier viele Menschen, ein Kessel Suppe, die riesigen Löffel. Aber die Menschen waren wohlgenährt und zufrieden. Alle hatten sich zusammengetan. Einige tauchten gemeinsam die schweren Löffel ein und fütterten die Gegenübersitzenden. Umgekehrt geschah es ebenso. Auf diese Weise wurden alle satt. Elias sagte zu seinem Begleiter: «Siehst Du, das ist der Himmel.»

Wenn sich am Samstag EHC Basel/KLH und Zunzgen-Sissach zum Derby treffen, ist das natürlich nicht die Hölle, aber doch ein Derby im Keller der 1. Liga. Beide haben die direkte Qualifikation für die Playoffs verpasst und hoffen nun auf einen der zwei verbleibenden Plätze, die in der unteren Masterround ermittelt werden.

Zu mehr als einem Playoff-Viertelfinal hat es freilich beiden seit Jahren nie mehr gereicht. Warum, fragt man sich, spannen die beiden nicht zusammen, wie in der eingangs erwähnten Geschichte, und hätten so beste Chancen, ganz an der Spitze der Liga mitzukämpfen? Am Potenzial fehlte es garantiert nicht. «Es sind Gespräche in diese Richtung im Gange», räumt Ruedi Müller, TK-Chef von Zunzgen-Sissach, ein. Und auch Daniel Baur, derzeit Interims-Headcoach der Basel Sharks aber auch Chef Technik und Ausbildung bei Basel/KLH, sagt: «Was vor zwei Jahren noch unmöglich war, ist heute gut aufgegleist. Aber wir dürfen nicht zu schnell, zu grosse Schritte erwarten.»

Die Region Basel habe, was Souveränität angeht, so ihre Eigenheiten, die es zu berücksichtigen gelte. Solche, die nicht immer a priori vom Leistungsgedanken bestimmt werden. Vorab auf Seiten von ZS aber steht man einer gemeinsamen 1.-Liga-Equipe heute offener gegenüber als noch vor zwei Jahren, als erste diesbezügliche Bemühungen seitens von Basel/KLH von ZS radikal verworfen wurden.

Was im Nachwuchsbereich seit fünf Jahren «sehr gut und effizient funktioniert», so Baur und Müller unisono, nämlich eine Kooperation auf finanzieller und sportlicher Ebene, die jedem Spieler – auch denen von Laufen und Rheinfelden – eine individuelle Förderung garantiert, ist auf Aktivstufe noch Zukunftsmusik. «Wenn es nach mir geht, darf es möglichst schnell gehen, bis es auch auf Stufe 1.Liga soweit ist», hält Müller fest. Schliesslich würde eine Spitzen-1.-Liga-Equipe wesentlich mehr Eishockey-Enthusiasmus in der Region versprühen und mehr Jugendliche zum Sport animieren, als zwei Teams, die am Tabellenende dümpeln.

«Darum geht es», sagt Baur. «Begeisterung fürs Eishockey zu wecken, am besten mit Erfolgen, und den Jungen so zu zeigen, dass sie es auch von hier aus in die Nationalliga schaffen können.» Heute gehen dem Basler Eishockey gute Nachwuchsleute nicht selten verloren, weil vermeintlich die Perspektive und Identifizierung fehlt.

Wie so oft hängt der Erfolg von solchen Verschmelzungs-Prozessen im Sport letztlich mehr von der Farbe des Dresses, dem Spielort und dem Namen des «Fusionsteams» ab. Also von emotionalen, lokalen Empfindlichkeiten; denn von rationalen Argumenten. Darum geht, solange nirgends die Not regiert, ohne Salamitaktik gar nichts. Aber die Salami ist angeschnitten. Derzeit hat die Region Basel/Baselland genug Potenzial, um zwei 1.-Liga-Teams zu bestücken. Aber sie hätte auch genug, um ein Topteam zu stellen. Dieses dürfte aber, wenn, dann frühestens übernächste Saison auflaufen.

So werden am Samstag im Derby zwischen Basel/KLH und ZS (19.30 Uhr, KEB Margarethen) auch keine Geschenke verteilt, weil jeder für sich um einen der letzten beiden Playoff-Plätze fightet.