Wasserfahren
Zwei Senioren deklassieren die Gegner mit einer Fabelzeit

Sven Weidmann und Reto Wunderlin sind auch mit 41 Jahren noch das Mass aller Dinge. Die zwei Senioren deklassieren die Konkurrenz und führen Ryburg-Möhlin an den Heimspielen zum Schweizer Meistertitel im Paarfahren.

Andreas Fretz
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Sven Weidmann (rechts) und Reto Wunderlin werden angefeuert. afr

Sven Weidmann (rechts) und Reto Wunderlin werden angefeuert. afr

Nachdem Sven Weidmann und Reto Wunderlin die Ziellinie überquert hatten, ritt Thomas Waldmeier auf der Erfolgswelle der Glücksgefühle. Die Uhr war bei 3 Minuten und 43 Sekunden stehen geblieben. «Das ist zu 99 Prozent der Titel», freute sich Waldmeier, der Fahrchef des Wasserfahrvereins Ryburg-Möhlin. Wunderlin/Weidmann, beide 41-jährig, starten in der Kategorie der Senioren. «Doch die Zeit ist so gut, dass sich auch die Aktiven die Zähne daran ausbeissen», wusste Waldmeier.

Das eine Prozent Ungewissheit stellte alle auf eine harte, vor allem aber lange Probe. Erst 28 Stunden, nachdem Wunderlin/Weidmann aus ihrem Weidling stiegen, gingen die letzten Konkurrenten an den Start. «Mit dieser Superzeit fällt das Warten leicht», sagte Reto Wunderlin. Die Schweizer Meisterschaft im Paarfahren erstreckte sich vom frühen Samstagmorgen bis in den Sonntagnachmittag. 33 Vereine und 500 Wettkämpfer massen sich am Anlass, der nur alle drei Jahre stattfindet und vom Branchenprimus Ryburg-Möhlin durchgeführt wurde. Titel gab es in sieben Kategorien zu gewinnen, von den Veteranen bis zu den Schülern. Als Höhepunkt winkte die Krone im Teamwettbewerb, der sich aus den fünf besten Zeiten zusammensetzte.

«Der Titel im Teamwettbewerb ist uns ebenso wichtig wie jener als Paar», sagte Reto Wunderlin. Seit 27 Jahren sitzt er mit Sven Weidmann in einem Boot. Um die 50 Titel haben die beiden gemeinsam gewonnen, gelten in der Szene als Mass aller Dinge. Selbst jetzt, da sie in der Kategorie der Senioren starten. Und nach 28 Stunden mit einem Prozent Ungewissheit stand fest: Die beiden Unternehmer waren die Schnellsten. Auch ihre Teamkollegen Rolf Wunderlin und Thomas Hasler, Sieger der Aktiv-Kategorie, büssten 5,5 Sekunden auf das Powerduo ein. Die Teamwertung ging ebenfalls an Ryburg-Möhlin. Dahinter platzierten sich der AWS Birsfelden, der WFV Muttenz und Bremgarten.

Auf den Auftritt bei ihrem Heimrennen bereiteten sich Wunderlin/Weidmann einen Monat minutiös vor. In den letzten zwei Wochen trainierten sie jeden Tag. Am Wettkampftag stiegen sie bereits um 6 Uhr ins Boot, um die Muskeln auf Temperatur zu bringen. Als auf der Anzeigetafel die 3:43 aufleuchtete, wussten sie: Falls sich der Wasserstand nicht grossartig verändern sollte, reicht das zum Titel. «Die Trainings zeigten, dass Zeiten unter 3:50 sehr selten sind», sagte Sven Weidmann. Im Wettkampf blieben drei Paare unter dieser magischen Grenze. Die 3:43 waren gar ein (inoffizieller) Streckenrekord.

Nach dieser Saison werden Sven Weidmann und Reto Wunderlin erstmals in ihrer Karriere ein Jahr pausieren. Zur Freude der Konkurrenz, und «um mal ein bisschen Zeit für andere Hobbys zu haben», wie Reto Wunderlin sagt.

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