Basketball
Die Starwings beginnen flott und enden im Elend

Die Starwings verlieren gegen den Tabellenletzten Lugano mit 67:81 (41:32). Nach dem Exploit über den BC Boncourt erleben die Birsfelder somit die Kehrseite des Basketballes. Was gegen Lugano beschwingt begonnen hatte, endete mit einer Niederlage, die ganz viele Fragen aufwirft.

Georges Küng
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Auch Thomas Rutherford konnte die Niederlage gegen Lugano nicht verhindern.

Auch Thomas Rutherford konnte die Niederlage gegen Lugano nicht verhindern.

Juri Junkov (Archiv)

Zuerst ein paar Nebenfakten: Eine Auswärtspartie unter der Woche ist immer heikel – im Basketball-Jargon sagt man, dass man da automatisch mit «minus zehn Punkten» beginnt. Die Lugano Tigers waren über drei Stunden gefahren – oder oft im Stau gestanden. Und trafen knapp 60 Minuten vor Anpfiff in der Sporthalle Birsfelden ein. Eine gute Matchvorbereitung sieht anders aus.

Drei US-Profis und viele «Ragazzi» bei Lugano

Lugano erlitt am Samstag gegen Nyon - den Prügelknaben der letzten Saison - eine 64:90-Heimniederlage. Die Mär vom «Grande Lugano» ist gestorben. Der Gast aus der Sonnen­stube der Schweiz verfügt über drei ordentliche US-Profis. Dazu kommen Routinier Bracelli und Nikola Stevanovic, der aber verletzt aus­fiel. So musste ein «Jüngling» namens Diego Togninalli, Jahrgang 2002, in der Stammfünf spielen. Von der Bank kamen No-Names mit Jahrgang 2003. Einer von diesen, ein ge­wisser Marco Matasic (19) erzielte in seinem allerersten Nationalliga-A-Spiel gleich sechs Punkte. Gewiss, all diese «ragazzi» bilden den Stamm der Schweizer U18-Nationalmann­schaft. Dennoch: Matasic hat alleine mehr Punkte erzielt als alle fünf sogenannten Starwings-Talente in drei Meisterschaftsrunden.

Nach sechs Minuten führten die «Wings» mit 22:4. Alles ging leicht, Lugano wurde dem Ruf, eventuell der diesjährige Prügelknabe zu sein, gerecht. Namentlich Devin Cooper, Captain Branislav Kostic und Thomas Rutherford skorten munter und zeigten sehr gute Bas­ket-Kost. Doch schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass Christopher Johnson maximal korrekt spielte, während Ilija Vranic einen rabenschwarzen Abend erwischte. Ihm gelang, ausser vielen Schrittfehlern und Fehlwürfen, gar nichts.

Arroganz und Überheblichkeit führen zur Blamage

Vielleicht hatte Starwings-Trainer Dragan Andrejevic das Gefühl, die Partie sei bei 22:4 entschieden und gegessen und wechselte die Bankspieler ein. Nicht einen, sondern gleich im Kollektiv. Als 7. Mann brachte er immerhin einen Dylan Schommer, der das Basket-ABC in der Akademie in Fribourg gelernt hat. Und der sich im Schweizer Fernsehen als ruandi­scher Nationalspieler präsentieren durfte. Was der Romand aber gegen Lugano zeigte, ist inakzeptabel. Seine Leistung berechtigt ihn nicht, ein Nationalliga-A-Feld zu betreten. Auch in der Natio­nalliga B wäre er kein Faktor – maximal wegen seiner Grösse (202 cm) in der 1. Liga. Dieser Zuzug ist eine Hypothek. Den «young wings» muss man den Spiegel vor Augen halten – in den «ragazzi di Lugano» haben sie Vorbilder. Obwohl um zwei, drei Jahre jün­ger war ein jeder dieser Boys in der Lage, in Begleitung von Bracelli und den drei US-Pro­fis ihren Mann zu stellen. Die «Wings»-Bankspieler verkamen zu Spielbällen der Tessiner.

Zu viele Fouls als weitere Hypothek

Ein weiteres Problem war die Foulbelastung. Obwohl die Personaldecke bei Lugano eben­so dünn ist, kamen sie nie in Foulprobleme. Weil die Akteu­re klug spielten, keine dämlichen Fouls begingen wie etwa Schommer, der drei­mal einen Luganesi beim Korb foulte und so neun Punkte verschuldete, und nie ein wil­der, unerfahrener und überforderter Haufen auf dem Feld stand.

Ab dem 4. Viertel zerlegte Lugano, das Schlusslicht, die Starwings. Ein jeder war gefrus­tet, ein jeder forcierte – und machte alles falsch, was man falsch machen kann. Auch Cooper, der zwar der Liga-Topskorer ist, aber sich mit der Mannschaft bald am Tabellen­ende sehen wird. Am Sonntag gastieren die Baselbieter in Nyon – bei einer Equipe, die gereift ist, welche jetzt drei starke Profis hat. Und vor einer Woche in Lugano mit 90:64 siegte.

Starwings – BC Lugano 67:81 (41:32)

Sporthalle Birsfelden. - 150 Zuschauer. - SR: Clivaz/Stojcev/Curty.

Starwings: Cooper (28 Punkte), Kostic (13), Johnson (6), Vranic (6), Rutherford (14); Weibel, Schommer, Fasnacht, Pausa; Babic, Schneider.

Lugano: Togninalli (2), Bracelli (6), Humphrey (20), Criswell (25), Robertson (18); Dell`acqua, Ma­tasic (6), Bernardinello (4), Mina;

Bemerkungen: Starwings ohne Davet (Bänderverletzung). - Lugano ohne Stevanovic (Fussverlet­zung). - Viertelsresultate: 24:12, 17:20 (41:32); 19:24 (60:56) und 7:25 (67:81). - Mit fünf Fouls ausgeschieden: 31. Johnson, 37. Rutherford und 38. Schommer (alle Starwings). - Fouls: Star­wings 27, Lugano 19.

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