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Bedeutet der Sieg von Daniil Medwedew eine Wachablösung von Djokovic, Nadal und Federer, oder ist er ein Strohfeuer?

Der Russe Daniil Medwedew feiert seinen Sieg am ATP-Finale gegen den Österreicher Dominic Thiem in London. (Archivbild)

Der Russe Daniil Medwedew feiert seinen Sieg am ATP-Finale gegen den Österreicher Dominic Thiem in London. (Archivbild)

Mit Daniil Medwedew gewinnt zum sechsten Mal in sechs Jahren ein anderer Spieler das Turnier der Jahresbesten. Bei den Grand-Slam-Turnieren bleiben Novak Djokovic und Rafael Nadal der Massstab.

Der ausbleibende Jubel des Russen Daniil Medwedew, nachdem er die ATP Finals in London gewonnen hatte, soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem 24-Jährigen in dieser Woche ein spezielles Kunststück gelungen ist: Er ist der erste Spieler seit David Nalbandian 2007 in Madrid, der im gleichen Turnier sowohl die Nummer 1 (Novak Djokovic in der Gruppenphase), die Nummer 2 (Rafael Nadal in den Halbfinals) und im Final mit Dominic Thiem die Nummer 3 der Welt besiegen konnte. Zuvor war dies 2007 auch dem damals erst 20-jährigen Djokovic (Siege gegen Roger Federer, Nadal und Andy Roddick) und 1994 Boris Becker in Stockholm (mit Erfolgen gegen Pete Sampras, Michael Stich und Goran Ivanisevic) gelungen.

Überraschungen sind eher Regel als Ausnahme

Markieren die ATP Finals 2020 also die lange prophezeite Wachablösung im Männer-Tennis? Das Ende der Vorherrschaft von Djokovic, Nadal und Federer? Möglich, aber nicht wahrscheinlich. Denn seit 2015 gewannen mit Djokovic, Andy Murray, Grigor Dimitrov, Alexander Zverev, Stefanos Tsitsipas und nun Daniil Medwedew gleich sechs verschiedene Spieler das letzte Turnier des Jahres. Kleinere oder grössere Überraschungen waren zuletzt also eher die Regel als die Ausnahme beim Turnier, das Roger Federer sechs Mal (zuletzt 2011), Novak Djokovic fünf Mal (zuletzt 2015) und Rafael Nadal bei zehn Teilnahmen noch gar nie gewonnen haben.

Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic teilten die Grand-Slam-Titel in den letzten Jahrzehnten fast nur unter sich auf.

Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic teilten die Grand-Slam-Titel in den letzten Jahrzehnten fast nur unter sich auf.

Denn ganz anders präsentiert sich die Bilanz bei den vier Grand-Slam-Turnieren, den Australian Open, den French Open, Wimbledon und den US Open: Bei den 43 Turnieren seit 2010 gab es gerade einmal sechs Sieger: Djokovic (16), Nadal (14), Federer (6), Wawrinka und Murray (je 3), Marin Cilic 2016 in New York und Dominic Thiem, der im Herbst im Alter von 27 Jahren mit den US Open sein erstes Grand-Slam-Turnier gewann. Dort fehlte mit Rafael Nadal allerdings der Titelverteidiger, der das Turnier im letzten Jahr viel Mal gewonnen hatte. Und Novak Djokovic wurde in den Achtelfinals disqualifiziert, nachdem er eine Linienrichterin mit dem Ball getroffen hatte. Auch 2021 werden diese beiden der Massstab sein.

Das Grand-Slam-Titel-Rennen der Giganten

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