Super League
Zwei Hälften, ein Fehler, kein Sieger: Das Duell zwischen Basel und YB endet unentschieden

Der FC Basel holt gegen YB ein 1:1. Die Basler spielen dabei lange in Überzahl, aber mit Müdigkeit in den Beinen.

Céline Feller
Drucken
Teilen
Der entscheidende Moment der Partie: Quentin Maceiras sieht seine zweite Gelbe Karte und fliegt vom Platz.

Der entscheidende Moment der Partie: Quentin Maceiras sieht seine zweite Gelbe Karte und fliegt vom Platz.

1:1 steht da ganz am Ende auf der Anzeigetafel. Ein Tor für den FC Basel, ein Tor für YB. Und somit je ein Punkt für beide Seiten. Es ist das ausgeglichene Resultat nach einem Spiel, das nur in seiner Summe ausgeglichen war. Denn die erste Hälfte, sie gehört ganz alleine YB. Und die zweite, die darf der FCB für sich beanspruchen. Und so sehr man dieses Spiel in zwei Hälften dividieren kann, so sehr gibt es auch zwei Sichtweisen, wie man den Ausgang beurteilen kann. Ist das ein Punkt, über den der FCB sich freuen kann, ja gar muss? Oder sind es zwei verlorene Zähler?

Betrachtet man nur diese 90 Minuten, darf man konstatieren, dass der FCB diese Partie für sich entscheiden muss. Zwar kommt er in der ersten Halbzeit nie ins Spiel, wird von einem sehr dominanten, hoch stehenden und pressenden YB im Zaum gehalten. Oder wie Patrick Rahmen es sagt: «Wir mussten leiden in der ersten Halbzeit.»

Einmal mehr wird deutlich, wie sehr die Berner dem FCB vor allem physisch überlegen sind. In der 41. Minute kommt dann aber dieser Moment, nach dem man sagen muss: Der FCB muss diese Partie gewinnen. Quentin Maceiras holt seine zweite gelbe Karte. Der FCB spielt fortan in Überzahl – eine ganze Halbzeit lang. Zwar liegt der FCB zu diesem Zeitpunkt 0:1 hinten, weil Eray Cömert und Andy Pelmard in der 20. Minute schwach verteidigen.

Kräfteraubende Tage für den FCB

Aber mit einem Mann mehr muss dem FCB mehr gelingen als das Herausspielen zweier Grosschancen von Arthur Cabral in Minute 76 und 78. Aber der FCB schafft es nicht. Deshalb sind sich die Basler im Anschluss einig, dass sie einen Sieg hätten holen müssen, aber nicht verdient hätten.

Betrachtet man diese Partie aber im Kontext der letzten Wochen, dann ist dieses 1:1 gegen YB gut. Und etwas, wozu nach dem Spiel Rahmen, aber auch Fabian Frei sagt: «Damit können wir leben.» Denn was der FCB im Vorfeld absolviert, ist ein Mammut-Programm.

Die Partie vom Donnerstag gegen Hammarby steckt den Baslern verständlicherweise in den Beinen. Die Müdigkeit ist erst rausgelaufen, als der FCB Räume ob seiner Überzahl findet. Hinzu kommt, dass YB zwei Tage mehr Regenerationszeit hatte, plus letzte Woche frei. Man spürt und sieht in diesem Spiel, wo die Kraftreserven höher sind. Rahmen gibt nach dem Spiel auch zu: «Unser Tank war halb leer.»

Kritik am Schiedsrichter und an der Liga

Angesichts dessen ist dieser Punkt ein guter Lohn. 31 Punkte lag der FCB vergangene Saison hinter YB, jetzt ist man sechs Punkte vor ihnen. Die Chance, den Meister auf neun Punkte zu distanzieren, wurde zwar verpasst. Man hat aber auch keinen Boden eingebüsst. Es ist, wie so vieles in dieser Partie, eine Frage der Perspektive. Zu verdanken ist der Ausgleich der Basler einem wunderschönen Freistoss-Tor Sebastiano Espositos. Nach einem Foul an ihm zirkelt er den Ball direkt über die Mauer und in die Ecke. Ein Traumtor. Dessen sind sich alle einig.

Ebenso wie bei der Tatsache, dass die zweite gelbe Karte gegen Maceiras nie gegeben werden darf. Umso schlimmer ist der Fehlentscheid des ohnehin schwach arbitrierenden Sandro Schärer, als dass sie die ganze Partie kapital entscheidet. Oder wie YB-Coach David Wagner treffend sagt: «Unser Spiel wurde abrupt beendet. Nicht vom Gegner, sondern von der anderen Partei auf dem Feld.»

Natürlich weiss man beim FCB das Geschenk dankend anzunehmen, der Frust aber, er ist nachvollziehbar. Frust ist aber auch beim FCB spürbar. Obschon dieser vor der grössten Kulisse im Joggeli seit Dezember 2019 und einem weiteren Duell gegen YB spielt, kritisiert Rahmen die Liga, sagt: «Ich finde es fragwürdig, dieses Duell nach einer solchen Woche, in der es für beide Teams – und den Schweizer Fussball – um so viel ging, anzusetzen.»

Und er hat Recht. Man darf sich nur vorstellen, wie das Spitzenspiel, das trotz allem spannend und intensiv ist, hätte sein können. Mit einem erholten FCB und ohne Fehlentscheid gegen YB. Die Antwort auf diese Frage wird es vielleicht in drei Monaten geben, dann duellieren sich die beiden Teams das nächste Mal. Jetzt stehen erst einmal die Nati-Pause und Erholung an. Spätestens nach gestern ist das nötig.

Aktuelle Nachrichten