Europa League
Zwei unterschiedliche Halbzeiten: Der FC Basel gewinnt in Osijek eine Zitterpartie mit 2:1

Der FC Basel zeigt gegen den NK Osijek zwei komplett unterschiedliche Hälften. 45 Minuten lang hat das Team von Ciriaco Sforza alles unter Kontrolle und führt mit 2:0. Nach der Pause gerät der FCB aber gehörig ins Wanken und kommt nur mit Glück um einen Ausgleichstreffer herum.

Jakob Weber
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Omar Alderete luchst Peter Bockaj den Ball ab.
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Andrea Padula zeigt ein ansprechendes Debüt.
Ciriaco Sforza gibt Arthur Cabral Anweisungen.
Der Brasilianer hat den Ball im Blick.
Fabian Frei kämpft um den Ball.
Der Captain erzielt den zweiten Basler Treffer.
Valentin Stocker ist in der ersten Halbzeit der stärkste Spieler.
Ricky van Wolfswinkel schlenzt den Ball vorbei.
Der FCB jubelt über die Führung von Cabral.
Samuele Campo versucht sich durchzusetzen.
Arthur Cabral hat die erste Möglichkeit für den FCB.
Ciriaco Sforza ist vor seinem ersten Pflichtspiel guter Dinge.

Omar Alderete luchst Peter Bockaj den Ball ab.

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Kurz vor der Pause ist Ciriaco Sforza für ein paar Sekunden still. Er schaut auf den Boden und klatscht einfach nur in die Hände. Zuvor und danach ist er in der Geisterspielkulisse von Osijek öfter zu hören als der Kommentator im Fernsehen. Doch soeben hat Valentin Stocker das 2:0 für den FC Basel gegen NK Osijek erzielt, was Sforza erlaubt, etwas durchzupusten.

Nach einem schnell ausgeführten Einwurf von Silvan Widmer hatte Afimico Pululu auf Stocker abgelegt, der den Ball mit links ins kurze Eck drischt. Sforza ist die Erleichterung anzusehen, aber er verliert den Fokus auch nach dem vermeintlich vorentscheidenden 2:0 nicht. Noch vor dem Wiederanpfiff schnappt er sich Abwehrchef Eray Cömert und redet auf ihn ein. Beim Weg in die Kabine nimmt er dann zwei Minuten später Arthur Cabral in den Arm und parliert auf Spanisch mit seinem Stürmer.

Der rechtzeitig genesene Brasilianer hatte den FCB in der 18. Minute auf die Siegerstrasse geführt. Auch diesem Treffer geht eine gelungene Aktion von Pululu und Stocker zuvor. Ersterer behauptet den Ball auf dem Flügel und sticht dann bis zur Grundlinie vor. Letzterer nimmt die Hereingabe von Pululu auf und flankt massgeschneidert auf den zweiten Pfosten, wo Cabral seinen Kopf ins Getümmel wirft und so den Ball ins Tor bugsiert.

Neues offensives System, neuer Linksverteidiger

Sforzas Plan geht zu Beginn völlig auf. In den letzten 16 Tagen impfte er seinem Team im Training ein, «mutig und frech» zu sein. Neben «positiv» zwei von Sforzas Lieblingswörtern. In seinem ersten Spiel als FCB-Trainer war es aber dann der neue Chef selber, der mit einer mutigen Aufstellung voran ging. In der Defensive nominierte er überraschend Neuzugang und Europa-League-Debütant Andrea Padula. Mit zwei Stürmern, und vier offensiv ausgerichteten Mittelfeldspielern und einem 4-4-2-System überraschte er sein Gegenüber Nenad Bjelica auch taktisch.

Die beiden Trainer kennen sich aus gemeinsamen Spielerzeiten bei Kaiserslautern. Beide sind erst seit September bei ihren Klubs. Bjelica gilt in Kroatien als Mastermind. Doch in diesem Spiel ist es Sforza, der offensichtlich den besseren Matchplan hat. Zumindest in der ersten Halbzeit dominiert der FCB das Geschehen. Und die 45 sehr guten Minuten sollten am Ende auch reichen, um trotz schwacher zweiter Halbzeit am Ende als Sieger zurück in die Schweiz zu reisen.

Mit den zweiten 45 Minuten kann Sforza wirklich nicht zufrieden sein. Sein Team macht den Fehler, sich zu weit hinten rein drängen zu lassen. Osijek hat jetzt den Ball und kommt auch immer wieder gefährlich vors Tor. Jetzt ist Sforza lautstark damit beschäftigt, von aussen die Lücken im Mittelfeld zu schliessen und sein Team wieder in die gegnerische Hälfte zu führen. Doch der Kräfteverschleiss ist nicht zu übersehen. Die Kroaten befinden sich bereits seit Mitte August im Ligaalltag und bekommen Oberwasser. Der FCB zittert lange erfolgreich, kassiert aber erst einen Pfostenschuss und in der 83. Minute nach einem Freistoss von der Seite noch den Anschlusstreffer durch Majstorovic. Doch dabei bleibt es. Der FCB kämpft den Vorsprung über die Zeit und ist damit eine Runde weiter.

