Basketball Cup
Die Starwings liefern sich mit dem Favoriten Fribourg einen heroischen Halbfinal-Fight und scheiden aus

Mit 68:76 verlieren die ersatzgeschwächten Starwings gegen Fribourg Olympic und müssen ihre Finalträume begraben. Gegen den dritten der Liga zeigen die Starwings vor allem einen grossen Kampfeswillen, der am Ende aber nicht belohnt wird. Das zweite Halbfinal verliert Nyon mit 72:117 gegen die Lions de Genève.

Georges Küng
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Topskorer Deondre Burns konnte seinem Team nicht zum Cup-Wunder verhelfen.

Topskorer Deondre Burns konnte seinem Team nicht zum Cup-Wunder verhelfen.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Einsatzbereit und fit waren eigentlich nur die drei amerikanischen Profispieler. Aber auch sie sind in dieser Pandamie-Saison durch Krankheit (Corona), Quarantäne (30 Tage) und Verletzungen arg gebeutelt worden. Vid Milenkovic spielte mit einem Fuss, der in etwa die Dimension eines Elefantenfusses hatte. Doch der Zürcher liess sich tapen, biss auf die Zähne und zeigte, dass man auch erst mit 25 Jahren in der Nationalliga A durchstarten kann.

Nachwuchstalent Haile Yafet (20, 205 cm) ist, wie Cheikh Sane, arg an der Hüfte lä­diert und hat weitere Blessuren – aber im Gegensatz zum senegalesischen Profi biss der Lu­zerner auf die Zähne und lieferte den Gästen mit ihren «Türmen» unter den Körben (vier Akteure über 203 Zentimeter; allesamt Profis oder Schweizer Nationalspieler) einen heroi­schen Kampf. Denn auch Davet, der sechste Mann, hatte sich im Match gegen Genf am Knie verletzt – auch er zeigte all diese Tugenden, welche diesen «Haufen Rest» auszeichnen.

Das Lazarett gegen neun Profis

Der siebte Mann bei Olympic ist Sean Barnette (USA, 34, 195), der auf eine 12-jährige Profi-Karriere in Europa zurückblicken kann. Die Antwort der Starwings? Zaïd Waibel, ein 19-jähriger Gymnasiast, der wie ein Löwe kämpfte und sich mutig mit seinen 190 Zentimetern mit der Übermacht aus der Saanestadt «prügelte». Und im vierten Viertel einen feinen Dreier warf – es war die vierte «Bombe» (Dreier) der Unterbaselbieter, sodass es nach 36 Minuten nur noch 61:66 stand. Man stelle sich vor: Das Lazarett aus Birsfelden gegen das europäi­sche Fribourg, das jeden Ausfall mit einem noch besseren Zuzug ersetzt.

Vier Profis und vier Schweizer Nationalspieler sowie der 211 Zentimeter grosse Alexander Hart (ein US-Schweizer) zitterten und mussten Blut schwitzen, um sich als Cupfinalist «feiern» zu las­sen. Der Schweizer Renommier- und Vorzeigeklub konnte dabei Dominic Morris (USA) als neunten Mann einsetzen. Bei den Starwings gibt es diesen Mann nicht mehr – oder maximal in der Person von Captain Branislav Kostic (der nach seinem Unfall an Krücken geht) oder Ilija Vranic, der wegen Hüftproblemen in dieser Saison kaum gespielt hat.

Nathan Krill wurde zum besten Akteur der Starwings gewählt.

Nathan Krill wurde zum besten Akteur der Starwings gewählt.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Die Zonenverteidigung der Starwings ärgerte Fribourg

Fribourg kam mit der 3-2-Zonenverteidigung der Birsfelder (Cheftrainer Dragan Andrejevic musste so durchspielen, um seine Spieler zu schonen, denn foulbedingte Ausfälle hätten wohl bedeutet, dass keine fünf Akteure mehr auf dem Feld gestanden wären) nicht zu­recht. Zwar liess der Favorit den Ball gut zirkulieren, doch eine Wurfquote von vier aus 26 Dreiern ist einer Mannschaft wie Fribourg Olympic unwürdig. Trainer Peter Aleksic (einst auch Nationalcoach) war «not very amused» und wir gehen davon aus, dass sein Personal nach der späten Rückkehr in die Saanestadt eventuell noch ein Straftraining zu absolvieren hatte.

In den letzten fünf Minuten liefen alle «Wings» auf dem Zahnfleisch – es waren Stolz und Trotz, Wille und Ohnmacht, welche sie auf den Beinen hielten. Und jeder Ballverlust, jeder technische Fehler und jede Unkonzentriertheit ist absolut verständlich.

Man hätte sich gewünscht, ein komplettes Starwings zu erleben. Olympic wäre noch im­mer der haushohe Favorit gewesen. Und wie sagte doch treffend ein Insider: «Hätten die Starwings nur ein Prozent des Budgets eines grossen Fussballklubs der Region (damit ist Rot-Blau gemeint) – sie würden den Schweizer Basketball dominieren.» Und Fribourg wäre nicht Finalist, sondern würde der Gastgeber sein. Schade.

Am Sonntag geht es für die «Wings» weiter. Sie gastieren in Monthey, wo Auswärtssiege kaum möglich sind. Sollte Nyon am Tag zuvor zu Hause gegen SAM Massagno (die dritte Landesgrösse) verlieren, so stehen die Starwings vorzeitig als Playoff-Teilnehmer fest.

Starwings – Fribourg Olympic 68:76 (35:37)

Sporthalle Birsfelden – 0 Zuschauer. - SR: Herbert/Pillet/Gonçalves.

Starwings: Milenkovic (9), Burns (13), Milon (16), Krill (18), Haile (2); Davet (7), Waibel (3), Pausa.

Fribourg: Mbala (5), Jackson (10), Cotture (11), Gravet (7), Krajina (12); Zinn (4), Barnette (19), Hart (2), Morris (6); Maquisse, Memishi, Schommer.

Bemerkungen: Starwings ohne Center Sane, Captain Kostic, Vranic (alle ver­letzt) und Fassnacht (Studium/unabkömmlich). - Olympic ohne Solcà (verletzt). - Viertelsresultate: 18:22, 17:15 (35:37); 15:23 (50:60) und 18:16 (68:76). - Fouls: Starwings 16, Fribourg 21. - Zu den besten Akteuren wurden Krill und Barnette (beide USA) gewählt.

Die komplette Halbfinal-Partie zum Anschauen:

YouTube / Swiss Basketball TV