Nachwuchsförderung
Zwischen Ambition und Spielspass: Der «Fall» Nuglar United wirft Fragen auf

Regionale Sportvereine wollen jedem Kind eine Plattform bieten. Normalerweise wird diese Grundidee auch in der Praxis problemlos angewendet. In Nuglar kam es dennoch zwischen Verein und Spieler-Vater zu einer grundlegenden Meinungsverschiedenheit.

Jonas Burch
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Alle sollen mitspielen: Regionale Klubs zeigen sich tolerant.symbolbild/key

Alle sollen mitspielen: Regionale Klubs zeigen sich tolerant.symbolbild/key

KEYSTONE

Der «Fall» Nuglar United gibt Anlass zu einer Grundsatz-Debatte zur Jugendförderung. Wie sollen «schlechtere» Spieler im Sportverein integriert werden? Hat es Platz für alle? Viele Vereine – darunter auch Nuglar United – haben diesbezüglich konstruktive Ansätze ausgearbeitet. Der Grundtenor ist bei allen Klubs, egal in welcher Sportart, derselbe: «Wir schliessen keine Spieler aufgrund ihrer sportlichen Leistungen aus unserem Verein aus.» Fünf Beispiel unterstreichen diese Philosophie.

Patrick Mendelin (Sportchef Basel Regio/Unihockey): «Der Spagat zwischen sportlichen Ambitionen und der Freude am Spiel ist nicht einfach. Wir haben das Glück, dass wir in jeder Junioren-Stufe auf viele Spieler zählen können. Deswegen stellt Basel Regio pro Stufe drei Mannschaften, abgestuft nach der individuellen Stärke der Spieler. Mit diesem Konstrukt können wir für jedes Kind eine passende Lösung anbieten. Entsprechend kam es bei uns noch nie zu Zwischenfällen wegen verärgerter Eltern. Den Entscheid von Nuglar United muss man ein Stück weit sicher auch relativieren. Es geht um grundlegende Fragen: Stört der Spieler den Trainingsbetrieb? Wie ist er im Team integriert? Was sind die sportlichen Ziele der Mannschaft?»

Simon Werthmüller (C-Junioren-Trainer Waldenburg Eagles/Unihockey): «Die Philosophie von Swiss Unihockey schreibt ganz klar vor, dass in dieser Altersstufe der Spass und nicht die Leistung im Vordergrund stehen soll. Deswegen erhält bei uns jeder Junior die Chance, zu spielen. Bis jetzt waren wir auch um jeden Spieler froh, der sich für unseren Verein entschieden hat.»

Pascal Donati (Präsident und U14-Trainer der Starwings Basel/Basketball): «Das Prinzip der Sportförderung ist sehr ähnlich mit dem der Schule. Bin ich in einem Fach zu schlecht, muss ich die Stufe wechseln. Auch wir verfolgen ein solches Konzept und stellen in den Junioren-Stufen zwei Teams. Eine Mannschaft «Inter» und eine «Regional». Während die Inter-Stufe bereits im Junioren-Bereich sportliche Ambitionen verfolgt, dient die Regional-Stufe mehr dem Breitensport und Spass. So wird niemand ausgeschlossen. Viele Kinder merken ohnehin von sich aus, wenn der Sport nichts für sie ist, und hören dann von selber auf.»

Felix Forster (Junioren-Trainer RTV Basel/Handball): «Wir könnten es uns niemals leisten, ein Kind wegzuschicken. Denn wer weiss, vielleicht engagieren sich die Junioren später selber ehrenamtlich beim Verein – als Trainer oder Funktionär. Ausserdem sind die Mitglieder-Zahlen im Handball rückläufig, da freuen wir uns über jeden Einsteiger. Mein persönliches Schlüsselerlebnis hatte ich vor ein paar Jahren. Ein 13-jähriges Mädchen stiess zu uns, sah zwar nicht sonderlich sportlich aus, aber entwickelte sich dank seinem Ehrgeiz innert vier Jahren zur Nationalspielerin. Deswegen warne ich davor, Spieler im Voraus abzustempeln.»

Werner Schmid (Präsident Sm’Aesch Pfeffingen/Volleyball): «Bei uns spielen über 100 Juniorinnen im Verein. Wie viele andere Klubs fahren wir zweigleisig. Jede Altersstufe hat zwei Teams mit unterschiedlichen Ambitionen. Solche, die dreimal wöchentlich trainieren, und andere, denen ein wöchentliches Training reicht. Wir hatten vor Jahren einen Zwischenfall und mussten eine Spielerin aus dem Verein ausschliessen. Ausschlaggebend waren damals aber Mängel in der Disziplin und nicht die sportlichen Aspekte.»