Fussball-Wochenende

Bayern Meister, aber Trainer Kovac im Ungewissen: Die Geschichten des Fussball-Wochenendes

Bierdusche für den Meistertrainer Kovac.

Urs Fischer verpasst mit Union den Direktaufstieg in die erste Bundesliga, Manchester City wird Cupsieger und bangt trotzdem. Der Schweizerische Fussballverband hat einen neuen Präsidenten.

1 Lucien Favre enttäuscht, aber nicht unzufrieden

Das Weissbier, das ihm von Arjen Robben über den Kopf geschüttet wurde, war nicht die einzige eiskalte Dusche, die Niko Kovac am Samstag über sich ergehen lassen musste. Von der Klubführung, allen voran Karl-Heinz Rummenigge, seit Wochen im Regen stehen gelassen und erniedrigt, stand der Trainer des FC Bayern auch nach dem Gewinn des 29. Meistertitels der Münchner nicht im Scheinwerferlicht.

In diesem strahlten vor allem Robben und Franck Ribéry, die den FC Bayern nach zwölf und zehn Jahren grossartiger Leistungen verlassen. Beide hatten beim 5:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt nach ihren Einwechslungen ein Tor erzielt und wurden mächtig gefeiert.

Arjen Robben stemmt die Meisterschale in die Höhe.

Arjen Robben stemmt die Meisterschale in die Höhe.

Kovac aber stand merkwürdig abseits des Geschehens und es schien irgendwie, als würde sich die Mannschaft von ihm distanzieren. Jedenfalls wurde er von ihr im Gegensatz zu früheren Trainern nicht in die Luft geworfen. Der 47-Jährige sagte zwar in einem Interview nach dem Triumph, er glaube zu wissen, dass es für ihn beim FC Bayern in der nächsten Saison weitergehe, doch seine Chefs vermochten auch an diesem Feiertag kein Bekenntnis zu ihrem Trainer abzugeben.

Natürlich, die Münchner waren in der Champions League bei ihrem Out gegen Liverpool mutlos aufgetreten und hatten im Herbst auch in der Bundesliga ihre Problemwochen, doch diesen Minuspunkten stehen eine makellose Rückrunde und der Einzug in den Cupfinal vom Samstag gegen Leipzig gegenüber.

Gegen Frankfurter, die durch eine lange Europa-League-Saison zusätzlich viel Kraft verloren hatten und förmlich auf dem Zahnfleisch liefen, liessen die Münchner nichts anbrennen. Auf den Gästeausgleich aus dem Nichts reagierten sie sofort und am Ende war die Eintracht mit dem 1:5 nicht einmal schlecht bedient.

Im Fernduell mit den Bayern tat zwar Borussia Dortmund in Mönchengladbach sein Bestes, siegte 2:0 und vermasselte dem Gegner die Qualifikation für die Champions-League, doch die Titelchancen hatten die Westfalen in anderen Partien, etwa jener gegen den schwachen FC Schalke, verspielt.

«Natürlich sind wir jetzt enttäuscht», sagte BVB-Trainer Lucien Favre, «aber mit 76 Punkten spielten wir eine gute Saison und können zufrieden sein.» Nach dem Verspielen eines Neunpunkte-Vorsprungs war auch der Schweizer in die Kritik geraten, doch im Gegensatz zu Kovac hatte Favre durch den BVB-Vorstand Rückendeckung erhalten.

2 Der VfL Bochum zwingt Union in die Relegation gegen den VfB Stuttgart

«Ich hasse Niederlagen, aber die von heute nehme ich gerne», sagte Trainer Steffen Baumgart. Trotz eines 1:3 in Dresden hatte er mit Paderborn den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Es ist der Höhepunkt eines Durchmarsches aus der dritten Liga. Und der Schlusspunkt hinter eine dramatische Saison der zweiten Liga.

