Basketball
Die Osterüberraschung bleibt aus: Starwings verlieren mit erhobenem Haupt gegen den Titelfavoriten

Trotz vieler Verletzungen gelingt den Starwings gegen den ersten der Tabelle und Titelfavorit aus Genf ein Achtungserfolg. Nach der zweiwöchigen Nationalmannschaftspause verlieren die Birsfelder zu Hause aber mit 73:89.

Georges Küng
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Georgios Kefalas / KEYSTONE (Archiv)

Im Normalfall besteht ein Basket-Team aus zwölf Akteuren, welche das Matchblatt zieren. Bei den Starwings waren es noch acht Akteure; davon zwei Spieler, die im Normalfall wohl pausiert hätten, weil sie Bänderverletzungen erlitten haben. Weil nun Sane neu ausfällt (nebst den bekannten Dauerverletzten und Rücktritten), konnte Starwings-Cheftrainer Dra­gan Andrejevic auf den Ausländerpositionen keine Rotation vornehmen. Auf der Bank sass noch Rückkehrer Sébastien Davet (23) und zwei Junioren. Von diesen acht Akteuren sind sechs «Rookies», die erstmals in der Nationalliga A spielen. Nur der 24-jährige US-Profi Nathan Krill (ein Jahr in Holland) und besagter Davet sind «routiniert».

Weltauswahl und Nationalteam

Genf kam auch «nur» mit drei Ausländern. Ihr amerikanischer Center, Eric Adams (25, 203 cm) hat sich verletzt – und fällt bis zum Saisonende aus. Aber die umtriebigen Genfer, die Jahr für Jahr gut 1,5 Millionen Franken investieren, haben letzte Woche bereits alle Basket-Agenten auf diesem Plane­ten – via Social Media – avisiert, für einen guten Ersatz zu sorgen. Geld spielt kei­ne Rolle in der Calvinstadt. Man hat es einfach.

Und so präsentierten sich die Löwen, die national fast alles fressen, aber sich vor europäi­schen Vergleichen fürchten in Birsfelden: Drei hochkarätige Auslän­der und zwei Schweizer Nationalspieler. Von der Bank kamen? Vier Nationalspieler – dar­unter Israel-Rückkehrer Natan Jurkovitz, der im Monat mehr kostet als das US-Profi-Trio der Birsfelder. Der 10. Mann ist ein Franzose mit Schweizer Lizenz (Mikaël Maruotto, 30, 201 cm). Der 11. Akteur ist ein Eigenwächs, doch Mohamed Chabouh (18) kam nicht zum Einsatz, weil «der Vorsprung zu knapp war». Bei den Starwings wäre er eine Nachwuchs-Grösse.

Deondre Burns bewies, trotz einigen Aussetzern, dass er im Genfer Star-Ensemble auch eine Grösse wäre. Dieser Mann muss aber nicht zu den Les Lions de Genève wechseln – Europa wartet auf ihn. Nathan Krill hat ein irres Potenzial – doch der Mann, der in den Nie­derlanden Vizemeister wurde, schafft es nicht, konstant auf seinem Level zu spielen. Matthew Milon war, ist und bleibt ein Ärgernis – bis zur 36. Minute wies er ein «Zero» (null Punkte) auf.

Er stolperte herum, er machte technische Fehler (Schrittfehler), ballerte den Ball herum, machte stupide Fouls (drei nach 16 Minuten – und dies im Wissen, dass der Trainer keine Alternativen hat) und beim Freiwurf produzierte er einen «Airball». Die ganze Pa­lette, um ihm zu sagen: Mister Milon, ihre Mission ist beendet. Aber eigentlich ist dieser smarte College-Boy der beste Distanzwerfer der Liga.

