Basketball
Die Starwings trotzen allen Widrigkeiten und gewinnen

Im ersten Heimspiel der neuen Saison 2021/22 schafften die Birsfelder einen Exploit. Als krasse Aussenseiter ins Verbands-Derby gegangen, zeigte die dezimierte Equipe von Cheftrainer Dragan Andrejevic eine Parforceleistung und dominierte die Partie von A bis Z.

Georges Küng
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Cooper Devin spielt gegen Boncourt herausragend.

Cooper Devin spielt gegen Boncourt herausragend.

Juri Junkov / bz Zeitung für die Region

Auf dem Papier war die Ausgangslage klar. Der Gast aus der Ajoie präsentierte eine Mannschaft mit vier ausländischen Profis. Dazu besitzt der charismatische Nemanja Calasan, der am 24. November 36 Jahre alt wird, seit einigen Monaten die Schweizer Staatsbürgerschaft. Der 206 Zentimeter grosse Center, in Serbien aufgewachsen und in den USA als Basketballer ausgebildet, hat bei Fribourg Olympic Titel gewonnen, drei Jahre für die Starwings gespielt und ist nun, in seiner zweiten Etappe in Boncourt, längst ein «jurassien» geworden.

Nach Matchende stand er dem Starwings TV Red und Antwort und sagte:

«Der Sieg der Starwings ist absolut verdient. Die Mannschaft zeigte eine reife Leistung, das Coaching von Dragan Andrejevic war stets top. Wir haben das erste Viertel verschlafen und schafften nie mehr den Anschluss.»

Auf die Frage, ob es nicht peinlich sei, mit vier Ausländern plus einem Neo-Schweizer gegen ein Team zu verlieren, das «nur» zwei Ausländer in den Reihen hat, lächelte Calasan milde und sagte: «Es spielen immer fünf gegen fünf. Allesamt sind Basketballer, die immer ihr Bestes geben. Manchmal mit Erfolg, manchmal hat man einen schlechteren Tag», so Calasan, der – ähnlich so manchem Rotwein – mit zunehmendem Alter besser wird.

Sébastien Davet fällt verletzt aus

Von Beginn an fanden die Starwings gut ins Spiel und führten stets mit fünf bis acht Punkten. Doch dann kam das Malheur: Sébastien Davet, der beste Schweizer Skorer in Starwings-Reihen, erlitt eine Fussverletzung, die ihn für einige Zeit vom Spielen abhalten wird. Mit Captain Branislav Kostic kam ein 6. Mann, der eine grandiose Partie lieferte. Natürlich musste die Teamstruktur geändert werden, doch mit Fortdauer der Partie blieb die neue Stammfünf nahezu konstant auf dem Feld.

Der entscheidende Wurf geht rein – kurz vor Schluss

Einen weiteren kritischen Moment hatten die Starwings zwischen der 29. und 31. Minute zu verkraften. Devin Cooper – Spielmacher, Antreiber, Passgeber, Rebounder und Skorer in Personalunion – beging innert 100 Sekunden drei Fouls, sodass Trainer Andrejevic die «Lebensversicherung»auf die Bank setzen musste.

Man könnte monieren, dass Zuzug Dylan Schommer und der US-Schweizer Christopher Johnson nicht das brachten, was man von ihnen erwartete. Gerade Johnson schien mit dem Werfen am Samstag seine Probleme zu haben. Aber der Amerikaner bringt Energie, ist ein Teamplayer und in der Defensive sehr stark. 59 Sekunden vor dem letzten Sirenenton, beim Stand von 82:75, setzte Johnson jedoch einen Dreier aus fast sieben Metern in den Korb. Mit dem 85:75 war das Spiel endgültig entschieden.

Erinnerungen an das erfolgreiche Frühjahr

Cooper und Thomas Rutherford lieferten, ebenso wie Kostic und Ilija Vranic eine superbe Partie. Nicht zu vergessen, dass Boncourt zum Auftakt Lugano mit fast 30 Punkten Unterschied vom Feld geputzt hatte. Die «neuen» Starwings erinnerten, auch den Umständen wegen – Absenzen, Ausfälle, nur zwei Profis – an jene Starwings, die von April bis Ende Mai für Unfassbares gesorgt hatten.

Dank dieser Leistung ist schon im ersten Heimspiel das «erste Wunder» geschehen. Auf die Frage, ob man Calasan vielleicht einst wieder bei den «Wings» sehen wird, meinte der Schweiz-Jurassier. «Meine Frau ist Jurassierin, ich bin im Jura Familienvater geworden, ich fühle mich in der Ajoie und beim BCB sehr, sehr wohl und glücklich. Aber auch Birsfelden und die Starwings trage ich im Herzen. Sie sind für den Schweizer Basketball seit jeher eine Bereicherung.»

Starwings – BC Boncourt 91:82 (41:31)

Sporthalle Birsfelden. - 250 Zuschauende. - SR: Tagliabue/Jeanmonod/Carr.

Starwings: Cooper (25), Johnson (7), Davet, Vranic (19), Rutherford (22); Kostic (15), Schommer (1), Weibel (2); Babic, Pausa.

Boncourt: Derek Jackson (18), Wälti (2), Brent Jackson (19), Calasan (18), Katenda (4); Juraj Ko­zic (9), Petar Kozic (5), Seylan (7), Kovac, Ricketts; Sollberger.

Bemerkungen: Starwings ohne Schneider und den U23-Akteur Fasnacht (beide indisponiert). - Boncourt komplett. - 12. Davet scheidet mit Fussverletzung aus. - Viertelsresultate: 19:12, 22:19 (41:31); 18:22 (59:53) und 32:29 (91:82). - Mit fünf Fouls ausgeschieden: 38. Brent Jackson und 39. Juray Kozic. - Fouls: Starwings 19, Boncourt 27. - Zu den besten Akteuren wurden gewählt: Cooper und … aufgerufen wurde Brent Jackson, das Geschenk holte aber Derek Jackson ab!

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