Ein Tor in der fünfminütigen Nachspielzeit hätte Union Berlin in Bochum zum direkten Aufstieg genügt. Die Köpenicker von Trainer Urs Fischer hatten in Überzahl einen 0:2-Rückstand aufgeholt und gaben alles, doch es sollte trotz Unterstützung durch 7000 mitgereiste Fans nicht reichen. Fischer sagte: «Am Schluss hat etwas Wettkampfglück gefehlt.» Union kann aber noch immer aufsteigen, wenn es sich in den Spielen gegen Stuttgart durchsetzt. Am Donnerstag auswärts, am nächsten Montag in der Alten Försterei.

Union Berlin stolpert über den VFL Bochum.

Union Berlin stolpert über den VFL Bochum.

3 Meister und Torschützenkönig: Die grossartige Saison von Seferovic

Haris Seferovic hatte sich in seiner Laufbahn zu Recht den Ruf eines Wandervogels erworben. Einer, der immer dann eine «neue Herausforderung» suchte, wenn es nicht mehr lief und ihm die Zuschauerrolle drohte. Bei Benfica Lissabon aber zeigte der Mann aus Sursee ein anderes Gesicht. Obwohl in seiner ersten Saison fulminant mit drei Toren in den ersten drei Spielen gestartet, sass er ab dem zehnten Spieltag ausschliesslich auf der Ersatzbank.

Doch im Sommer 2018 lief Seferovic nicht davon, biss sich durch und wurde belohnt. Nach vier Treffern im Herbst startete er 2019 dann richtig durch, schoss sagenhafte 19 Tore und Benfica zum Titel. Aber nicht nur das: Der Nationalspieler wurde Torschützenkönig der portugiesischen Liga und wird nun von Klubs aus grossen Ligen umworben.

Der Mann aus Sursee feiert mit Benfica Lissabon den Meistertitel.

Der Mann aus Sursee feiert mit Benfica Lissabon den Meistertitel.

4 Manchester City schafft als erster englischer Verein das Triple, aber…

Eigentlich hätte die Woche nach dem Gewinn des Meistertitels für Manchester City voller Vorfreude auf den Cupfinal gegen Watford ablaufen sollen. Doch zwei Tage nach dem Triumph war bekannt geworden, dass den Skyblues von der Uefa wegen Verstössen gegen das Financial Fairplay der Ausschluss aus der Champions League droht. Mehr noch: Wegen des Vorwurfs, der Klub habe Sponsorenverträge manipuliert, leitete die Premier League eine Untersuchung ein, womit der City gar die Aberkennung des Meistertitels blüht.

Doch das Team liess sich davon nicht abhalten, den FC Watford mit 6:0 aus dem Wembley zu schiessen. Pep Guardiolas Team schaffte damit das «domestic treble.» Das war bisher noch keinem Verein in England gelungen. Captain Vincent Kompany gab derweil bekannt, er werde nun Spielertrainer (!) des RSC Anderlecht.

Manchester City feiert den dritten Titel der Saison.

Manchester City feiert den dritten Titel der Saison.

5 Die Wahl des 69-jährigen Dominique Blanc ein zwiespältiges Signal

Seit zehn Jahren ist Peter Gilliéron der Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV). Ende Juni tritt der Berner nun im Alter von 66 Jahren ab. Wohl nicht zu hundert Prozent freiwillig, denn nach den Ereignissen bei der WM 2018 in Russland mit der Doppeladler-Affäre und dem ungeschickten Verhalten des SFV war er mit heftiger Kritik eingedeckt worden. Die Wahl seines Nachfolgers Dominique Blanc – im zweiten Wahlgang gegen Kurt Zuppinger – ist indes ein zwiespältiges Signal.

Der von der Amateur-Kammer portierte Waadtländer ist zwar ein freundlicher und im Amateurfussball erfahrener Zeitgenosse, mit bald 70 Jahren aber zu alt, um noch im Exekutivkomitee der Uefa Aufnahme zu finden. Zudem steht er für Bewahren und nicht für Innovation.

Der neugewählte SVF-Präsident: Dominique Blanc.

Der neugewählte SVF-Präsident: Dominique Blanc.

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