Jetzt folgen zwei Heimspiele innert fünf Tagen

Durch den Sieg starten Sforza und der FCB mit einem Erfolgserlebnis in die Saison. Nach dem Liga-Start gegen Vaduz am Sonntag steht am Donnerstag bereits die 3. Qualifikationsrunde in der Europa League an. Wenn der FCB dann zu Hause auf Anorthosis Famagusta aus Zypern trifft, wird Sforza an der Seitenlinie im Joggeli lautstark die Richtung vorgeben und hoffentlich in beiden Halbzeiten einen guten FCB sehen.

Das Telegramm:

Osijek - Basel 1:2 (0:2)

Stadion Gradski vrt. – Keine Zuschauer. – SR Montero (ESP). – Tore: 18. Cabral 0:1 (Stocker). 44. Stocker 0:2 (Pululu). 84. Majstorovic 1:2 (Pilj).

Osijek: Ivusic; Silva, Skoric, Majstorovic, Oliveira; Jugovic, Zaper, Kleinheisler (76. Pilj); Bockaj (81. Grgic), Erceg, Grezda (64. Mierez).

FCB: Nikolic; Widmer, Cömert, Alderete, Padula; Stocker, Campo (85. van der Werff), Frei, Pululu (70. von Moos); van Wolfswinkel; Cabral (63. Ademi).

Bemerkungen: FCB ohne Isufi, Marchand, Petretta, Xhaka und Zuffi (alle verletzt). – Verwarnungen: 39. Widmer. 49. Cabral. 69. Zaper. 75. Silva. 86. Padula. 91. Stocker.

Die Noten:

Djordje Nikolic: Note 5 Wird vor dem Spiel als Nummer 1 bestätigt. Macht in der 79. Minute Werbung in eigener Sache, als er einen Weitschuss an den Pfosten lenkt.
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Silvan Widmer: Note 4 Weil er in der ersten Halbzeit als einziger Basler zu spät kommt, sieht er Gelb. Seine Vorstösse sind zu ungenau.
Eray Cömert: Note 4 Verursacht mit einer inkonsequenten Klärungsaktion beinahe den Anschlusstreffer. Auch sonst nicht immer stilsicher.
Omar Alderete: Note 4,5 Vor der Pause noch ohne Fehl und Tadel. Danach ist er nicht mehr nah genug bei den Gegnern. So auch beim Gegentor.
Andrea Padula: Note 4,5 Sein Gegenspieler, Peter Bockaj, sei an einem guten Tag nicht zu stoppen, hiess es. Padula gelingt es zuerst. In Halbzeit 2 bekundet er aber enorm Mühe.
Valentin Stocker: Note 5,5 Die Vertragsverlängerung verleiht ihm Flügel. Legt ideal zum 1:0 auf und schiesst kurz vor der Pause den zweiten Treffer selbst.
Fabian Frei: Note 4,5 45 Minuten lang orchestriert er das Basler Spiel gekonnt und mühelos. Doch auch er verliert den Zugriff und wird passiv.
Samuele Campo: Note 3,5 Im Vergleich zu seinen Offensivkollegen fällt er ab. Auch seine Ecken finden keine Abnehmer.
Afimico Pululu: Note 5 Ist bei Weitem nicht fehlerfrei. Weil aber zwei seiner tollen Einfälle zu zwei Treffern führen, ist er einer der wichtigsten Akteure.
Ricky van Wolfswinkel: Note 4 Hat früh die Möglichkeit, auf 2:0 zu stellen, doch er scheitert am Osijek-Torhüter. Er taucht ab, als die Basler unter Druck geraten.
Arthur Cabral: Note 5 Die Ansteckung mit Corona hat seinen Torriecher nicht verschwinden lassen. Erzielt per Kopf das wichtige 1:0. Nach einer Stunde ist er platt.
Kemal Ademi: Note 4 Ersetzt Cabral in der 63. Minute. Hat nach der Einwechslung keinen Einfluss. Seine Mitspieler sind da nur noch mit Verteidigungsarbeit beschäftigt.
Julian Vonmoos: Note 4 Ersetzt Pululu in der 70. Minute. Wie Ademi erhält auch er keine Gelegenheit, sich offensiv in Szene zu setzen.
Jasper van der Werff: Note - Kommt für Campo in der 85. Minute. Eine Note gibt es dafür nicht.

Djordje Nikolic: Note 5 Wird vor dem Spiel als Nummer 1 bestätigt. Macht in der 79. Minute Werbung in eigener Sache, als er einen Weitschuss an den Pfosten lenkt.

FC Basel

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