Schweizer Jungs als Lichtblicke

Ein Lichtblick sind die Schweizer Akteure. Und die beiden Jungs, Janis Pausa (spielt übri­gens für die dänische U19-Nationalmannschaft) und Zaid Waibel (19). Yafet Haile ist ein Rohdiamant und wird langsam zum Juwel. Auch wenn Sane wieder einsatzbereit sein soll­te – der Senegalese möge bitte von der Bank aus dem Innerschweizer zusehen. Er kann von ihm zumindest Center-Bewegungen, Täuschungen und ein feines Ballgefühl «lernen». Vid Milenkovic, der mit 25 Jahren erstmals in der Nationalliga A spielt, ist die Saison-Trou­vaille schlechthin. Und zu allem Pech verletzte sich Davet in der 24. Minute und brauchte zehn Minuten, bis er wieder angeschlagen aufs Feld zurückkehrte.

Und trotzdem schaffte es «dieser letzte Rest» einer einst intakten Mannschaft, zeitweise nur mit neun bis 12 Punkten im Rückstand zu liegen. Aber das Skore ist absolut neben­sächlich und marginal. Nach dem ersten Viertel stand es 11:26 – und hätten die Genfer, die über ein grosses Selbstbewusstsein verfügen, das man auch Arroganz nennen darf, voll durchgespielt – die Niederlage hätte wohl auch 50 Punkte betragen. Oder mehr.

Nur müsste der Gast, der heuer den Liga-Pokal gewonnen hat, am Mittwoch das Halbfi­nale zu Hause gegen Nyon, den Tabellenletzten, erfolgreich bestreiten wird und sich wahr­scheinlich das Triple sichern wird, mit dem Starwings-Budget spielen und mit einer Hand­voll Akteure in der Nationalliga A spiele, sie hätten kaum eine Daseinsberechtigung in der Nationalliga B.

Am Mittwoch im Cup gegen Olympic

Am Mittwoch spielen die «Wings» ihren Halbfinal gegen den zweiten Landesgrossen (Fri­bourg Olympic) in der Sporthalle. Selbst im Vollbestand eine «Mission impossible» – jetzt, mit eventuell noch fünf Akteuren, schon eine Farce. Und dennoch haben die letzten Wo­chen gezeigt: Primäres Ziel der Starwings-Verantwortlichen muss es sein, die nationalen Akteure zu hal­ten. Alle, auch eventuelle Rückkehrer (Branislav Kostic, Ilija Vranic), haben noch Entwick­lungspotenzial und müssten einen breiten Stamm an fähigen Nationalliga-A-Akteuren bil­den. Ein Burns wird – leider – nicht zu halten sein. Krill würde man – trotz al­lem – noch­mals unter besseren Vorzeichen in Birsfelden sehen. Die Herren Milon und Sane dürfen kein Thema mehr sein. Weltweit gibt es, selbst in ihrer Preiskategorie, Zehntausende von Alternativen.

Starwings – Lions de Genève 73:89 (32:46)

Sporthalle Birsfelden. – 0 Zuschauer. – SR: Herbert/Vitalini/Gharib.

Starwings: Milenkovic (13), Burns (22), Milon (7), Krill (13), Haile (11); Davet (5), Weibel, Pausa (2).

Genève: Sabekis (7), Derksen (9), Thomas Jurkovitz, Ivanov (17), Nzege (12); Jaunin (11), Kovac (13), Natan Jurkovitz (5), Ma­ruotto, Kuba (15); Chabouh.

Bemerkungen: Starwings ohne Captain Kostic, Vranic (beide verletzt/Saisonende), Senegal-Profi Sane (Hüftprobleme) und Fasnacht (Schule/Studium). – Genève ohne US-Profi Adams (verletzt/ Saisonende). – Viertelsresultate: 11:26, 21:20 (32:46); 16:21 (48:67) und 25:22 (73:89). – Fouls: Starwings 21, Genève 22. – 24. Davet fällt verletzt aus, kehrt aber im letzten Viertel nochmals aufs Feld zurück.

Das komplette Spiel zum Anschauen:

YouTube: Swiss Basketball TV