FC Basel

Zwischen Getafe, Xamax und Kältebädern: Warum die richtige Regeneration beim FCB in diesen Wochen das A und O ist

Zeit zum Durchatmen bleibt dem FCB kaum: Schon am Sonntag steht das Liga-Heimspiel gegen Xamax an.

Zeit zum Durchatmen bleibt dem FCB kaum: Schon am Sonntag steht das Liga-Heimspiel gegen Xamax an.

Der FC Basel bekommt dieser Tage die Dreifachbelastung aus Cup, Europa League und Meisterschaft zu spüren. Innerhalb von vierzehn Tagen absolviert das Team fünf Spiele. In diesen intensiven Wochen ist die richtige Regeneration zentral.

Den FC Basel zu verfolgen, ist momentan ein zeitintensives Hobby. Ganze 450 Minuten Spielzeit gilt es für den FCB-Fan vom Getafe-Hinspiel am 24. Oktober bis zum Rückspiel am 7. November in Cup, Europa League und Meisterschaft anzusehen. Siebeneinhalb Stunden – quasi ein ganzer Arbeitstag im Fan-Dienst.

Doch während der Zuschauer die Spiele bequem auf dem Sofa oder im Stadion, bewaffnet mit Bier und Bratwurst verfolgen kann, müssen die Profis auf dem Rasen sprinten, schwitzen und leiden. Dazu kommen Reisestrapazen, Trainings oder Medientermine.

«Während solch intensiver Phasen sind die Spieler am Limit. Wie schnell sie zwischen Einsätzen physisch und mental regenerieren können, ist individuell unterschiedlich», weiss Lukas Zahner. Er ist Professor für Bewegungs- und Trainingswissenschaften, arbeitet mit seinem Team mit dem FCB-Nachwuchs zusammen und kennt die Regenerationsprozesse bei Fussballern genau.

Zahner erklärt, was im Körper eines Athleten nach einem Spiel vor sich geht: «Das Glykogen, ein schnell verfügbares Kohlenhydrat, das bei hohen Muskelbelastungen genutzt wird, ist in der Muskulatur stark reduziert. Diese Energiereserven gilt es schnellstmöglich durch Kohlenhydratzufuhr aufzufüllen, um Voraussetzungen etwa für Sprints im nächsten Spiel wieder zu erlangen.»

Prof. Dr. Lukas Zahner

Prof. Dr. Lukas Zahner

Dies kann primär durch die richtige Ernährung unmittelbar nach dem Spiel erreicht werden. Auch die Einnahme von Magnesium oder Kreatin könne helfen, die Regeneration der Muskulatur zu optimieren.

Jeder einzelne Spieler erholt sich individuell

«Man kann nur schwer generelle Regeln formulieren. Alle Athleten erholen sich unterschiedlich schnell. Darauf muss der Staff Rücksicht nehmen in der Trainingsplanung», sagt Zahner. So müssen Spieler wie Fabian Frei oder Valentin Stocker, die mehr Einsatzzeit in den Knochen haben, den Fokus stärker auf die Regeneration legen, während andere noch Energie für intensivere Einheiten haben.

Edon Zhegrova spielte zuletzt nur selten - und hat darum noch Sprit im Tank.

Edon Zhegrova spielte zuletzt nur selten - und hat darum noch Sprit im Tank.

Zudem bieten die Strukturen eines Profi-Vereins eine Fülle an Methoden, auf die in englischen Wochen zurückgegriffen werden kann: «Der FCB ist ganz vorne dabei, was die Infrastruktur und die Zusammenstellung des Staffs von Athletik-Trainern über Sportwissenschaftler und Physiotherapeuten angeht.»

So werden etwa Massagen oder Kältebäder direkt nach Trainings und Spielen angewandt, um die Spieler in den oft nur drei- oder viertägigen Pausen fit zu bekommen. Trotzdem kann nicht ausschliesslich die Erholung berücksichtigt werden. «Wir haben aktuell viele Spiele in kurzer Zeit. Da kann ich den Spielern nicht einfach vierzehn Tage frei geben», sagte FCB-Trainer Marcel Koller nach dem Cup-Spiel gegen Lausanne Ouchy.

Trainiert wird trotz der Dreifachbelastung. «So lange wenig Dauerbelastungsphasen vorkommen, ist das kein Problem. Man kann den Fokus stattdessen eher auf den technisch-taktischen Bereich legen», sagt Zahner.

Die vielfältigen Ansprüche an Marcel Koller

Die Spieler laufen allerdings nicht nur Gefahr, körperlich zu ermüden. Auch psychisch ist der gedrängte Terminkalender anstrengend. «Mentale Regeneration ist genauso wichtig. Erfahrene Trainer wie Marcel Koller können das Zusammenspiel optimal einschätzen. Wenn die Mannschaft fit im Kopf ist, hungrig bleibt und ein guter Teamspirit herrscht, kann körperliche Erschöpfung teilweise kompensiert werden», weiss Zahner.

Koller kommt die Aufgabe zu, einzuschätzen, welche Spieler körperlich und mental einsatzfähig sind. Dazu muss er sich mit Spielern und Staff austauschen, Daten- und Videoanalysen durchführen und den Spielern transparent kommunizieren, warum sie manchmal eben nicht eingesetzt werden.

Dazu werden Daten wie Laktatwerte, Herzfrequenz, Muskelkraft oder Bewegungsanalysen dokumentiert, um ein möglichst vollständiges Bild über die Spieler-Fitness zu erhalten. Hinzu kommen individuelle Eindrücke des Coachs.

Marcel Koller muss dieser Tage besonders viel Daten- und Videoanalyse betreiben, um zu wissen, welche Spieler fit für einen Einsatz sind.

Marcel Koller muss dieser Tage besonders viel Daten- und Videoanalyse betreiben, um zu wissen, welche Spieler fit für einen Einsatz sind.

Gegen Ouchy überrascht Koller viele mit den wenigen Startelf-Rotationen trotz Dreifachbelastung. «Ich wusste, dass wir erfahrene Spieler brauchen, um diesen Gegner müde zu machen. Die Jungen haben es am Ende dann mit ihrem Tempo für uns gerichtet», erklärt er seinen Matchplan.

«Hinter einer Aufstellung steckt immer deutlich mehr als man denkt. Der Trainer muss enorm viel berücksichtigen. Das geht leider oft ein wenig vergessen in der Wahrnehmung», sagt Zahner.

Der FCB empfängt morgen Neuchâtel Xamax. Es ist das fünfte Spiel in 16 Tagen. Danach steht eine weitere englische Woche an, bevor es in die Länderspielpause geht. Es werden zweifellos intensive Tage für Spieler, Staff, Trainer und den Fan auf dem Sofa.

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